Tagesarchiv für 8. April 2017

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NeoMagazin Royale: Max Giesinger, der Echo und die Industriemusik

Samstag, den 8. April 2017
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DO 06.04.2017 | 22.20 Uhr | zdf_neo

Es weht gerade ein kalter Wind durch die sonst so kuschelige deutsche Popwelt. Jan Böhmermann hat am Donnerstagabend mal wieder so richtig ausgeteilt – diesmal gegen das hiesige Musikbusiness mit all seinem Labersülz und der Verlogenheit drumherum, mit dem Gerede von der Liebe und dem Menschen und dem Kommerz, der damit verbunden ist.
Am Abend, als in Berlin der Musikpreis “Echo” vergeben worden ist, zeigte Böhmermann bei zdf_neo den traurigen Stand der Dinge.

Die neuen deutschen Pop-Poeten. So nennt sich ein… ja, was eigentlich? Ein neues Genre? So was wie die Neue Deutsche Welle? Aber was sollen die Pop-Poeten eigentlich sein?
Böhmermann hat es da ganz besonders als Max Giesinger abgesehen, der viele Plattitüden in seinen Songs von sich gibt. Der erzählt, alles erzähle aus seinem Leben, alles sei total real (also: riehl). Er sei gegen Fakestorys. Seine Songs schreibe er alle selbst, ja, höchstens mit ‘nem Kumpel zusammen. Dass es lauter Autoren sind, die auch für zig andere Pop-Poeten schreiben, erwähnt dagegen Jan Böhmermann. Was nicht schlimm ist – aber warum tut Giesinger ach so, ähm, real?

Abwaschbar, austauschbar sei die Musik von heute. Lachen, weinen, tanzen, so singt’s Matthias Schweighöfer öderweise. Und das sollen dann die neuen deutschen Pop-Poeten sein.

Oder sie verkaufen sich. Wenn Frida Gold nackt im Musikvideo rumrennt und damit Wasweißich anprangert, aber dann eine Mercedes C-Klasse sehr prominent im Clip platziert und die Werbeagentur darüber jubelt. Oder wenn “Gestört aber geil” oder Glasperlenspiel auf geradezu unangenehme Art Schleichwerbung von Pick-Up (Böhmermann: “Schön nach’m Bumsen erst mal ‘n Pick-Up aufmachen!”) oder AEG im Videoclip dulden. Aber Youtubern macht man die Hölle heiß, wenn sie Schleichwerbung nicht kennzeichnen.

Böhmermann schlägt zurück. Aus Labersülz-Satzfetzen ließ er fünf Schimpansen wahllos einen Text zusammenstellen, dann von einem Mitarbeiter einen Song komponieren und einspielen – und fertig war der Echo-Hit “Menschen Leben tanzen Welt” von Jim Pandzko. Ein wahlloser Song, ein wahlloser Clip. Und es ist ein eingängiger Ohrwurm, aber eben “erfrischend” inhaltsleer. Und das fällt unter dem anderen inhaltsleeren Kram kaum auf.

Es war ein Rundumschlag, der zunächst sprachlos machte. Aber Jan Böhmermann hat vieles auf den Punkt gebracht. Sicherlich: Pop ist Kommerz. Aber in vielen Fällen scheinbar nichts anderes mehr.
Das Video und der Song ist nun überall erhältlich, vielleicht kommt er in die Charts – und 2018 der Echo an fünf Schimpansen aus dem Zoo in Gelsenkirchen?

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RTelenovela

Rügen 2017 (4): Clevere Oma

Samstag, den 8. April 2017
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(3) -> 7.4.2017

Da hatte ich doch die wahnwitzige Idee, um kurz vor halb 9 am Abend in dem Hotel, in dem ich bin, noch was essen zu wollen. Blöderweise war die Küche war schon aufgeräumt, und, nein, da konnte man nichts mehr machen, das tut uns aber Leid.
Nun ja, mir nicht, ich habe mir einfach eine andere Location gesucht (und schon das Frühstück hier im Haus ist eher mau) und konnte da leckere Nudeln essen und ein bisschen die Bundesliga-Konferenz verfolgen.

Zum Frühstück – na ja, eher zum Mittag – hatte ich mir eh schon angewöhnt, außerhäusig zu speisen. Ein zünftiges Hackepeter-Kraftbrot und noch ein halbes Brötchen mit Ei, dazu eine große Tasse Kakao – und die Tageszeitung lesen. So kann der Tag beginnen.

Und apropos essen: Ich bin ja öfter mal in Binz, und da kommt man um “Omas Küche” gar nicht rum. Dahinter verbirgt eine alte Gaststätte, in der es Hausmannskost gibt. Bekannt macht sich das Geschäft unter anderem damit, dass die Betreiber zwei englische Oldtimer im Ort umher fahren lassen. Gern warten die Autos direkt an der Seebrücke. Entweder für Rundfahrten – oder kostenlos direkt in die Gaststätte.
Immer schon dachte ich: Da muss ich mal hin.
Nun habe ich es geschafft – und bin durchaus beeindruckt von der geleistete PR-Arbeit.

Ich dachte immer, den Laden gibt es schon seit Ewigkeiten in Binz – auch wegen der Oldtimer, die so prägnant im Ortsbild sind. Tatsächlich ist die Kneipe auch relativ klein und verwinkelt. In einem Raum stehen in den Regalen alte Fotoapparate und hängen alte Fotos. Nacktfotos in schwarz-weiß, vielleicht ja von Oma.
Man wird platziert, und die Frau am Tresen musste lange auf ihren Monitor schauen, ob denn noch ein Plätzchen frei ist. Und war war sogar eins frei – alle anderen aber auch, aber das sah ich ja erst später.
In der Speisekarte steht dann auch die Story des Lokals. Und da kam das große Staunen: Das Lokal gibt es erst wenige Jahre. In dem Gebäude war vorher eine Firma, es ist dann umgebaut worden – auch ein Hotel gehört dazu.
Das Essen selbst war übrigens gut – ein kleines Hamburger Schnitzel mit Spiegelei und Bratkartoffeln. Machte was her, sah aber nicht nach Omas Küche aus. Denke ich an Oma, denke ich an echte Hausmannskost.
Aber egal – die Masche funktioniert sehr gut, und für die richtig gut funktionierende PR im Ort kann man nur sagen: Glückwunsch!

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