Monatsarchiv für Februar 2019

RT im Kino

Vice – Der zweite Mann

Sonntag, den 24. Februar 2019
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Christian Bale hat es wieder getan. Er hat sich mit seinem ganzen Körper eine Rolle hingegeben. In “Vice” spielt er Dick Cheney, ein ziemlich runder Mann. Dafür hat er sich wieder ordentlich Kilos angefressen. Christian Bale ist kaum wiederzuerkennen.

Dick Cheney war ab 2001 in den USA Vize-Präsident unter George W. Bush. Dort war er ein echter Hardliner. Das war zunächst nicht absehbar. In den 60ern war Dick ein eher fauler Typ – und Studienabbrecher. Seine Frau Lynne (Amy Adams) hat darauf keine Lust, sie stellt ihn vor die Wahl: Entweder ändert er was oder sie ist weg.
Er beginnt unter Nixon eine politische Karriere, wird Stabschef im Weißen Haus, später Verteidigungsminister. Als die Demokraten an die Macht kommen, zieht er sich aus der Politik zurück. Bis ihn George W. Bush (Sam Rockwell) ruft. Er sucht nach einem erfahrenen Mann.
Normalerweise hat ein Vize-Präsident wenig zu sagen, aber Dick Cheney erkennt seine Chance und die offensichtliche Lust- und Ahnungslosigkeit Bushs und reißt viel Macht an sich.
Er führt die USA in Kriege und scheint keine Skrupel zu kennen.

Was treibt diesen Mann an? Das ist die eigentliche, entscheidende Frage, die man sich stellt, wenn man “Vice” sieht. Nach dem 11. September 2001 suchen Dick Cheney und Co. einen Sündenbock, es müsse ein Land sein, dass man als Feind darstellen könne. Da kam offenbar der Irak mit Saddam Hussein gerade recht. Der Film zeigt auf, dass die Bombardierung des Iraks fast willkürlich erfolgte – aus Gründen des eigenen Machterhalts.
Der Film zeigt auch, dass die Kriege, die die USA geführt haben mehr Opfer gefordert haben als beispielsweise die Terroranschläge und Kriege des IS. Eine wirkliche Antwort, was Cheney zu einem derartigen Hardliner machte, findet man allerdings nicht wirklich. Aber man blickt in diese US-Machtzentrale, die sich scheinbar ihre Wahrheiten zurückrückt.
Filmisch ist es faszinierend, wie Christian Bale in die Rolle dieses Machtmenschen schlüpft. Auch Amy Adams spielt ihre Rolle von Cheneys Frau ganz toll – eine Frau, die hart zu sich selbst ist und ebenfalls zum Ziel zu haben scheint, Macht auszuüben.
“Vice” ist einer dieser Filme, die einen wütend zu den Herrschenden blicken lassen. Zu diesen Menschen, die uns anlügen und denen es nur um Herrschaft geht.

Vice – Der zweite Mann
USA 2018, Regie: Adam McKay
Universumfilm, 132 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 244

RTelenovela

Zigfacher Alarm!

Sonntag, den 24. Februar 2019
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Was für ein Getöse! Als ich in das Parkhaus auf dem Potsdamer Platz in Berlin fahren will, höre ich schon, dass am Gebäude der Alarm schrillt. In der Straße vor der Einfahrt stehen Feuerwehr und Polizei, die Einfahrt ins Parkhaus ist gesperrt.
Ich muss mir also was anderes suchen. Und irgendwie wird es unheimlich. Denn auch am Nachbargebäude schrillt der Alarm. Ich fahre einmal um den Platz herum. Auf der anderen Seite der Potsdamer-Platz-Arcaden schrillt ebenfalls der Alarm. Ich fahre noch ein Stück weiter, und auch dort: Alarm! An fünf oder sechs Gebäuden auf dem Areal schrillt der Alarm und blinken Lichter.
Ich parke mein Autos ein wenig entfernt und laufe auf den Platz. Darüber wabern aus verschiedenen Richtungen die diversen Alarmanlagen. Eine merkwürdige Atmosphäre.

Zumal das Leben ganz normal weitergeht. Die Arcaden sind geöffnet, der Betrieb dort geht normal weiter. Auch das Kino ist im Betrieb.
Allerdings findet davor eine Demo statt. Zum Alarm kommen Trillerpfeifen hinzu. Warnstreik des Kinopersonals. Sie kämpfen für höhere Löhne, weil ihre aktuellen wohl nur knapp über dem Mindestlohn liegen – und das, so schreiben sie auf Flyern, obwohl die Betreiberfirma viel Geld verdient.

Als ich zweieinhalb Stunden später aus dem Kino komme, herrscht draußen wieder Ruhe. Der Alarm scheint relativ spurlos vorüber gegangen sein.

Hits: 193

RTelenovela

Arcaden-Krise

Samstag, den 23. Februar 2019
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Das kommt am Potsdamer Platz in Berlin immer öfter vor: Man läuft zu einem Geschäft, um dann vor Ort festzustellen, dass es nicht mehr da ist.
Erst heute wieder: Ich lief zur Deutschen Bank. Oder besser: zu dem Ort, wo die Deutsche Bank mal eine Filiale hatte. Sie ist nicht mehr da, ist jetzt irgendwo am Leipziger Platz – wo ich aber keine Lust habe, extra hinzulatschen.

Irgendwie steckt der Potsdamer Platz in einer Krise. Wenn man durch die Arcaden läuft, sieht man immer öfter zugenagelte Geschäfte. Der Elektronikladen ist schon lange weg, stattdessen ist das jetzt eine Hier-gibt-es-alles-Kette drin. Der schöne Buchladen ist auch schon lange weg.
Stattdessen gibt es jetzt im Erdgeschoss einen dieser neumodischen Imbissläden, in dem hinter dem Tresen zwei gelangweilte Gestalten stehen. Andererseits reicht ein Blick auf das Geschäft nicht aus, um zu erfassen, was es denn da geben könnte. Da setzt bei mir schon mal eine Bocklosigkeit ein, da überhaupt reinzugehen.

Klamottenläden locken mit Prozenten, irgendein anderer Dingsbums-Laden kündigt die Schließung an. Vor dem Blumenladen steht eine irritierte Dame, weil da offenbar bei ihrem letzten Besuch noch was ganz anderes verkauft worden ist.

Es ist schade, dass der Potsdamer Platz scheinbar so verkommt. Denn der Leipziger Platz nebenan mit dem neuen Shoppingcenter ist keine Alternative. Das Ding ist rummelig, und die vielen, vielen Läden sind üppig vertreten, aber meist so klein, dass da kaum was zu holen ist. Ich habe noch nie so eine kleine C&A-Filiale gesehen wie dort.

Hoffentlich hält in den Potsdamer-Platz-Arcaden wenigstens der Asia-Imbiss im Obergeschoss durch. Ansonsten hat sich das Center komplett erledigt.

Hits: 201

RTZapper

Eurovision Song Contest 2019: Unser Lied für Israel

Samstag, den 23. Februar 2019
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FR 22.02.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die S!sters treten mit ihrem Song “Sister” für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv an. Wie dieser Song in Israel und beim internationalen Fernsehpublikum, müssen wir natürlich erst noch abwarten – aber wir hätten es wirklich schlechter treffen können. Der Refrain ist letztlich recht eingängig, dass wir mal mit einem Frauenduo antreten, ist auch mal was Neues.

Dennoch gibt es ein großes Aber. Denn die Show “Unser Lied für Israel” am Freitagabend im Ersten zeigte auch recht deutlich, wie mutlos wir eigentlich geworden sind.
Im Bestreben bloß alles richtig zu machen, setzten wir auf Plastikpop. Fast jeder der sieben vorgestellten Songs hätten zum Event nach Israel ohne Weiteres fahren können. Keiner der sieben Songs war wirklich schlecht, sie waren alle okay, aber eben auch nicht mehr.
Nicht einer der Songs war auf Deutsch. Nicht falsch verstehen: Es ist kein Muss, dass wir deutschsprachig beim ESC antreten. Aber man kann doch wenigstens mal einen Song antesten und schauen, wie und ob der funktioniert. Nicht einer der Songs kam aus einer ungewöhnlichen musikalischen Richtung. Man hat sich nichts trauen wollen. Kein Rock, kein Schlager – nichts, was irgendwie herausstechen konnte.

Siebenmal erlebten wir glatten Pop, und am Ende schien es irgendwie egal, wer da eigentlich gewinnt. Wenn es das ist, was rauskommt, wenn man monatelang castet, Songs schreiben lässt, Leute zu Umfragen einlädt – das ist das ziemlich dünn. Dass mit “Sister” übrigens der Song gewonnen hat, der gar nicht aus diesem Findungsprozess stammt, sondern vom NDR nachnominiert worden ist, ist mindestens bemerkenswert. Dass die S!sters gar keine Schwester sind, sondern vor einem Monat überhaupt das erste Mal extra für den ESC aufeinandertrafen, ist da auch schon fast wieder wurscht.

Bei aller Meckerei: Mit “Sister” müssen wir uns vermutlich nicht verstecken, und bis Mai wird sicherlich noch an einer guten Performance gearbeitet.

Hits: 241

RT im Kino

Der verlorene Sohn

Samstag, den 23. Februar 2019

Es darf nicht sein, was einfach nicht sein kann. Es ist nicht gottgewollt. Aber Gott hilft, um wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Und wenn man sich auf den rechten Weg zurückbringen lässt, dann ist die Beziehung zu Gott noch viel gefestigter.
So sieht das jedenfalls der Baptistenprediger Marshall Eamons (Russell Crowe). Sein Sohn Jared (Lucas Hedges) fühlt sich von Männern angezogen. Er ist ziemlich brutal vergewaltigt worden, von einem jungen Mann. Das schmerzt. Es ändert aber nichts daran, dass Jared immer wieder an Männer denkt. Dass er schwul ist.
Marshall redet auf seinen Sohn ein, damit Jared an einem Programm teilnimmt, das seine bösen Gedanken, seine Sünden austreiben soll. Danach soll er als gesunder Mensch wiederkehren.
Begleitet von seiner Mutter Nancy (Nicole Kidman) reist er also zum “Love in Action”-Zentrum. Doch diese Therapie verläuft anders als erwartet.

Das gibt es in den USA noch immer: Schwule Jugendliche sollen umgepolt werden. Auf sie wird eingeredet, psychischer Druck ausgeübt – wochenlang, auch monatelang. Davon erzählt der Film von Joel Edgerton. “Der verlorene Sohn” fühlt sich von seinen Eltern im Stich gelassen. Auch, weil seine Homosexualität in dem Moment ans Licht kommt, wo es ihm sehr schlecht geht. Obwohl er das Opfer ist, wird ihm Sünde vorgeworfen.
Es ist beklemmend zu beobachten, wie der Glaube, wie Gott missbraucht wird, um auf Menschen einzuwirken. Es sind Szenen, die verstören, die wütend machen.
Lucas Hedges spielt den Jugendlichen, der seine Identität eigentlich selbst erst noch finden muss, faszinierend gut. Aber auch Nicole Kidman als sorgenvolle Mutter, die erst im Hintergrund bleibt, dann aber zu einer zentralen Figur wird, zeigt ein nachdrückliches Schauspiel.
Dieser Film zeigt, dass in der Aufklärung über den Umgang mit Homosexualität noch längst nicht alles in Butter ist.

Der verlorene Sohn
USA 2018, Regie: Joel Edgerton
Universal, 115 Minuten, ab 12
9/10

Hits: 208

RTZapper

NeoMagazin Royale: Lösen sich Die Ärzte auf?

Freitag, den 22. Februar 2019
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DO 21.02.2019 | 22.20 Uhr | zdf neo

Die Ärzte aus Berlin sind ja nicht nur die beste Band der Welt. Sie machen auch die beste PR. Gerade gibt es auf ihrer Webseite ein Buchstabenrätsel, das die Fans in Aufruhr versetzt. Immer wieder werden Buchstaben hinzugefügt, und es scheint, als ob das Lösungswort “ABSCHIED” sein könnte.
Abschied? Lösen sich Die Ärzte auf?

Wie gut, dass Jan Böhmermann am Donnerstagabend auf zdf neo im ersten “NeoMagazin Royale” im neuen Jahr Bela B. zu Gast hatte. So konnte er ihm auch die Fragen aller Fragen stellen: Lösen sich Die Ärzte auf?
Die Antwort… haben wir nicht gesehen. Blöderweise gab es da einen kleinen Schnittefehler, und bei Stream in der Mediathek fror auch irgendwie das Bild ein. Und kam erst zurück, als im Publikum alle bestürzt guckten.

Und wir sind so schlau wie vorher. Die PR-Maschine läuft weiter wie geschmiert, und am Ende werden wir alle… tja, mal sehen.

Hits: 254

aRTikel

Im Winter sind die Bärenklauer immer auf dem neuesten Stand

Donnerstag, den 21. Februar 2019
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Familie Klatt zeigt auf einer Tafel an der Vehlefanzer Straße, wie viele Einsätze sie in der laufenden Saison bereits vorweisen können

MAZ Oranienburg, 21.2.2019

Bärenklau.
Auf zehn Grad stand gestern Nachmittag das Thermometer. Ein frühlingshafter Februar-Tag – an Winterdienst mag man da kaum denken. In der Tat gab es in Bärenklau in dieser Wintersaison – sie dauert von November bis März – bislang nur sieben Einsätze. Die Bewohner des Dorfes werden darüber immer aktuell informiert, denn seit gut zehn Jahren steht in dem Wintermonaten immer eine Infotafel in der Einfahrt der Familie Klatt an der Vehlefanzer Straße.

Immer wenn Klatts vom Winterdienst-Einsatz zurückkehren, wird auch die Tafel aktualisiert. René Klatt sagt: „Ich kann mir auch eher Zahlen als Namen merken.“ In der Rückschau war es wohl der Winter 2009/10, wo alles anfing. „Das war ein extremer Winter“, erzählt Gundula Klatt. „Als es bei den Einsätzen in die 30er ging, haben wir angefangen, das draußen anzuschreiben.“ Damals allerdings noch nicht mit dem heutigen Holzbrett und den Zahlentäfelchen. In dem Jahr kamen sie auf 49 Einsätze. „Damals habe ich gesagt, dass ich zum 50. Einsatz das ganze Auto voll lade mit Piccolos, und wir stoßen mit allen Kunden an. Aber bei 49 war wirklich Ende. Die Leute meinten scherzhaft, wir hätten das so gedreht, aber da war nichts mehr zu machen.“

In den beiden vorherigen Winterzeiten kamen Klatts auf zwölf Einsätze. In den Jahren 2008 bis 2012 waren es hingegen erst 27, dann 49, 29 und schließlich 40 Einsätze. „Danach hat es nachgelassen“, sagt Gundula Klatt mit einem Blick auf die private Statistik. Auch in den Jahren nach 2000 waren es noch regelmäßig mehr als 20. Ob die neueren Zahlen mit dem Klimawandel zu tun haben, kann sie nicht sagen, darüber müssten Experten forschen.

Gundula Klatt mag es, Statistiken zu sammeln. Auch wenn im Spätsommer das Dackelrennen ansteht, wird die Zahl der Anmeldungen immer auf die Tafel an der Vehlefanzer Straße angeschrieben. Auf dem Remontehof gibt es ein großes Schild mit der Statistik über die Störche in Bärenklau. „Ich habe eine Macke für Tafeln“, sagt Gundula Klatt. So gibt es in Bärenklau auch immer ein Schild, auf dem bekanntgegeben wird, dass der Storch da ist. Oder wenn „Bärenklau feiert“. „Ich finde, das ist die einfachste Sache, sich mitzuteilen.“ Und die Bärenklauer würden nachfragen, wenn die Schilder plötzlich nicht mehr da seien.

Hits: 177