Tagesarchiv für 2. Februar 2016

RT liest

Dirk Laucke: Mit sozialistischem Grusz

Dienstag, den 2. Februar 2016

Wieder so ein Buch, das viel verspricht und dann doch eine große Enttäuschung ist.
Titel, Cover und Klappentext versprechen eine spannende, lustige und abgedrehte Geschichte. Zu sehen ist Margot Honecker, direkt neben dem Schriftzug “Mit sozialistischem Grusz”.
Die Story: Hermann F. Odetski kommt mit seinem Sohn nicht mehr klar. Er schreibt – 2002 in Bitterfeld – einen Brief an die Ex-DDR-Bildungsministerin Margot Honecker nach Chile. Darin will er ihren Rat, was er denn nun tun soll. Er schreibt auf der “Erika”, einer alten Schreibmaschine, auf der das “ß” kaputt ist. Allerdings wirft sein Sohn Philipp den Brief nicht ein, stattdessen beschließt er, seinem Vater im Namen von Margot selbst zu antworten…

Das klingt doch lesenswert, oder?
Blöd nur, dass diese Story einen Bruchteil des 200-Seiten-Buches einnimmt. Papa schreibt einen Brief, Sohn antwortet.
Dabei hätte man denken können, dass ein Briefwechsel entsteht, und so sich Vater und Sohn nahe kommen. So wird es suggeriert.
Stattdessen erzählt Dirk Laucke lang und breit über Philipps Arbeit, über seine Kollegen und Freunde, und das ist, Verzeihung, einfach nur schrecklich langweilig.
Dirk Laucke scheint das zu ahnen, denn an irgendeiner Stelle wirft er ein, der Leser könne ja das Kapitel überspringen, wenn er wissen wolle, wie es denn nun mit dem Vater weitergehe.
Vielleicht hat er das witzig gemeint. Aber irgendwann beginnt man wirklich, Absätze zu überspringen.
Ich habe mir sehr viel mehr von dieser Geschichte erwartet. Im Grunde hat der Verlag alles richtig gemacht: Aus der guten Grundidee des Autos für die PR alles rausgeholt. Dass dann so wenig bei rauskommt, ist aber ärgerlich.

Dirk Laucke: Mit sozialistischem Grusz
ro ro ro, 203 Seiten
4/10

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Lindenstraße: Lea will eine Chance

Dienstag, den 2. Februar 2016
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SO 31.01.2016 | 18.50 Uhr | einsfestival

Wahnsinn! Die deutschen Handballer sind Europameister geworden! Fast 13 Millionen Menschen sahen das Spiel am frühen Sonntagabend und konnten am Ende mitjubeln, als in Krakau die (erschreckend hässliche) Siegerschale übergeben worden ist.

Dummerweise war an diesem Abend aber für die “Lindenstraße” im Ersten mal wieder kein Platz, und das jetzt schon zum zweiten Mal in Folge. Stattdessen ist sie zu einsfestival abgeschoben worden – und im Internet war sie natürlich auch abrufbar.
Dennoch: Das ist bitter, vor allem für die Macher der Serie.
Denn die Folge “Lea will eine Chance” war nicht irgendeine lahme Story, die man hätte ruhig verpassen können. Nein, dahinter verbirgt sich ein echter Showdown.

Alles begann am 6. Dezember 2015. Zum 30. Jubiläum der Serie ist die “Lindenstraße” live gesendet worden, und die ARD trommelte mächtig dafür. “Hinter der Tür” hieß das Kapitel, und hinter der Tür ist Erich Schiller gestorben, eine der Figuren, die 25 Jahre dabei war. Und irgendwer war am Schuld an seinem Tod. Ein Mord?
Tja. Dumm nur, dass viele Zuschauer die Auflösung gar nicht mitbekommen.
Am Sonntag ist diese ganze Geschichte aufgelöst worden. Am vergangenen Sonntag – auch diese Folge lief wegen Handballs auch nur im kleinen Kreis bei einsfestival – war das schon absehbar, wer es war. Nun spitzte sich das zu und strebte auf den Höhepunkt zu. Eine echte Highlightfolge voller Spannung, Dramatik und Trauer.

Sowohl am 24. als auch am 31. Januar war wegen des stundenlangen Live-Sport kein Platz für die “Lindenstraße” im Ersten. Und auch an den anderen Tagen ließ sich nichts machen. Mit großen Tamtam ist eine Storyline eröffnet worden, und am Ende scheint es bei der ARD niemanden mehr zu interessieren, wie viele Leute den Showdown mitbekommen.
Nur Hardcorefans werden einsfestival geschaut haben, denn die allermeisten werden beim Handball gewesen sein. Die Mediathek nutzen auch noch lange, lange nicht so viele Leute, als das als Ersatz angesehen werden kann.
Warum ist es im Tanker ARD einfach nicht möglich, irgendwo im Laufe einer Woche einen vernünftigen Ersatzsendeplatz zu finden? Ist es schlicht wurscht, was man wo sendet? Immerhin ist die “Lindenstraße” eine Fortsetzungsgeschichte, und ist man zweimal nicht dabei gewesen, wie es schwieriger, den Faden wieder aufzunehmen. Und in diesem besonderen Fall hat man ihn ganz verloren.

Sollte die “Lindenstraße” in nächster Zeit mal eingestellt werden und es heißt dann, die Zuschauer blieben weg: Dann ist die ARD daran nicht ganz unschuldig.

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