Tagesarchiv für 8. April 2020

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Videos über guten Geschmack

Mittwoch, den 8. April 2020
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Coronavirus: Der Spirituosen-Verkauf in Sommerfeld geht weiter, die Bar in Berlin ist geschlossen – von Wien aus macht Nicolas Kröger Clips auf Youtube und Podcasts auf Spotify

MAZ Oberhavel, 8.4.2020

Sommerfeld.
Beruflich und privat pendelt Nicolas Kröger immer zwischen Sommerfeld und Wien. Jetzt sitzt er in der Hauptstadt Österreichs fest. Die Corona-Pandemie macht Reisen unmöglich. „Normalerweise bin ich drei Tage pro Woche hier in Wien“, sagt er. Dort lebt er bei seiner Freundin. Das heißt aber nicht, dass seine Firma „N. Kröger Fine Spirits“ in Sommerfeld brach liegt. Der 29-Jährige ist Spirituosen-Produzent. Bei ihm gibt es Gin, Rum oder Whisky. Er kreiert neue Sorten und füllt die Flaschen in seiner Sommerfelder Manufaktur ab und lässt sie etikettieren. „Die Produktion war vorbereitet, es kann dort weitergehen“, sagt er. Der Onlinehandel wird weiter abgewickelt. Seine „Wagemut“-Bar in Berlin allerdings ist geschlossen. „Ich hatte sie allerdings schon vorher auf Null gesetzt, das hatte mit Corona nichts zu tun“, sagt Nicolas Kröger. „Ich wollte eh einen Neustart machen und die Bar von Grund auf neu aufbauen.“ Die Neueröffnung war für den 1. April geplant – die muss nun warten. Wenn er wieder darf, will er mit neuem Team wieder loslegen – und er selbst will mehr mitmischen. Dafür sei vorher kaum Zeit gewesen.

In Wien hat er nun viel Zeit. Andererseits: Langweilig ist ihm nicht. Denn er hat sich neue Aufgaben gesucht. Nicolas Kröger macht nun Youtube-Videos und einen Podcast unter anderem beim Streamingdienst Spotify. Und natürlich dreht sich alles um das, was er besonders gut kann. Er gilt in der Branche als ein Feinsensoriker.„Das Wertvollste, was ich habe, ist zu wissen, was Leute geschmacklich wollen“, erzählte er in einem MAZ-Gespräch im Somer 2019. Er sitzt oft in Jurys und bewertet den Geschmack von Spirituosen. Auch hält er entsprechende Vorträge. „Aber die dauern dann eine halbe Stunde oder auch anderthalb Stunden. Das reicht nicht, da kann ich nicht alles rüberbringen, was mir wichtig ist.“

Schon im August 2018 startete er seinen Youtube-Kanal „Bar Wagemut“. „Aber dafür fehlte mir immer die Zeit.“ Die hat er nun. In seinen Videos zeigte er bereits, was seine Kunden aus den Produkten, die es bei ihm in Sommerfeld gibt, alles zaubern können. In der „Wagemut Taste Academy“ mixte er beispielsweise „Manhattan“-Variationen oder einen Espresso Martini. Auch startete er eine Reihe über die „Faszination Spirituosen“. In dem Video geht es um die vielfältige Welt des flüssigen Geschmacks. Er berichtet über guten und schlechten Geschmack, sensorische Manipulation oder wie Zucker die geschmackliche Wahrnehmung beeinflusse. Alles, was er dort erzählt, gibt es bei Spotify auch als Podcast in der Hörfassung – kostenlos unter dem Titel „Wagemut Taste Academy“.
Auch auf der Social-Media-Plattform „TikTok“ ist er vertreten. Dort erreichte eines seiner kurzen Videos bislang fast 100 000 Aufrufe. „Das ist mega.“

Fünf bis sechs Stunden am Tag arbeitet er an den Videos und Podcasts, außerdem beantwortet er Fragen und Kommentare der Menschen, die sich seine Clips ansehen oder anhören. „Die Interaktion mit den Leuten ist enorm wichtig“, sagt er. „Langeweile habe ich in meinem Leben noch nie gehabt. Und auch jetzt bin ich absolut gut beschäftigt“, sagt Nicolas Kröger. Er komme nicht mal dazu, in Ruhe einen Film zu sehen. Ihm bleibe jetzt nichts anderes übrig, als die Krise abzuwarten. Für seine Bar hofft er auf eine Mietvereinbarung, und in Sommerfeld läuft die Produktion weiter.

-> www.NKroeger.de; Auf Youtube: Bar Wagemut.

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Zurück am Unfallort

Mittwoch, den 8. April 2020
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Beim tödlichen Unfall zwischen Eichstädt und Marwitz leisten Anika Langas und Mandy Krenz Erste Hilfe – leider vergebens

MAZ Oranienburg, 8.4.2020

Marwitz.
Ein Unfall, direkt vor ihr steht ein Auto quer. Als Anika Langas aus Kremmen am Mittwoch vergangener Woche zwischen Eichstädt und Marwitz unterwegs ist, bietet sich vor ihr ein schlimmes Bild. Zuvor waren auf der Landesstraße 17 – so geht es aus dem Polizeibericht hervor – zwei Autos frontal zusammengestoßen. Ein 22-Jähriger stieß mit seinem BMW beim Überholen gegen den Nissan eines 68-Jährigen. Die Kremmenerin gehört an diesem Nachmittag zu den Ersthelfern vor Ort. Es tut ihr gut, darüber zu reden. Reden hilft ihr, sagt sie.

„Ich hatte meine Tochter dabei und habe ihr erst mal das Handy in die Hand gedrückt“, erzählt Anika Langas. Dann stieg sie aus. Den 22-Jährigen aus Polen fragte sie, ob alles okay ist. Er habe unter Schock gestanden. „Er hat mich schlecht verstanden, ich habe ihm gesagt, er soll sich in den Graben setzen.“ Sie bemerkte, dass im anderen Auto neben dem Fahrer auch eine Frau saß. Sie rief noch weitere Helfer an die Unfallstelle heran, Rettungskräfte sind zudem alarmiert worden.
Auch Mandy Krenz erreichte die Unfallstelle, bevor die Retter eintrafen. Die Ortsvorsteherin aus Bötzow hatte Feierabend und wollte nach Hause. Anika Langas und Mandy Krenz berieten kurz. Die Bötzowerin beschloss, sich zu dem 68-Jährigen ins Auto zu setzen. „Ich wollte ihn beruhigen. Ich habe ihn gefragt, wo er herkommt, um vom eigentlichen Geschehen ein bisschen abzulenken.“ Denn Mandy Krenz kannte den Mann – er lebte mal in ihrer Nachbarschaft. „Wir haben uns relativ normal unterhalten, aber er stand unter Schock.“ Er bat sie, seinen Bruder anzurufen. Mehr helfen konnte sie nicht, der Mann war in seinem Auto eingeklemmt. „Ich habe die Hand gehalten und beruhigt.“
Die Rettungskräfte trafen unterdessen sehr schnell ein. „Es ist für einen selbst in so einer Situation ja gefühlt immer eine Ewigkeit, aber es ging wirklich schnell“, so Mandy Krenz weiter.

Der 68-Jährige musste mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Auf dem Weg dorthin, starb er jedoch. „Als ich das erfahren habe, war ich erschüttert, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Mandy Krenz. „Ich war schockiert“, erzählt Anika Langas. Beiden hat es danach geholfen, viel darüber zu sprechen. „Mir wurde auch Seelsorge angeboten“, so Mandy Krenz, aber das sei nicht nötig gewesen.

Als die beiden Frauen in diese Situation geraten sind – keine von ihnen hat gezögert, zu helfen. „Ich habe nicht daran gezweifelt, dort auszusteigen“, sagt die Kremmenerin. „Ich habe keine hundertstel Sekunde überlegt.“ Ihre Devise: „Einfach machen. Einfach helfen, egal, wer es ist.“ Damit reagiert sie auch auf Beleidigungen, die auf Facebook laut geworden ist, dass sie auch dem mutmaßlichen Unfallverursacher geholfen hat. „Es ist in dem Moment egal, und mit Absicht hat er das sicher nicht getan“, sagt Anika Langas.

Ariane Feierbach von der Polizeidirektion Nord sagte auf MAZ-Nachfrage, dass die Ermittlungen noch laufen. Ein Gutachten dauere immer länger als die Unfallaufnahme, sagte sie.

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