Tagesarchiv für 4. September 2008

RTZapper

Money Express – Das Aus

Donnerstag, den 4. September 2008
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Das ist unbestritten die Medienmeldung des Tages und ein Grund zum Jubeln: Die MTV-Gruppe setzt den “Money Express” ab. Die Call-in-Quizshow, die bei VIVA, Nick und Comedy Central läuft, wird am 30. September 2008 das letzte Mal ausgestrahlt.
Der Hauptgrund ist sicherlich, dass einfach nicht mehr genug Leute anrufen. Dass die Leute nicht mehr so doof sind, wie MTV network es gern hätte, und auf die Macher die Show reinfallen. Keine Spielchen mehr, bei dem so gut wie niemand gewinnen kann. Keine drei Stunden mehr, in denen uns die Moderatoren der Sendung lächelnd das Geld abknöpfen wollten, in dem sie behaupteten, dass man immer und immer die Chance habe, zu gewinnen.
“Money Express” ist auf den ersten Blick eine unwichtige Sendung im Nachtprogramm dreier Sender gewesen. Auf den zweiten aber ist die baldige Absetzung dieses TV-Mülls ein weiterer Schritt dahin, dass diese Gewinnspielabzockerei bald ein Ende hat. Das DSF sollte dem Beispiel folgen, und 9live ist auch irgendwann noch fällig.

RTelenovela

Norwegen (1): Das pure Misstrauen

Donnerstag, den 4. September 2008
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13.38 Uhr, Flughafen Oslo. Ich habe noch Zeit, bis sich unsere kleine Reisegruppe trifft. So sitze ich jetzt hier mit meinem Laptop und überbrücke die Zeit. Ich schreibe in Word, nicht direkt ins Netz. Aber dazu gleich mehr.
Norwegen empfängt mich nicht besonders herzlich. Dabei fing alles so gut an.
Bis hierher war alles super. In Berlin-Tegel ging alles flott. Die Beamten, die meine Tasche durchleuchteten hatten an meinem „stern“ ihre helle Freude. „Sex“ heißt es da nur auf der Titelsite, illustriert mit diversen gezeichneten Sexstellungen. Herrlich. Ich lege das Magazin in Zukunft nicht mehr offen irgendwo hin.
Im Gegensatz zu Schönefeld wird man in der Wartehalle mit kostenlosen Zeitungen fast überhäuft. Auch in Frankfurt, wo ich zwischenlandete. So viele Zeitungen wie heute, habe ich wahrscheinlich noch nie so viele gelesen an einem Tag. Fünf, um genau zu sein.
Angesichts der Umweltthematik ist es natürlich völliger Irrsinn von Berlin aus über Frankfurt/Main nach Oslo zu fliegen. Aber ich habe mir das nicht ausgesucht. Nicht wirklich jedenfalls.
Die Landung in Oslo hätte ich fast nicht mitbekommen. Erst als es „Rumps“ machte und wir auf dem Boden der norwegischen Tatsachen waren, wurde ich wach. Das Wetter – nun ja. Regen. Wolkenverhangen.
Rekord: Kaum stand ich – so ziemlich als erster – am Gepäckband, schon kam meine Tasche auf mich zu gefahren. Wahnsinn. Ich mag Oslo. Dachte ich zu diesem Zeitpunkt.
Ab zum Ausgang. Ich bin ganz gut drauf. Bis mich ein junger Mann anhält, etwas auf norwegisch und englisch fragt und mich in einen Nebenraum schleust. Kofferkontrolle. Na toll. Ich muss sagen, wo ich hin will. Lillehammer fällt mir nur ein. Eine Reise. Bis Montag. Nochmal werden die Taschen durchleuchtet. Dann muss ich sie auf einen Tisch packen. Rucksack und Tasche werden geöffnet. Die Zollbeamten, ein Mann und eine Frau, ziehen sich Handschuhe über und beginnen, zu kramen. Alkohol? Nein. Zigaretten? Nein. Die Waschtasche wird untersucht, mein Beutel mit dem Notebook-Kram, auch meine Schlüpper werden begutachtet. Sehr schön.
Wie nicht anders zu erwarten, finden sie nichts. Danke und schönen Aufenthalt.
So, und ejtzt sitze ich hier in der Flughafenhalle. Gern hätte ich das Airport-W-Lan genutzt, aber die wollen irgendein Passwort haben. Keine Ahnung, wo das herkommen soll. Und vielleicht ist der Service auch gar nicht kostenlos.
Deshalb entsteht dieser Text hier auch gerade in Word.
Und weil ich jetzt immer noch eine halbe Stunde Zeit habe, ist er auch so lang geworden.

18.33 Uhr. Wir sind in Gålå (sprich: Golo) angekommen. Zweieinhalb Stunden dauerte die Zugfahrt vom Osloer Flughafen bis Vinstra. Unmodern sind die Züge nicht, aber einen schicken Anstrich könnten die Waggons schon vertragen. Das dreckige Rot jedenfalls macht keinen schönen Eindruck.
Dafür aber die Gegenden, die wir durchfahren sind. Langgezogene Seen mit hügeligen Wäldern, in den sich die Wolken verfangen.
In Vinstra begegnen wir erstmals Peer Gynt, der in dieser Gegend eine große Rolle spielt. ….
Mit einem Kleinbus werden wir zu unserem abgelegenen Hotel „Wadahl Hogfjellshotell“ gefahren. Wenn ich aus dem Fenster sehe, erblicke ich erneut einen hübschen See, hügelige Wälder, auf die sich schwere Wolken legen und das eine oder andere Haus. Auf der Wiese fressen Kühe des Gras weg. Fast schon malerisch. Nein, nicht nur fast.

22.17 Uhr. Wie wir inzwischen erfahren haben, sind wir hier in einem echten Wintersportgebiet. Die Skilanglaufstrecken sind insgesamt mehr als 600 Kilometer lang. Im Sommer kann man wandern und Rad fahren.
Zum Abendbrot gab es eine Kartoffel-Lauch-Cremesuppe, Seeforelle (lecker!) und irgend so ein Sahnezeug mit Erdbeeren.
Nun sitzen wir noch im Kaminraum, in dem allerdings der Kamin nicht brennt und lassen die ersten Eindrücke auf uns wirken. Ach ja, und warten noch auf einen Koffer. In Frankfurt hat es einer der Koffer leider nicht ins Oslo-Flugzeug geschafft. Morgen soll er nachgeliefert werden. Wir sind gespannt. Auch auf Norwegens Fernsehkoch Nummer 1, den wir treffen werden…

RT im Kino

Wolke 9

Donnerstag, den 4. September 2008
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Inge (Ursula Werner) ist im siebten Himmel. Sie hat Schmetterlinge im Bauch, kann nichts anderes mehr denken: Sie ist unsterblich verliebt. Als sie bei Karl (Horst Westphal) zu Besuch ist, funkt es endgültig. Sie haben schnellen, heftigen Sex.
Nur: Inge ist verheiratet. Mit Werner (Horst Rehberg), seit 30 Jahren schon.
Inge ist fast 70. Karl ist 76. Aber es ist Liebe. Wie beim ersten Mal.
In seinem Film “Wolke 9” zeigt Andreas Dresen auf sehr eindrucksvolle Art und Weise, dass es Liebe auch noch im Alter gibt. Und nicht nur die Liebe, sondern auch das Verliebtsein. Das Gefühl, noch mal 16 zu sein, sich Hals über Kopf zu verlieben. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Inge weiß, dass sie Mist gebaut hat. Sie weiß, dass sie ihren Karl auf Tiefste verletzt, wenn sie ihm von der neuen Liebe erzählt. Aber sie kann nicht anders. Jetzt ist sie dran – zu leben, zu lieben, egoistisch zu sein.
Dresen zeigt dem Zuschauer Sexszenen, die es so wahrscheinlich noch nicht gegeben hat. Ziemlich hautnah, aber dennoch nicht voyeuristisch zeigt er den Sex, die Zärtlichkeiten, die Liebe zwischen den alten Leuten. Ihre Ängste, ihre Nöte, aber auch ihre Triebe, ihre Lust.
Das ist oftmals sogar ganz rührend, irgendwie erstaunlich – was ganz anderes sowieso. Dass die Probleme, die aus einer Affäre entstehen, die gleichen sind wie unter 20- oder 40-Jährigen, überrascht nicht. Dennoch scheint es alles ein wenig anders – in dem Alter liegt schließlich schon einiges hinter ihnen.
“Wolke 9” ist ein Film für alle die, die Rentner die keusch halten und denken, dass sie keinen Sex mehr haben und haben wollen. Auch Oma und Opa haben noch Lust.

8/10