Tagesarchiv für 3. Mai 2016

RTZapper

45 Min spezial: Der NDR, seine Zuschauer und die Medienkrise

Dienstag, den 3. Mai 2016
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MO 02.05.2016 | 22.00 Uhr | NDR fernsehen

Der NDR im Brennpunkt seiner Zuschauer.
Die einen sagen, der NDR berichtet zu negativ über die Flüchtlinge. Und überhaupt: Es gebe keine Flüchtlingskrise in Deutschland.
Die anderen sagen, der NDR berichtet zu negativ über die Flüchtlinge. Der Sender und die Journalisten wollen den Zuschauer ihre Meinung aufdrücken.
Die einen sagen, man berichte viel zu viel über die AfD, weil man sie dadurch aufwerte.
Die anderen sagen, man berichte zwar nicht zu wenig über die AfD, aber tendenziös.

In einem “45 Min spezial” berichtete der NDR am Montagabend quasi in eigener Sache: “Der NDR, seine Zuschauer und die Medienkrise”. Das Problem: Wer über die Lügenpresse schwadroniert über die die Systemmedien, der wird auch einen solchen Beitrag ablehnen, schließlich habe ihn ja der NDR selbstgemacht, und da sei doch auch alles eh geschönt.
Dabei zeigte die Doku ziemlich gut, dass es eben verschiedene Meinungen in Deutschland gibt. Die Sache ist nur: Wessen Meinung nicht von den Medien bestätigt bekommt, der lügt. Wie oft auch bei Facebook und Co. zu lesen: Ist man anderer Meinung, wird man quasi weggefegt, dann ist man ein Lügner oder wird von Sonstwem beeinflusst.
Deshalb ist es zwar gut, dass der NDR in eigener Sache berichtet, durchaus kritisch nachfragt und auch selbst eventuelle Versäumnisse einräumt – bei vielen Leuten, wird das alles aber nicht ankommen.

Im Anschluss gab es noch einen Chat zum Thema, bei dem sich NDR-Leute den Zuschauern stellten. Schade dass das nur im Internet stattfand und nicht auch im NDR fernsehen. Da lief dann das “Kulturjournal”. So viel Transparenz wollte man beim NDR dann doch nicht.

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RT liest

Sören Kohlhuber: Deutschland, deine Nazis

Dienstag, den 3. Mai 2016
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Wenn der Journalist Sören Kohlhuber bei Neonaziaufmärschen auftaucht, dann kennt man ihn schon. Kohlhuber beobachtet seit Jahren die rechte Szene, deren Aufmärsche, Konzepte, Wortführer und Mitläufer – und das Verhalten der Polizei.
2014 reiste er für sein Buch “Deutschland, deine Nazis” durch ganz Deutschland, um Neonazidemos zu beobachten – von Magdeburg im Januar bis Oranienburg im Dezember.

Der Stil ist im Große und Ganzen recht nüchtern. Es wird von Demo zu Demo beschrieben, was passiert, wer agiert und wie die Reaktionen sind. Was man über die Neonazis erfährt, ist bedrückend, wenn auch selten ganz neu. Klar wird, dass gerade in Ostdeutschland gewisse Strukturen zu bestehen scheinen – dessen Anhänger von Demo zu Demo reisen. Da wird dann schnell klar, dass der Abendspaziergang besorgter Oranienburger Bürger in Wahrheit eher ein Aufmarsch von Neonazis aus dem gesamten Umland ist. Und natürlich halten die Neonazis Kohlhuber wegen dessen permanenten Berichterstattung für linksextrem, befangen und natürlich für einen Teil der Lügenpresse. Kohlhuber muss einiges über sich ergehen lassen, und erstaunlicherweise scheint ihm das wenig auszumachen.
Interessant ist vor allem auch das von ihm beschriebe Verhalten der Polizei von Bundesland zu Bundesland. Da wird behindert oder nicht verhindert, dass Journalisten frei Bericht erstatten.
Kohlhuber schreibt über 2014. Und im Grunde ging es erst mit der Flüchtlingsproblematik in der zweiten Jahreshälfte oder dann 2015 mit den wirklich vielen Demos richtig los. In diesem Buch geht es gewissermaßen um das Vorspiel. Wer weiß, wie bedrückend und dick ein Buch über 2015 gewesen wäre.

Sören Kohlhuber: Deutschland, deine Nazis
Epubli, 223 Seiten
7/10

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RT im Kino

Ein Hologramm für den König

Dienstag, den 3. Mai 2016

Irgendwo im Nirgendwo von Saudi-Arabien. Das heißt: Noch ist es ein Nirgendwo, aber in wenigen Jahren schon, dann soll dort eine neue Megacity entstanden sein.
Alan Clay (Tom Hanks) leitet ein Team von IT-Experten, die für den König von Saudi-Arabien ein neues Computerprogramm vorstellen soll. Bekommt das Unternehmen den Zuschlag, kann Alan, der fast pleite ist, aufatmen.
Aber alles ist weniger einfach als gedacht: Das Team haust in einem Zelt. Die Klimaanlage ist defekt, es gibt kein Essen, und die Verantwortlichen lassen sich verleugnen. Alan verschläft ständig, plagt sich mit Depressionen und einer seltsamen Beule auf dem Rücken.

Man könnte sagen: “Ein Hologramm für den König” plätschert ganz schön dahin. Aber es ist ein sehr angenehmes Plätschern. Regisseur Tom Tykwer und Hauptdarsteller Tom Hanks nehmen uns mit in eine für uns fremde Welt. Nach Saudi-Arabien mit seiner Hitze, seinem Finanzwahnsinn und der vielen unbekannten Religion. Wie Alan staunt auch der Zuschauer.
Alan ist quasi in der Fremde auf der Suche nach sich selbst. Das mitzuerleben ist erstaunlich fesselnd. Das liegt an den einnehmenden Bildern, die Tykwer schafft und an dem leisen Humor, der immer wieder eingestreut wird.
PS: Tom Hanks wird in diesem Film von Joachim Tennstedt synchronisiert. Hanks’ Stammstimme Arne Elsholtz ist kürzlich verstorben.

Ein Hologramm für den König
D / USA 2015, Regie: Tom Tykwer
X-Verleih, 98 Minuten, ab 6
9/10

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