Tagesarchiv für 25. Februar 2012

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (61): Der Kleine mit der Brille

Samstag, den 25. Februar 2012
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(60) -> 3.2.2012

Der RE5 nach Neubrandenburg fährt gerade an Bergfelde vorbei. Es ist der Wochenendspätzug, der noch nach 23 Uhr aus Berlin rausfährt. In einem der Abteile sitzt eine Gruppe mit fünf Leuten, als der Fahrkartenkontrolleur kommt. Und er wundert sich. Fünf Leute und kein Gruppenticket?
Die Leute beginnen zu erklären: Zwei von ihnen seien in Neubrandenburg eingestiegen, die anderen erst später. Und da habe es ihnen der Schaffner nicht erlaubt, ein Gruppenticket zu kaufen, weil sie ja nicht alle zusammen losgefahren sind.

Der Schaffner lacht. “Wer war denn das?”, fragt er. “War das so ein Kleiner mit Brille?” Die Leute bejahen das. Offenbar ist dieser Kleine mit der Brille bekannt. Ja, der mache immer Krawall, so der Schaffner. Der sei dafür bekannt, hart zu sein. Die Regel sei ja richtig, aber er sehe das nicht so eng. Sonst müsse er ja ständig die Bundespolizei rufen, wenn er ständig auf diese Regel pochen würde. Und der Brillentyp sei ja alleine zu Hause, vielleicht sei er ja deshalb so seltsam.
Muss ja ein netter Gesell’ sein.

Es dauerte eine Weile, ich hatte schon ewig meine Tageskarte in der Hand. “Na, da will ich auch mal zu Ihnen kommen, Sie warten ja schon ewig”, meinte der Schaffner dann zu mir. Da waren wir schon an Birkenwerder vorbeigefahren. Aber trotz der späten Stunde, war die Stimmung im Zug gut.

RT im Kino

Shame

Samstag, den 25. Februar 2012
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Wenn Brandon (Michael Fassbender) seinen Laptop aufklappt, dann sieht er meistens Pornos. Auch sein PC im Büro ist durchsetzt mit Sexdateien. Auch die schnelle Affäre, der schnelle Sex, gehört zu seinem Leben. Oder er macht es sich schnell selbst. Sex ist der wohl wichtigste Bestandteil in Brandons Leben. Sex wohlgemerkt, nicht Liebe.
Es scheint, es führe der Mittdreißiger ein komfortables Leben. Es wird jedoch kräftig durcheinandergebracht, als seine Schwester Sissy (Carey Mulligan) in seiner Wohnung auftaucht. Sie sucht die Nähe ihres Bruders, auch Liebe. Doch damit wird Brandon nicht fertig, er taucht ab ins Nachtleben von New York. In ihm scheint es zu brodeln. Und wenn es nur darum geht, Druck abzulassen.

Wie sagte eine ältere Besucherin so schön, als sie das Kino verließ? “Dann lieber einen ordentlichen Porno!”
Da könnte was dran sein. Denn so richtig weiß man nicht, was uns der Regisseur Steve McQueen mit diesem Film sagen will. Zu Beginn zeigt Michael Fassbender den Zuschauern, was er unterm Bauchnabel zu bieten hat. Ordentlich. Ob das beim Casting eventuell eine Rolle spielte? Wie auch immer: Michael Fassbender spielt diesen Brandon hervorragend. Der zweifelnde Typ, der nervöse, brodelnde. Toll! Dafür gab es eine Golden-Globe-Nominierung.
“Shame” brodelt nur von Sex, auch wenn der Film kein Porno ist. Explizierte Pornoszenen gibt es nicht. Es geht um einen Mann, der keine Liebe empfindet, vielleicht keine empfinden kann, der nur nach Sex sucht, der schnellen Befriedigung. Die Zuneigung seiner Schwester macht ihm regelrecht Angst. Liebe – das kann er nicht, wie sich später auch zeigt, als er sich in eine Frau verliebt. Oder zu verlieben scheint.
Ansonsten lebt “Shame” von vielen Andeutungen. Es gibt Momente der unfassbaren Langsamkeit, mit langen, sehr langen Einstellungen. Meist sind es die Momente, in denen Brandon tatsächlich Liebe oder Zuneigung empfindet. Das ist einerseits durchaus interessant, aber auch quälend.
Da trifft irgendwie auf den ganzen Film zu. Er geht zu Ende, und es bleibt ein: Tja. Hm. Na gut. Okay.
Doch lieber einen Porno?

6/10

RTZapper

Markus Lanz: Philipp Rösler

Samstag, den 25. Februar 2012
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DO 23.02.2012 | 23.15 Uhr | ZDF

War das wirklich Philipp Rösler, der da am Donnerstagabend bei Markus Lanz in “Markus Lanz” im ZDF zu Gast war?
Als die FDP am Sonntag verkündete, sie stünde für Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten ein, da schien das nur ein Kalkül zu sein, endlich mal wieder positiv bei den Leuten anzukommen, sich beim Wahlvolk einzuschleimen. Denn die FDP dümpelt bei 2 Prozent herum, wer nimmt die da noch ernst?

Und dann sitzt FDP-Chef Rösler bei Lanz und erzählt locker-flockig und extrem unterhaltsam, was sich am Sonntag in der Berliner Machtzentrale zugetragen hat. Ob es denn in der Diskussion zwischen Merkel und ihm laut geworden sei. Rösler dementierte es nicht, ganz im Gegenteil. Nur Schimpfworte seien wohl nicht gefallen. Lanz: “Die haben Sie doch übern Tisch gezogen.” Rösler: “So würde ich das nicht sagen.” Zur FDP-Entscheidung – Lanz: “Angela muss dann aus der Presse erfahren, dass der Philipp was anderes vor hat.” Rösler: “Jepp.” Dazu, dass die Nachrichtenagenturen die FDP-Entscheidung meldeten, bevor Merkel und Rösler gesprochen haben – Rösler: “Da ist man ja schön gleich im Gespräch drin.” Es sei eine lebhafte Debatte gewesen.

Und all das erzählt Rösler sehr heiter, sehr pointiert, sehr auf den Punkt, sehr witzig und schlagfertig.
Dieser Mann ist eindeutig in der falschen Partei, und vielleicht sollte er über eine Fernsehkarriere nachdenken.
Glückwunsch jedenfalls auch an Markus Lanz für dieses echte Talkshowhighlight!

-> Die Sendung in der ZDFmediathek.