Tagesarchiv für 30. April 2020

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Deutscher

Donnerstag, den 30. April 2020
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DI 28.04.2020 | 20.15 Uhr | zdf neo

Das ZDF hat ein spannendes Gedankenspiel mal wieder im kleinen Spartenprogramm versteckt. Aber vielleicht will man gar nicht die große Bühne für den Vierteiler bekommen. Denn “Deutscher” könnte einen Shitstorm auslösen, der sich gewaschen hat. So von wegen: Alle linksversifft.

In der Dramaserie, die am Dienstag- und Mittwochabend bei zdf neo lief, ist die Bundestagswahl zu Ende gegangen, und alles ist anders. Die ehemaligen Volksparteien sind so schwach geworden, dass sie gegen die Rechtspopulisten keine Regierung mehr bilden können. Die stramm Rechten kommen an die Macht, und ganz schnell dreht sich auch die Stimmung im Land.

Die Familien Pielcke und Schneider leben in ihren Häusern Grundstück an Grundstück. Die Pielckes sehen der Zukunft positiv entgegen, schließlich würde sich die Politik nun den wichtigen Themen annehmen. Die Schneiders machen sich Sorgen, und Christoph bemerkt als Lehrer recht schnell, dass an der Schule nun ein neuer Wind weht.

Die Serie wirft ein dramatisches Bild. In “Deutscher” geht es nicht um die Politik und um die Politiker, sondern darum, was der rechte Wahlsieg mit den Menschen machen könnte. Denn die, die schon vorher in den sozialen Netzwerken pöbelten, die fühlen sich nun bestätigt, die sind jetzt “an der Macht”. Die können den anderen jetzt zeigen, was das Sagen hat. Da wird der Apotheker, der zwar in der Stadt geboren worden ist, aber türkische Wurzeln hat, beschimpft. Da wird im Dönerimbiss übelst beleidigt. Da prügeln aufrechte Deutsche auf den türkisch Aussehenden ein, weil er türkisch aussieht.
Und als dann auch der Dönerimbiss abgefackelt wird, steigt die Unruhe noch weiter.
Es herrscht eine Stimmung der Angst, andererseits eine angespannte, gewalttätige Stimmung. Und interessanterweise geht der Riss auch nicht nur zwischen Den Nachbarn hindurch, sondern auch durch die Familien. In der Hinsicht bietet auch die Serie mehr als nur Schwarz-Weiß-Denken.
Und man hat nicht das Gefühl, dass das alles sehr weit hergeholt ist, wenn man sich an einige Twitter-Tweets von Anhängern einer bestimmten Partei erinnert, die orakelten, was passiert, wenn sie an die Macht kämen. Vermutlich deshalb wird diesen Leuten “Deutscher” auch nicht gefallen.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 25. Oktober 2020)

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Max Annas: Finsterwalde

Donnerstag, den 30. April 2020
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Irgendwann in einer nicht ganz so fernen Zukunft. In Europa macht jedes Land wieder sein eigenes Ding. Die Europäische Union ist Vergangenheit. In Deutschland ist eine offenbar eines rechtsextreme Regierung an der Macht. Ausländer müssen das Land verlassen. Wer kein deutscher Staatsbürger ist, muss gehen. Wer Staatsbürger mit ausländischen Wurzeln ist, muss auch gehen, die Staatsbürgerschaft wird aberkannt. Bevor sie abgeschoben werden, kommen sie in Lagern zusammen.
In Finsterwalde in Brandenburg gibt es so ein Lager. Die Stadt ist zweigeteilt. Im einen Teil leben die Afrodeutschen, die bald gehen müssen. Im freien Teil leben die Deutschen, die kaum vom Lager Notiz nehmen. Und auch in Berlin herrscht für Ausländer ein Klima der Angst.
Als das Gerücht aufkommt, dass in Berlin drei schwarze Kinder zurückgeblieben sind, macht sich eine Gruppe auf den (illegalen) Weg in die Hauptstadt. Er ist beschwerlich.
Unterdessen erlebt ein griechisches Paar das bedrückende Leben in Berlin.

Max Annas erzählt in seinem Roman “Finsterwalde” von einer beängstigenden deutschen Zukunft. Er berichtet davon, wie Deutschland aussieht, wenn neue Machtverhältnisse herrschen. Aber besonders erzählt er, wie es den griechischen Einwanderern in Berlin und den Afrodeutschen in Finsterwalde geht.
Das ist an sich interessant, hätte aber noch so viel spannender sein können. Denn lange, sehr lange wird die Flucht der Gruppe aus Finsterwalde erzählt, außerdem geht es um eine Suche innerhalb Berlins. Das zieht sich über weite Strecken des Buches, hat aufregende Momente. Aber alles in allem verliert sich die Geschichte total. Der Fokus liegt auf die beiden angstvollen Touren, es sind eigentlich nur noch Beschreibungen dessen, was beide Gruppen unterwegs erleben.
Stattdessen fehlt eigentlich das große Ganze. Hin und wieder wäre es spannend gewesen, mehr über die Lage in Deutschland zu erfahren. Oder auch mehr über das, was in Finsterwalde geschieht. Stattdessen rennt hier jemand, rast da jemand, begegnet an andere Stelle jemand jemanden, und hier mal noch ein Spurt, da mal verstecken – und so weiter. Bald liest man nur noch quer, weil auf vielen Seiten letztlich wenig passiert.
Starker Beginn, aber ein Verlauf, der inhaltlich zwar erschüttert, erzählerisch dennoch aber eher lau ist. Die Geschichte hätte sehr viel mehr Potenzial haben können.

Max Annas: Finsterwalde
Rowohl Hundert Augen, 397 Seiten
5/10

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