Tagesarchiv für 26. Oktober 2012

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (70): Verschrotten, die Scheiße!

Freitag, den 26. Oktober 2012
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(69) -> 13.10.2012

Die Berliner S-Bahn macht uns momentan mal wieder besondere Freude. Man kann ja viel über sie sagen, zum Beispiel, dass sie, ähm… ab und zu fährt, dass die Türen hat und vorne ein Fahrer sitzt. Was man keineswegs sagen kann, ist: dass sie verlässlich ist, pünktlich. Das ist umso bitterer, weil der Regionalexpress momentan nicht wirklich fährt.

Als die S1 von Berlin nach Oranienburg am Donnerstagnachmittag ewig im Bahnhof Oranienburger Straße rumsteht, ist schon klar: Irgendwas ist schon wieder faul. Auch im Nordbahnhof stehen wir länger als gewöhnlich. Auf dem Gleis nebenan fährt die S2 ein. Kurz zuvor muss bestimmt worden sein, dass der Zug dort ausgesetzt wird. Verwirrt steigen die Leute aus, sehen sich um, und dann kommt die Ansage: Wegen einer Weichenstörung endet die S2 dort, Fahrgäste nach Blankenburg und Bernau müssen in unseren Zug umsteigen.
Und unser Zug war schon voll. Nun noch voller.
In Gesundbrunnen ist die Situation ähnlich, alles voller Menschen. In unserer kuscheligen S1 wird es immer enger.

Als wir vor Pankow erneut stehenbleiben, meldet sich der Fahrer: Wegen einer Weichenstörung komme es zu Verzögerungen.
Im Abteil flüstert ein Mann einer Frau zu: “Verschrotten, die Scheiße!” Die Frau lächelt nur.
Eines muss man ja den S-Bahn-Nutzern lassen: Sie regen sich offenbar nicht mehr wirklich über den Murks auf, den sich die Bahn in Berlin und Brandenburg leistet. Inzwischen weiß jeder, dass die S-Bahn, insbesondere die S1 sowieso nicht mehr pünktlich unterwegs ist.
Irgendwie ist es schockierend, wie sich die S-Bahn in nur wenigen Jahren ihr bis dahin sehr gutes Image kaputtgemacht – oder eher kaputtgespart – hat.

In Pankow bekommen wir mit, dass auch die S8 ausfällt. Es scheint, dass die S1 – unser Zug – der einzige ist, der auf der Strecke überhaupt noch fährt. Oder besser: schleicht.
Auf dem Bahnhof Pankow-Heinersdorf machen wir wieder eine längere Rast. Auf den Anzeigetafeln auf dem Bahnsteig steht nur noch “Ansage beachten”. Eine Frau ruft durchs Handy, sie würde sich verspäten und “keine Ahnung”, wann sie denn ankommt.
Langsam zuckeln wir weiter bis Blankenburg, irgendwo tuckern wir dann offenbar auch am kaputten Signal vorbei.

Zu dem Zeitpunkt, als unsere Bahn hätte in Oranienburg ankommen sollen, erreichen wir gerade mal Mühlenbeck-Mönchmühle. Mit 25 Minuten kommen wir an der Endstation an. Wobei wir froh sind, dass wir überhaupt angekommen sind.

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RT im Kino

Die Vermessung der Welt

Freitag, den 26. Oktober 2012

Zwei Männer entdecken die Welt, forschen, experimentieren, probieren sich aus: der Naturforscher Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch) und der Mathematiker Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz). Der eine zieht hinaus in die Welt, um sie zu entdecken, der andere bleibt dazu zu Hause und berechnet sie.

Im Grunde genommen ist das schon die Geschichte des neuen Films von Detlev Buck. “Die Vermessung der Welt” basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Daniel Kehlmann, der hier auch am Drehbuch mitarbeitete.
Obwohl der Film nie auf einen echten Showdown hinsteuert, ist es unglaublich interessant, die beiden mehr oder weniger parallel verlaufenden Biografien zu verfolgen.
Alexander und Carl begegnen sich zunächst nur ein einziges Mal: als Kinder, als Carl, gemeinsam mit seinem Lehrer beim Herzog um ein Stipendium bittet. Erst sehr viel später treffen sie sich wieder.
Dazwischen schafft Buck bildgewaltige Momente. Sowohl die karge, dreckige Gauß’sche Welt, die Armut, als auch die weite Welt, die Humboldt-Reisen in ferne Länder sind toll in Szene gesetzt. Humor darf dabei nicht fehlen, in einigen seltenen Momenten ist er jedoch ein wenig klamaukig geraten.
Beide hadern mit sich, jeder auf seine Art. Gauß, der sich unverstanden fühlt und davon depressiv wird. Humboldt, dem das gewisse Quändchen Freude zu fehlen scheint. Klar, dass der Film von den beiden hervorragenden Schauspielern lebt.
Völlig überflüssig hingegen ist es, diesen Film in 3D in die Kinos zu bringen. Dass da Staub durch die Luft wirbelt oder einem irgendwelche Leute direkt ins Gesicht schauen, ist verzichtbarer Hokuspokus. Darauf hätte Buck verzichten sollen und sich dafür lieber noch mehr auf das Wesentliche konzentrieren sollen – zumal durch das teure 3D wertvolle Drehtage flötengegangen sind.
Ein sehr sehenswertes Werk ist sein Film aber dennoch geworden.

8/10

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RTZapper

Bundestag live: Praxisgebühr

Freitag, den 26. Oktober 2012
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DO 25.10.2012 | 9.00 Uhr | phoenix

Der Bundestag hat heute nicht über das Ende der Praxisgebühr abgestimmt. Schuld ist der Hammelsprung und der Unfähigkeit einiger Leute, zu zählen.

phoenix übertrug am Donnerstagvormittag die Bundestagsdebatte zur Praxisgebühr. Die Opposition brachte den Antrag ein, nun darüber abstimmen, ob diese Gebühr abgeschafft werden soll und das Ende der Diskussionen darüber einzuleiten.
Tatsächlich ließ zu dem Zeitpunkt amtierende Präsident Wolfgang Thierse darüber abstimmen. Und es schien, als ob der Antrag durchgeht – einige Abgeordnete riefen schon, dass das ja wohl die Mehrheit sei. Doch Thierse war sich nicht sicher, nach mehrmaligem Händeheben, entschied er sich für den Hammelsprung.

Beim Hammelsprung müssen die Abgeordneten den Saal verlassen und sich dann entscheiden, durch welche Tür, sie wieder reinkommen: ja, nein, Enthaltung.
Nun passiert aber noch etwas anderes: Alle verfügbaren Abgeordneten werden zusammengetrommelt, um an dieser Abstimmung teilzunehmen. Waren offenbar vor dem Hammelsprung nicht genügend Leute der Regierungsfraktion im Saal, war das nun anders. Der Antrag wurde abgelehnt. Ohne Hammelsprung wäre das vermutlich anders gewesen.
Irgendwie hat das einen seltsamen Beigeschmack.

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