Tagesarchiv für 29. März 2012

aRTikel

Letzte Hoffnung Spartensender

Donnerstag, den 29. März 2012
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Die ARD will mit einem Jugendprogramm wieder jüngere Zuschauer erreichen / Viele Innovationen vor allem beim ZDF

MAZ, 29.3.2012

Am 30. April startet auf dem Servicesender EinsPlus ein abendliches Jugendprogramm. Vorbild scheinen die jungen Digitalsender des ZDF zu sein.

POTSDAM
Die ARD ist auf der Suche nach jungen Zuschauern. Weder das erste noch die dritten Programme erreichen noch viele die Menschen unter 30 Jahren. Die letzte Hoffnung scheinen da die ARD-Digitalsender zu sein.
Am Montag überraschte der SWR in Stuttgart mit der Nachricht, den Service- und Magazinsender EinsPlus ab 30. April zumindest für vier Stunden allabendlich in einen Jugendkanal zu verwandeln. „Jung, wild, digital“ lautet das ziemlich verschwommene Motto. So wird dort Sarah Kuttner mit ihrem Interviewformat „Ausflug mit Kuttner“ eine Heimat finden. Eine einzige Folge lief im vergangenen Jahr bereits im Ersten. Geplant sind bei EinsPlus auch ein Wissensquiz namens „Quiz@ Home“ mit Pierre M. Krause, das Gamingmagazin „Reload“ und die Musikreihe „Beatzz in Concert“. „Südwild“, das Jugendmagazin des Bayerischen Rundfunks bekommt auf EinsPlus einen zusätzlichen Sendeplatz, ebenso wie die gerade erst mit dem Grimmepreis ausgezeichnete Medien-Satire „Walulis sieht fern“, die bislang auf Tele 5 lief.

Es ist nicht schwer zu erraten, in welche Richtung der für EinsPlus verantwortliche Südwestrundfunk mit seinem neuen Jugend-Abendprogramm schielt: zum ZDF und seinen drei Spartenkanälen. Das eher als Kukidentsender verspottete Zweite stellt auf seinen drei Digitalsendern Erstaunliches auf die Beine. Es ist das junge, frische, innovative Fernsehen, das die Zuschauer in den Hauptprogrammen immer mehr vermissen.
Da läuft auf zdf.kultur zum Feierabend ein mitreißendes, 90-minütiges Coldplay-Konzert. Auf zdf info dürfen die Zuschauer jeden Freitag nach der „heute“-Sendung hinter die Kulissen der Nachrichten blicken und via Facebook, Mail und Skype Fragen an Moderatoren und Korrespondenten stellen. Auf zdf_neo lässt Benjamin von Stuckrad-Barre in seiner donnerstäglichen Late-Night-Show unterdessen den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude mit seinem Teddy „Bruno“ Udes weiteren politischen Werdegang planen. Das Publikum im Studio applaudiert.
Lauter Sendungen, die wahrscheinlich im „großen“ ZDF kaum möglich wären. Noch sind die Quoten übersichtlich: Als die Talkshow „Roche & Böhmermann“ am vergangenen Sonntag 90 000 Zuschauer und einen Marktanteil von 0,4 Prozent erreichte, sorgte das schon für verhaltenen Jubel in der Medienbranche.

Der Wahnsinn, das Abgedrehte, diese Aufbruchsstimmung fehlt bei der ARD aber bislang noch an den meisten Stellen, und nur das vom NDR verantwortete EinsExtra hat ein klares Konzept – großflächige Nachrichten der „Tagesschau“-Redaktion und am Abend Magazine und Dokumentationen. Dass der Ruck bei der ARD noch ausbleibt, liegt auch daran, dass sich die einzelnen Sendeanstalten über die Konzepte für ihre Spartensender uneinig sind. Ursprünglich wollten WDR und SWR zusammenarbeiten. Der Plan besagte, einsfestival und EinsPlus zu einem jungen Sender verschmelzen lassen. Die Fusion ist jedoch geplatzt, die Sender und ihre Verantwortlichen haben sich nicht einigen können. In Köln und Stuttgart planen sie nun wieder jeweils allein.

So wird ab Ende April also die ARD zwei „Irgendwie-Jugendsender“ haben, denn auch einsfestival hat durchaus Innovatives im Programm, das vor allem die jungen Zuschauer ansprechen soll. Das tägliche Kulturmagazin „Eins weiter“ richtet sich ebenso an die 20- bis 40-Jährigen wie die humorige „Allerbeste Sebastian-Winkler-Show“. Beide Sendungen wirken allerdings gegen die vielen neuen ZDF-Shows immer noch bieder.
Dazwischen laufen noch Schmonzetten wie „Ich leih mir eine Familie“ oder „Der Bernsteinfischer“ mit Heiner Lauterbach. Auf diese Mischung muss man erst mal kommen. So wird es auch auf EinsPlus sein: Erst das „ARD-Bufett“, dann das Musikmagazin. EinsPlus will auch weiterhin ein Serviceprogramm sein. Ganz oder gar nicht – der ARD liegt so was scheinbar nicht. Aber immerhin: Es passiert was, wenn auch nur in den Spartensendern, die jedoch im Zuge der Digitalisierung des TV-Empfangs immer mehr Menschen sehen können, wenn sie nur wollen.

Junge Talente wie Pierre M. Krause, Sebastian Winkler, Jan Böhmermann, Sarah Kuttner, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf können sich ausprobieren und müssen nicht fürchten, nach Folge zwei wieder abgesetzt zu werden. Dennoch trauen sich weder ARD noch ZDF, einige der neuen Sendungen ins Hauptprogramm zu heben. Selbst im Nachtprogramm am Wochenende ist dafür kein Platz.

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Sehenswerte Formate auf den Digitalkanälen von ARD und ZDF

Kraftklub: Konzert aus der Phoenixhalle in Mainz. Eines von vielen Live-Events und Festivals. Heute, 22.40 Uhr, zdf.kultur; Jeden Sonnabend längere Konzertstrecken.
Iss oder Quiz: In einem Restaurant muss ein Gast Aufgaben lösen, seine Begleitung weiß aber nichts von diesem Spiel. Skurrile Situationen mit versteckter Kamera. Montag bis Freitag, 19 Uhr, zdf_neo.
Log in: Diskussionssendung zu aktuellen Themen mit starker Einbindung von Twitter, Facebook und Co. Mittwochs, 21 Uhr, zdf info.
Die allerbeste Sebastian-Winkler-Show: Der, so die Eigenwerbung, allerbeste Moderator, spricht, spaßt und musiziert mit seinen allerbesten Gästen. Dazu Sketche und Aktionen. Donnerstags, 21 Uhr, einsfestival.
Bambule: Sarah Kuttner bespricht die Themen, die Leute um die 30 aktuell bewegen. Donnerstags, 21.45 Uhr, zdf_neo.
NeoParadise: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf machen Unsinn, dazu gibt’s Talks und Live-Musik. Donnerstags, 22.45 Uhr, zdf_neo.
Stuckrad Late Night: Benjamin von Stuckrad-Barre empfängt einen Politiker zum Gespräch über alles, was (un-)wichtig ist. Donnerstags, 23.30 Uhr, zdf_neo.
heute plus: Hinter den Kulissen der ZDF-Nachrichten. Zuschauer können ihre Fragen stellen. Freitags, 19.20 Uhr, zdf info.
Roche & Böhmermann: Voll retro und doch modern: Die etwas andere Talkshow mit Charlotte Roche und Jan Böhmermann. Sonntags, 22 Uhr, zdf.kultur.

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RTelenovela

Ruhe in Frieden

Donnerstag, den 29. März 2012
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Der nächste Trauerfall. Im weiteren Familienkreis, um ein paar Ecken.
Wir haben uns nur recht selten gesehen, meist bei größeren Familienfeiern, zuletzt, als sie nach Oranienburg kam, um sich das Grab meines Vaters anzusehen. Das ist jetzt ein gutes Jahr her.
Nach längerer Zeit im Krankenhaus, ist sie am Dienstag gestorben.
Es wird irgendwann im April die erste Beerdigung nach der meines Vaters sein.

Rosemarie, ruhe in Frieden.

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RT im Kino

Russendisko

Donnerstag, den 29. März 2012
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Dieser Film ist ein Missverständnis! Angeblich handelt es sich um die Verfilmung von “Russendisko”, aber irgendwas muss da schiefgelaufen sein. Irgendwer muss vergessen haben, ein paar Russen in diesen Film zu schreiben.

Es ist der Sommer 1990. In der DDR ist gerade die D-Mark eingeführt worden, und das wollen die jungen Russen Wladimir Kaminer (ja, der Wladimir Kaminer – gespielt von Matthias Schweighöfer), Mischa (Friedrich Mücke) und Andrej (Christian Friedel) hautnah miterleben. Sie beschließen, Moskau und die Sowjetunion in Richtung Berlin zu verlassen.
Die Hauptstadt der DDR befindet sich gerade im Umbruch, die alte Ordnung ist im Eimer, die Neue noch nicht gefunden.
Mischa will Musiker werden, Andrej einfach nur weiterleben und Wladimir – na, mal sehen. Irgendwas mit dem Sinn des Lebens. Als er die schöne Olga (Peri Baumeister) das erste Mal in einem kleinen Theater sieht, ist er hin und weg. Er beschließt: Die muss er kennenlernen.

“Russendisko”, also das Buch, handelt von drei jungen Russen, die ihre russiche Heimat und ihre russischen Eltern verlassen und in den Berliner Mikrokosmos eintauchen.
“Russendisko”, also der Film, handelt von drei Jungs, die angeblich Russen sind, aber ein akzentfreies Deutsch sprechen, die ihre Heimat und ihre akzentfrei Deutsch sprechenden Eltern in Moskau verlassen.
Dem Film von Oliver Ziegenbalg fehlt komplett die russische Seele. Seine Komödie hat mit Russen nicht im geringsten zu tun. Genau das wäre aber der Reiz gewesen. Wer Wladimir Kaminer kennt, der weiß, dass er bis heute kein besonders gutes Deutsch spricht.
Matthias Schweighöfer ist ein guter, sehr sympathischer Schauspieler, aber in diesem Film eine eklatante Fehlbesetzung. Seine Art, seine Sprache, all das hat mit Russland nicht im geringsten zu tun.
Nun geht es in Filmen nicht darum, Buchinhalte eins zu eins umzusetzen oder Schauspieler so zu besetzen, dass sie den Vorbildern unglaublich ähnlich sehen oder sind – aber schon der Titel “Russendisko” geht eine Verpflichtung ein.
Oliver Ziegenbalg ist an der filmischen Umsetzung des Buches grandios gescheitert.
Jedoch nicht mit dem Film an sich.
Wenn es nur darum gegangen wäre, eine Geschichte über Jungs vom Lande zu erzählen, die nach Berlin kommen, um etwas im Leben zu reißen – es wäre, nein, es ist ein wundervoller Film, der viel über die Berlin-Zeit im Jahr 1990 erzählt – die Irrungen und Wirrungen. Aber der Film heißt nun mal “Russendisko”, und das ist er nicht.

5/10

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RTZapper

Die Harald Schmidt Show: Abgesetzt

Donnerstag, den 29. März 2012
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MI 28.03.2012 | 23.30 Uhr | Sat.1

Da blickt die Medienwelt gespannt auf Thomas Gottschalk und seine quotenschwache ARD-Vorabendshow, und dann das: Sat.1 setzt “Die Harald Schmidt Show” ab. Die letzte Folge läuft am 3. Mai.

Auch wenn die Einschaltquoten in der Tat verheerend waren, gerechnet hat damit niemand. Es schien ruhig zu sein rund um die Show. Aber hinter den Kulissen muss es gebrodelt haben.
Schon am Dienstag hat sich so was angedeutet. Schmidt machte in einem Einspieler einen sehr bösen Seitenhieb auf Sat.1 – das “Sat.1zelmännchen”, ein extrem fetter, rülpender Mann, dessen Bauch sich in den Sat.1-Ball verwandelte.

Unschuldig ist Harald Schmidt an dem Quotendesaster nicht. Seine ersten Shows nach seiner Rückkehr ins Privatfernsehen waren erschreckend schlechte, langweilige Sendungen. Das hat sich geändert. Inzwischen kommen Olli Dittrich, Pierre M. Krause, Jan Böhmermann als regelmäßige Side-Kicks. Die Themen sind witziger, Schmidt wirkt motivierter.
Aber wen man einmal vergrault hat, bekommt man als regelmäßigen Zuschauer so schnell nicht wieder. Thomas Gottschalk kennt das Problem.

Und Sat.1? Zwei Wochen nach dem Aus der “Harald Schmidt Show” folgt schon das Aus für die Champions League auf diesem Sender. Sat.1 wird mehr und mehr zum Ramschladen. Die Late Night wird ab Mai sicherlich mit vielen packenden “24 Stunden”-Reportagen in der Dauerwiederholungsschleife bestückt. Fette Leute, dicke Titten, Stricher und Nutten – oder eben noch ein paar Serien-Wiederholungen. Oder was auch immer für Wiederholungen. Gescriptete Dokusoaps als Massenware, ein paar Ami-Serien, und fertig ist der Lack. Der Lack, der bei Sat.1 so ziemlich ab ist.

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