RT im Kino

Beautiful Boy

Warum?
Warum, um Gottes Willen, macht er das? Es gibt doch gar keinen Grund!
Aber das ist genau das Schlimme: Dass es keinen Grund gibt. Dass er die Frage nach dem Warum eigentlich gar nicht beantworten kann. Niemand kann die beantworten.

Familie Sheff führt ein gutes Leben. Sie gehören zur Mittelschicht Amerikas, alles verläuft recht harmonisch.
Aber dann beginnt Sohn Nic (Timothée Chalamet), Drogen zu nehmen. Erst sind es die weichen Drogen, aber sie werden immer härter. Bis hin zu Crystal Meth. Immer wieder verspricht er, aufzuhören. Immer wieder schafft er es, clean zu werden und zu bleiben. Aber immer wieder stürzt er ab.
Vater David (Steve Carell) versucht alles Menschenmögliche, ihn von den Drogen wegzubekommen. Aber er muss einsehen, dass er seinem Sohn offenbar nicht helfen kann. Ihn macht das fassungslos – denn sie waren doch mal ein so gutes Team.

“Beautiful Boy” von Regisseur Felix van Groeningen entstand nach den autobiografischen Werken von David Sheff und seinem Sohn Nic Sheff, die ihre Erlebnisse jeweils aus ihrer Sicht geschildert haben.
Der Film rüttelt deswegen so auf, weil er zeigt, dass der Drogenkonsum nicht nur ein Problem in schmuddeligen Gegenden ist, wie es gern mal in solchen Filmen dargestellt wird. Es trifft eine Familie, von der man es nicht erwartet. Und tatsächlich lässt sich nicht so richtig sagen, wieso Nic eigentlich in den Drogensumpf abgleitet. Denn genau darum geht’s: Es kann jeden treffen, und in den USA sind Drogen ein derartiges Problem, dass sie die Todesursache Nummer 1 bei jungen Leuten ist.
Die Geschichte ist interessant erzählt – es gibt nämlich immer wieder Rückblenden, in denen dargestellt wird, was die Familie ausmacht. Steve Carell spielt den verzweifelten, aber unglaublich liebevollen Vater auf herzzerreißende Art. Und Timothée Chalamet dabei zu beobachten, wie er seine dargestellte Figur zugrunde richtet, sorgt für körperliche Schmerzen. Wie überhaupt dieser Film Momente hat, die kaum auszuhalten sind.

Beautiful Boy
USA 2018, Regie: Felix von Groeningen
NFP, 121 Minuten, ab 12
8/10

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