Tagesarchiv für 26. August 2019

RT liest

Sven Regener: Wiener Straße

Montag, den 26. August 2019

Frank Lehmann – oder besser: Herr Lehmann ist ja durchaus Kult. Der gleichnamige Roman von Sven Regener ist ein Bestseller. Es folgten mehrere Nachfolgeromane, nun gibt es “Wiener Straße”.
Auch dieses Buch taucht wieder ein in den Kosmos um Lehmann und seine Freunde, wobei Frank Lehmann selbst eigentlich nur eine Randfigur ist.

1980 in West-Berlin. Die Gruppe um Lehmann zieht in eine Wohnung über dem Café Einfall. Einige von ihnen planen eine Ausstellung, das Café muss außerdem betrieben werden, und die Wohnung braucht ja auch noch so was wie eine Einrichtung.

Das ist so zäh wie es klingt. Vermutlich ist das Sven Regeners nichtssagenstes Buch. “Wiener Straße” ist eine merkwürdige Sammlung von Begebenheiten, die über weite Strecken einfach nur schrecklich uninteressant sind. Gerade im ersten Teil des Buches passiert schlicht nichts Relevantes. Hinzu kommen unfassbare Bandwurmsätze, die einfach nicht enden wollen, zig Einschübe, ein große Laberei.
Immer wieder unterhalten sich da Leute, und viel zu oft ist das alles viel zu belanglos.
So liest man auch schnell über die Seiten hinweg. Nur selten gibt es Geschichten im Buch, die irgendwie interessant sind, dann aber völlig motivationslos im Sande verlaufen.
Der Verlag kündigt “Wiener Straße” als “großen Roman voll schräger Vögel in einer schrägen Welt” an. Allerdings macht das noch keinen großen Roman aus. Eine Geschichte, die mehr als belanglose Beobachtungsplauderei sollte schon drin sein.

Sven Regener: Wiener Straße
Galiani Berlin, 297 Seiten
3/10

Hits: 232

RTZapper

Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare: Willi Herren

Montag, den 26. August 2019
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DI 20.08.2019 | 20.15 Uhr | RTL

Willi Herren will gewinnen, und dafür scheint er über Leichen zu gehen. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist weiterhin Trash, ist aber ebenfalls weiterhin eine interessante Menschenkunde.

Willi Herren ist mit seiner Frau Jasmin im Sommerhaus. Mit Sabrina, bekannt aus der ersten “Big Brother”-Staffel, scheint ihn etwas zu verbinden – irgendwas mit Freundschaft oder mehr. Nun gibt es immer wieder Zoff, und am liebsten will Willi Sabrina loswerden. Gemeinsam mit einigen der anderen Bewohner schmiedet Willi den Plan der Nominierung.

Aber ach: In einem der Spiele kann Sabrina erreichen, dass eine Nominierung nicht möglich ist. Das bringt Willi in Schwierigkeiten. Denn erst kürzlich sagte er zu seinem Kumpel Benjamin Boyce, dass er ihn keinesfalls nominieren würde. Und plötzlich stand eben dieser Benjamin auf der Nominierungsliste – mitgewählt von Willi Herren.

Nun ist das alles natürlich nur ein Spiel. Aber am Dienstagabend war bei RTL zu sehen, auf welch menschlichem Niveau sich Willi Herren befindet. Einerseits regt er sich auf wie ein Rohrspatz, wenn er von jemandem nominiert wird, andererseits scheint er sogenannten Freunden eiskalt ins Gesicht zu lügen, denn auch später noch sagte Herren dem Boyce, dass er ihn nie nominieren würde.
Im Sommerhaus finden knallharte Machtspiele statt, und, ja, es ist abendlicher Dokusoap-Trash. Aber es geht ganz offenbar auch um menschliche Abgründe, und Willi Herren zeigt, wie tief diese sein können. Das widert einen als Zuschauer fast schon ziemlich an.

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (89): Warten, weil pünktlich

Montag, den 26. August 2019
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(88) -> 4.5.2019

Der Zug steht im Bahnhof. Es rührt sich nichts. Keine Ansage, keine Information. Die Leute im Regionalexpress, der im Oranienburger Bahnhof steht, werden langsam nervös. Eine Frau beginnt, hektisch in ihrer Tasche zu kramen. Vielleicht sucht sie nach einem Fahrplan. Als sie fertig mit kramen mit, hat sie immer noch nichts in der Hand. Vielleicht hat sie einfach nur so gekramt.

Und der Zug steht immer noch: “Wieso fährt der denn nicht, das kann doch nicht sein!?”, sagt eine Frau zu ihrer Sitznachbarin.
Ich bin nicht ganz so nervös, auch wenn es sich in der Tat um einen bemerkenswerten Vorgang handelt. Denn der RE5 aus dem Norden ist viel zu früh in Oranienburg angekommen, sicherlich fünf Minuten eher als geplant. Nun steht er da und wartet die Zeit ab. Als ich auf die Bahnhofsuhr schaue, sind es immer noch drei Minuten bis zur fahrplanmäßigen Abfahrt.
Fast auf die Sekunde genau setzt sich der Zug dann in Bewegung. In diesem Augenblick beginnt auch die Frau im Abteil gegenüber auch wieder zu kramen – und wieder ergebnislos.

Und damit ich mich gar nicht erst an eine pünktliche Bahn gewöhne, ist am späten Abend der RE5 vom Potsdamer Platz in Berlin nach Rostock um gleich 50 Minuten verspätet. Ich fahre stattdessen mit der S-Bahn – inklusive Schienenersatzverkehr.

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