RT im Kino

Kopfplatzen

Eigentlich läuft es gut für Markus (Max Riemelt). Er ist 29, er ist Architekt, er hat eine gute Wohnung.
Niemand jedoch kennt seine dunkle Seite.
Im Bus schaut er den beiden Jungs zu. Er mag die Lippen des einen Jungen. Er schaut Jungs auf dem Spielplatz zu, wenn sie spielen. Er beobachtet sie im Schwimmbad. Und er will mehr. Eigentlich.
Eigentlich aber auch nicht.
Markus ist pädophil. Er steht auf kleine Jungs. Und er will es loswerden. Er weiß, es ist schlecht. Er weiß, dass er es niemals dazu kommen lassen darf. Er weiß, dass es verboten ist.
Er weiß aber auch, dass sich seine Gedanken immer mehr darum drehen. Als Jessica (Isabell Gerschke) mit ihrem Sohn Arthur (Oskar Netzel) eine Etage tiefer einzieht und sich Jessica in Markus verliebt, wird es für ihn kritisch.

“Kopfplatzen” heißt der aufwühlende Film von Savaş Ceviz. Er erzählt die Geschichte von einem Mann, der seine Lust, seine Neigung koste es, was es wolle, unterdrücken muss und will.
Aus der Sicht von Markus wird gezeigt, was in diesem Mann vorgeht. Wir sehen, wie er die Jungs ansieht, wie seine Hand über dem Körper eines Jungen schwebt, kurz davor, das Kind anzufassen. Wie er mit Arthur schwimmen geht und ihn dort fotografiert und unter der Dusche einseift. Immer gibt es einerseits Momente, wo er selbst weiß, dass er nicht weitergehen darf. Andererseits gibt es die Augenblicke, wo andere Umstände dazu führen, dass er eine Grenze nicht überschreitet, überschreiten kann.
Für den Zuschauer ist “Kopfplatzen” sicherlich eine neue Erfahrung. Denn man schaut in die Welt eines Pädophilen. Was er erlebt, wie er mit sich ringt. Da gibt es die erschütternde und wütend machende Szene, als sich Markus einem Arzt offenbart und der ihn empört rausschmeißt. Ein Schock – für den Zuschauer und für Markus.
Max Riemelt spielt den zerrissenen Mann auf atemberaubende Weise, manchmal kaum auszuhalten. Aber das die auch die Qualität dieses Films: Er gibt keine einfachen Antworten.

-> Trailer auf Youtube

Kopfplatzen
D 2019, Regie: Savaş Ceviz
Salzgeber, 99 Minuten, ab 16
8/10

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