Tagesarchiv für 11. Februar 2016

RT liest

Herman Koch: Sehr geehrter Herr M.

Donnerstag, den 11. Februar 2016

Autor M. bekommt Post. Post von jemandem, der offenbar sehr viel über M. weiß. Der ihn beobachtet, sehr genau beobachtet. Und er habe wichtige Informationen, schreibt er. Es geht um einen Roman, den M. schon vor vielen Jahren geschrieben hat. Darin geht es um das nie aufgeklärte Verschwinden eines Lehrers, der eine Affäre mit einer Schülerin hatte. Was aber weiß der geheimnisvolle Briefeschreiber über den Fall? Und was will er eigentlich von M.?

Herman Koch schreibt, wenn man es genau nimmt, gleich mehrere Romane in einem. Da ist einerseits die geheimnisvolle Story um den Autor und seinem Briefschreiber. Anderseits erzählt er die Geschichte des Lehrers, die eine Affäre mit der Schülerin beginnt – und wie diese Affäre endet. Und als Drittes geht es darum, wie es überhaupt so zu geht im Literaturbusiness.
“Sehr geehrter Herr M.” ist deshalb in vielerlei Hinsicht spannend. Weil Herman Koch seine Geschichte verschachtelt erzählt und nicht linear, muss man zwar aufpassen, nicht den Faden zu verlieren, wenn einem das gelingt (und so schwer ist das nicht), dann hat man an diesem Buch große Freude. gespannt liest man immer weiter.

Herman Koch: Sehr geehrter Herr M.
Kiepenheuer & Witsch, 399 Seiten
8/10

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RTelenovela

Der Fraß von der Raststätte

Donnerstag, den 11. Februar 2016
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Neulich habe ich an dieser Stelle schon gefragt, warum wir uns eigentlich die oft miese Qualität bei McDonald’s so klaglos gefallen lassen.
Noch schlimmer ist das an Autobahnraststätten. Dort ist das Essen unfassbar überteuert, und für die viele Knete bekommt man dann oft einen Fraß, den man den Köchen dort um die Ohren hauen will.

Die Raststätte Hasselberg an der A7 liegt nahe des Örtchens Oberbeisheim in Nordhessen. Ich habe extra dort angehalten und nicht auf dem kurz davor gelegenen Autohof, wo ein Burgerladen (nicht McDonald’s oder Burger King) angekündigt war. Stattdessen sollte es in Hasselberg “Nordsee” sein. Der Fischladen ist gesünder und leckerer. Dachte ich.
Die erste Enttäuschung: Es gab keine lokale Zeitung zu kaufen. Wirklich gar keine. Nicht mal die regionale “Bild”, sondern nur die dünne bundesweite.

Die zweite und wirkliche Enttäuschung: Ich nahm ein Schollenfilet mit Bratkartoffeln und Bohnen. Das Schollenfilet war ganz okay, aber keine Offenbarung. Die Bohnen waren kalt und ungenießbar, sie waren hart und bestanden nur aus harten Fäden (dafür gibt es sicherlich einen kulinarischen Fachausdruck). Die Bratkartoffeln waren fettig – und auch fast kalt. Mit der Qualität von “Nordsee” hatte dieses Mahl nichts zu tun.
Dazu gab es vom anderen Firmenteil der Raststätte einen Pudding, der sich bald als fast flüssig herausstellte.

Und wieder fragte ich mich, warum ich eigentlich nicht aufstand und den Leuten dort diesen Müll vor die Kasse kippte.
Okay, die Leute selbst können da ganz sicher nichts für. Aber wer kann eigentlich etwas dafür, dass das Essen dort – und da ist die Raststätte Hasselberg ja kein Einzelfall – so mies ist?

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RTZapper

Der Rosenmontag in Mainz: Der Zug fällt aus

Donnerstag, den 11. Februar 2016
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MO 08.02.2016 | 10.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Sturm? Ach was! Eine Verschwörung!
Das SWR-Fernsehen hat am Montagvormittag mal wieder stundenlang live übertragen, dass etwas nicht stattfindet. Wegen des drohenden Unwetters ist der Karnevalsumzug in Mainz (und nicht nur da) abgesagt worden.
Der SWR aber musste ja nun irgendwie Sendezeit füllen. Also schickten die eine Moderatorin dorthin, wo eigentlich der Umzug stattfinden sollte.

Sie befragte alle, die nicht bei “drei” auf den Bäumen waren. Der Verantwortliche des Umzuges bedauerte das alles. Aber so sei das nun mal. Ein paar Feiernde kamen auch zu Wort, sie bedauerten das alles. Aber so sei das nun mal. Dann noch irgendein Sicherheitschef. Er bedauerte das alles. Aber so sei das nun mal. Dann der SWR-Internetbeauftragte. Er las aus dem Internet vor, dass die Leute das alles bedauerten. Aber so sei das nun mal. Also, na ja, nicht alle fanden, dass das nun mal so sei. Könnte ja auch alles eine Verschwörung sein, immerhin gab es da ja am Tag zuvor diese ominösen Durchsuchungen, und ganz sicher hat der IS mit der Absage des Umzuges zu tun. Oder so.

Und dann kam auch noch ein Historiker zu Wort, immerhin musste immer noch Sendezeit gefüllt werden, und da kommen eben alle zu Wort, die irgendwas zu sagen hatten.
Der Historiker fand das gar nicht richtig, dass der Umzug wegen eines blöden Sturmes abgesagt worden ist. Immerhin seien doch die Teilnehmer eigenverantwortlich, und wenn ihnen da ein Dachziegel auf den Kopf donnert – tja, da sind sie halt selbst Schuld. Aber deshalb einen Umzug absagen – wegen eines Sturms? Da hatte der Historiker überhaupt kein Verständnis für. Das hätte er, der Historiker, ja ganz anders entschieden.
Danke für diese vielen spannenden Erkenntnisse.

Da hat man doch lieber zum WDR geschaltet. Der Kölner Rosenmontagsumzug fand nämlich statt. Aber das ist sicherlich auch ein Teil der großen Verschwörung.

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