Tagesarchiv für 30. September 2011

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1991: Akuter Platzmangel am Runge-Gymnasium

Freitag, den 30. September 2011
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September 1991 I -> 27.9.2011

Rückblick: Im September 1991 müssen ganze Klassen ausgelagert werden / Naziaufmarsch in Beetz

MAZ Oranienburg, 30.9.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Heute: die zweite Hälfte im September 1991.

OBERHAVEL
Der Streit zwischen Landkreis und Stadt um das Oranienburger Schloss ist beigelegt. Für seine Behörde sei das kein Thema mehr, so Landrat Karl-Heinz Schröter am 16. September 1991 bei einem Pressegespräch. Eigentlich wollte der Kreis das Schloss übernehmen. Nun rudert Schröter zurück. „Wir kennen die Kosten, die für eine Sanierung notwendig wären“, sagt er. „Selbst wenn man es uns schenken würde, wir würden es nicht annehmen.“

In der Körperbehindertenschule in Birkenwerder sollen die Pumpenanlagen für das Schwimmbecken saniert werden. Die Kosten betragen jedoch nicht wie geplant 160 000, sondern 1,5 Millionen Mark. Landrat Schröter will sich um Fördermittel bemühen.

Der Zeltplatz am Lubowsee bei Zühlsdorf ist illegal. Er befindet sich in einem Naturschutzgebiet. Dem Betreiber droht eine Strafe in Höhe von 2000 Mark, doch den scheint das nicht zu interessieren. Er hat sich auf einen Brief des Ökologiedezernates des Kreises nicht gemeldet. Was auf dem ein Hektar großen Gelände abgehe, vergleicht Dezernent Joachim Hilgenfeld mit einer „FDJ-Großbaustelle“.

Über Oranienburg wabern am 18. September 1991 schwarze Rauchschwaden. Beim Abriss eines Kessels im Rußwerk an der Saarlandstraße haben sich vorher Ölreste entzündet.

Am selben Tag stirbt Oranienburgs Ehrenbürger Kurt Hintze. Der 92-jährige Edener lebte 70 Jahre lang in der Kreisstadt. Das KPD-Mitglied war elf Jahre im Zuchthaus in Sachsenhausen.

Wenn im Frühjahr 1992 die S-Bahn-Verbindung zwischen Berlin-Frohnau und Hohen Neuendorf fertig ist, soll die S-Bahn-Linie 1 in Birkenwerder enden. Fahrgäste, die nach Oranienburg wollen, müssen warten, um dann mit der S 10 weiterzufahren. Die Umweltgruppe Phoenix hält das für eine umständliche Warterei und fordert, die S 1 bis Oranienburg fahren und stattdessen die S 10 in Birkenwerder enden zu lassen.

Am Oranienburger Runge-Gymnasium herrscht akuter Platzmangel. Statt der ehemals 13 werden dort nun 30 Klassen mit 760 Schülern unterrichtet. Die siebenten, achten und teilweise die neunten Klassen sind ins Gebäude der Comenius-Schule ausgelagert. Als Alternative ist das Gebäude des ehemaligen Mot-Schützen-Regimentes im Gespräch.

Etwa 200 Rechtsradikale treffen sich am 21. September 1991 im Beetzer Dorfkrug. Die Mitglieder der „Nationalistischen Front“ verleugnen den Massenmord der Nazis an den Juden. Parolen dieser Art tauchten in Beetz schon Anfang August 1991 auf.

Im ehemaligen Lehrlingswohnheim in Neuholland wohnen neuerdings Asylbewerber aus Nigeria und Kamerun. „Wir werden uns hier als Gemeinde keinesfalls querstellen“, sagt Bürgermeister Gerhard Steger.

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RT liest

Charlotte Roche: Schoßgebete

Freitag, den 30. September 2011
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Oh mein Gott! Charlotte Roche hat wieder schlimme Sachen geschrieben! Wie sie sich wieder das Maul zerreißen und sich em – pö – ren! Nach „Feuchtgebiete“ erzählt Charlotte Roche nun die Geschichte von der 33-jährigen Elizabeth, die mit dem viel älteren Mann Georg mehr oder weniger glücklich verheiratet ist. Sie würde jedenfalls alles für ihn tun. Allerdings geht Elizabeth auch mehrmals pro Woche zur Psychologin. Sie muss reden.

„Schoßgebete“ ist keinesfalls das Skandalbuch, zu dem es Frauen wie Alice Schwarzer machen wollen. Klar, seitenlang erzählt Elizabeth, wie sie ihren Mann im Bett befriedigt. Oral. Anal, das machen sie nur sehr selten. Und wenn, dann macht Elizabeth nur, um ihrem Mann einen gefallen zu tun. Auch dass sie es mal mit einem Dreier versuchen wollen, hat eher mit dem Wunsch ihres Mannes zu tun. Sie sträubt sich irgendwie davor, macht dann aber doch mit.

Ansonsten dreht sich die Story um eine seelisch recht angeschlagene Frau mit all ihren Macken. Eine seelisch kaputte Frau. Auffallend ist, wie Charlotte Roche in den Roman ihre eigene Geschichte einbindet: Die Geschichte, wie ihre Brüder bei einem Autounfall ums Leben kamen. Und wie ein “Bild”-Reporter sie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs brachte. Das sind die anrührendsten und auch spannendsten Momente ihres Romans.

Der Rest: Nett, aber nicht immer kurzweilig. Und die, die sich aufregen, über den schlimmen Sex: Ja, mein Gott, es steht nun wirklich nichts Perverses in diesem Buch. Da war “Feuchtgebiete” nun wirklich “tiefergehend”.
Einzig und allein der Name Roche brachte den Skandal. In anderen Büchrn geht es sexuell auch zur sache, und niemand regt sich auf. Weil keiner über die anderen Bücher spricht. Aber Charlotte Roche hat die Promo, die sie braucht. Glückwunsch!

Charlotte Roche: Schoßgebete
Piper

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