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Tobias Schlegl: Schockraum

Tobias Schlegl begann seine Karriere bei VIVA. Da war er Kult, und nicht nur, weil er öfter von Oliver Kalkofe durch den Kakao gezogen worden war. Später moderierte er die NDR-Satiresendung “extra 3”, dann das ZDF-Kulturmagazin “aspekte”.
2016 zog er den Stecker. Raus aus der Medienbranche. Was Neues machen.
Er begann eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter.
Eigentlich war nicht geplant, dass er diese Ausbildung und seinen neuen Beruf medial in irgendeiner Art und Weise ausschlachten will. Aber es kam anders. Weil er das Erlebte verarbeiten wollte und musste. Er begann ein Buch zu schreiben – und das ist nun da.

Kim war erfolgreicher Werbetexter, als er beschloss, den Job an den Nagel zu hängen. Seitdem ist er Notfallsanitäter. Doch der Stress zermürbt ihn. Die Schichten sind lang und anstrengend. Die Notfälle fordern ihn körperlich und psychisch. Nachtschichten. Überstunden. Kollegen, die einen fordern.
Er beginnt, Fehler zu machen. Er hat für nichts mehr Zeit und kann sich zu nichts mehr aufraffen. Bald verlässt ihn seine Freundin. Als sein bester Freund Benny ihn zu einer Reise ans Meer mitnimmt, könnte es ein Wendepunkt sein. Aber es wird schlimmer.

“Schockraum” heißt der Roman, den Tobias Schlegl auch seinen Kolleginnen und Kollegen widmet. Er schildert anhand von Kim, wie zermürbend die Arbeit in der Rettungsbranche ist.
Da geht es um die Überlastung der Leute, die dort arbeiten. Wenig Freizeit, wenig Geld. Dazu die Menschen, die teilweise aus nichtigen Gründen den Rettungswagen rufen. Und natürlich die Fälle, die aufs Gemüt schlagen.
Tobias Schlegl zeigt in seinem Roman das ganze Spektrum dessen, was Leute offenbar in diesem Beruf erleben, und er beschreibt auf eindringliche Art, wie der junge Mann immer tiefer rutscht in einen Strudel aus Schlaflosigkeit und Depressionen. Wer wissen möchte, unter welchen schwierigen Bedingungen die Retter arbeiten und drohen, selbst Retter zu brauchen, der sollte “Schockraum” unbedingt lesen. Und Entscheider sollten das erst recht.

Tobias Schlegl: Schockraum
Piper, 287 Seiten
9/10

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