RT im Kino

Bohemian Rhapsody

Wird vermisst: Freddie Mercury. Der Frontmann von Queen. Verstorben 1991 an Aids.
Das Biopic “Bohemian Rhapsody” setzt ihm ein Denkmal.

1970. Farrokh Bulsara (Rami Malek) hat Großes vor. Er will Musik machen, singen, komponieren. Er nennt sich ab sofort Freddie Mercury.
Bald haben Roger Taylor (Ben Hardy), Brian May (Gwilym Lee) und John Deacon (Joseph Mazzello) gemeinsam mit Merciry ihren ersten Auftritt. Die Leute sind begeistert, und es dauert auch nicht lange, bis der erste Fernsehauftritt bei der BBC und der Plattenvertrag winkt. Queen wird zum Hit.
Sie beginnen zu komponieren, ziehen sich auf einen Bauernhof zurück, und als sie darauf pochen, dass “Bohemian Rhapsody”, damals mit sechs Minuten Länge und den opernhaften Elementen ein Radio-No-Go, die erste Singleauskopplung des Albums wird. Als sich Plattenboss Ray Forster (Mike Myers) weigert, beendet Queen die Zusammenarbeit.
Es geht weiter bergauf mit der Band – Freddie Merciry dagegen kann sich den Partys, den Drogen und dem Sex nicht entziehen.

Ja, es ist wahr, dass das Biopic über Freddie Mercury ziemlich geglättet ist. Man hätte auch die dreckigen Seiten des Rockstarlebens zeigen können. Den schmutzigen Sex, die dreckige Erotik, die Drogen, den Absturz. Und am Ende die Krankheit.
Die Filmemacher haben sich dagegen entschieden. Sie lassen nicht weg, stattdessen deuten sie vieles nur an. Manchmal sind es Blicke, kurze Sequenzen, die erahnen lassen, dass da gleich die Post abgeht. Aber wir sehen es nicht. Wir sehen wilde Partys und ahnen nur, was sonst noch passiert.
Die Frage ist: Reichen die Andeutungen aus, muss man all das Dreckige sehen? Muss man vor allem das Krankheitssiechtum sehen. Letzteres definitiv nicht. Mercury hat nicht umsonst erst einen Tag vor dem Tod seine Aids-Erkrankung offiziell gemacht. Er wollte, dass man ihn an seiner Rockstar-Karriere misst. Das respektiert auch der Film, und es wäre Mercury auch nicht gerecht geworden, sein Ende zu zeigen.
Und auch die vielen Andeutungen: Sie reichen durchaus, um zu ahnen, was er für eine Sau sein konnte. Sie reichen aus, um zu sehen, dass er es wild trieb, dass er es aber auch schwer hatte, dass er abstürzte und erschüttert war über seine Krankheit. Allerdings bekam er – anders als im Film – seine Diagnose erst 1987.
Dennoch kann man also sagen: “Bohemian Rhapsody” ist glatt gebügelt. Und dennoch: ein großartiger Film.
Rami Malek ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber er schafft es, dass man als Zuschauer seine Rolle annimmt. Man sieht, wie die Band arbeitet, und vor allem, dass Queen eben nicht nur Mercury war – sondern, dass alle mitwirkten, alle ihren Teil beitrugen.
Großartig sind natürlich die musikalischen Momente, gerade in Bezug zur Geschichten sorgen sie für eine ungewohnte Rührung. Die gipfelt dann im Live-Aid-Konzert von 1985.
So ist “Bohemian Rhapsody” trotzdem ein mehr als zweistündiges Filmerlebnis, hochemotional und natürlich mit toller Musik.

Bohemian Rhapsody
GB 2018, Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher
Fox, 135 Minuten, ab 6
9/10

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