Monatsarchiv für Februar 2005

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Winterlicher Frühling

Montag, den 28. Februar 2005
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Konzert am Louise-Henriette-Gymnasium

MAZ Oranienburg, 28.2.2005

ORANIENBURG
Während draußen leise der Schnee rieselte, veranstaltete das Louise-Henriette-Gymnasium am Freitagabend in der Sporthalle sein alljährliches Frühlingskonzert. Kein Wunder, dass sich Moderator André Schild am Anfang versprach und aus Versehen das „Weihnachtskonzert“ ankündigte. Ein Frühlingskonzert Ende Februar ist aber vielleicht wirklich ein bisschen sehr früh. Trotz frühlingshafter Deko.
Leider war die Anfangsmoderation von Linn Köhler und André Schild auch gleich ihr Abschied. Für die beiden Abiturienten war es das letzte Konzert als Louise-Henriette-Gymnasiasten. Ihre Nachfolgerinnen Christin Dipp und Julia Voigt spezialisierten sich allerdings weniger auf das Anmoderieren der Beiträge, sondern mühten sich mit von einem Lehrer der Schule geschriebenen Dialogen ab.
Was recht positiv über die 2005er-Version des LHG-Frühlingskonzertes gesagt werden kann, ist: Das Büfett in der Pause kam bei den Gästen sehr gut an. Beeindruckend waren auch eine Karate-Vorführung sowie eine Akrobatik am Anfang des zweiten Teils. Bei den gewagten Flügen über den Kasten hielt insbesondere die erste Reihe den Atem an. Sehr sympathisch war auch der Lehrerchor, der diesmal als die Comedian Harmonists auftrat und „Wochenend und Sonnenschein“ zum Besten gab.
Eine spontane Gesangseinlage gab es ganz am Ende. Die Akteure des Konzertes bedankten sich mit zwei kleinen Ständchen („You Can Get It, If You Really Want“ und „Let It Be“) bei den Technikern des Konzertes für ihre einmal mehr äußerst bemerkenswerte Leistung.
Nach diesem Frühlingskonzert hat es wirklich noch viel mehr Spaß gemacht, das Auto vom inzwischen gefallenen Schnee zu befreien und sich in den langen Stau in der winterlich verschneiten Dr.-Kurt-Schumacher-Straße einzureihen.

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Mein neuer Freund

Freitag, den 25. Februar 2005
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DO 24.02.2005, 23.15 Uhr, ProSieben

Der Aufschrei war groß, als ProSieben Christian Ulmens „Mein neuer Freund“ wegen schlechter Quoten absetzte. Doch die Proteste der Ulmen-Fans brachten den Sender dazu, die restlichen Folgen am späten Donnerstagabend zu zeigen. Berauschend sind die Quoten da aber auch nicht. Könnte es am Konzept liegen? Als unausstehlicher Typ verkleidet, zieht Ulmen ein Wochenende bei einer fremden Frau ein. Wenn sie es zwei Tage mit ihm aushält, bekommt sie 10000 Euro. Das Problem: Das Ganze ist nicht uninteressant, lustig aber auch nicht. Ulmen ist einfach zu perfekt. Grenzenlos unerträglich, auch und gerade für den Zuschauer. Diese Art von Psychofolter ist nun mal nicht mehr als „Nischenfernsehen“.

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Bush in Deutschland

Mittwoch, den 23. Februar 2005
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MI 23.02.2005, 9.00 Uhr, Das Erste

Es schneit in Mainz. Der Flughafen ist gesperrt. Die Autobahnen auch. Nur wegen ihm: George W. Bush kommt und die ARD freute sich so sehr, dass gestern acht Stunden Programm für die Berichterstattung freigeräumt wurden. Aber so schafft es wenigstens annähernd jede Schneeflocke, die in Mainz runterkommt, in die Live-Sendung. Und da! Die Airforce One des Präsidenten!! Ach, nein, doch nicht! Ist doch nur der Flieger mit der Pressemeute. Egal. Haben ja sonst nichts zu zeigen, also bleiben wir dran. Was gibt es eigentlich zum Mittagessen? War nämlich lange das Top-Geheimnis, das wirklich jeder herausfinden wollte. Die gute Tante ARD verrät es uns: Eiffellamm. Gut zu wissen. Und weil es sonst nichts zu erzählen gibt, wird diese Blockbuster-Meldung noch dreimal dargeboten. Eine acht-Stunden-Live-Sendung muss schließlich irgendwie gefüllt werden!

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Verkaufssendung

Dienstag, den 22. Februar 2005
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Lifestyle, Februar 2005

Deutschland freut sich: Der Teleshoppingkanal Lifestyle hat nach gut 15 Tagen Sendepause sein Programm wieder aufgenommen. Vielleicht haben sie wieder ein wenig Ramsch erworben, der nun unters Volk gebracht werden kann. Zum Beispiel ein Haartonikum. Denn irgendwann kommt der Tag, da hat man(n) plötzlich ein paar Haare mehr im Kamm. Haarausfall! Dem kann entgegengesteuert werden. Bei Lifestyle wurde es vorgemacht. Ex-Boxer René Weller hatte mal wieder Zeit (und kein Geld?) und erklärte sich gerne bereit, sich das Zeug ins Haar einmassieren zu lassen. Dabei braucht der Weller alles mögliche, nur kein Haartonikum. Ganz anders übrigens der Verkäufer. Für ihn kommt jedes Mittelchen zu spät: Denn dieser Verkäufer, der sein „echt super wirkendes“ Haartonikum anpries, hatte eine Glatze. Auf diese verkaufsfördernde Idee muss man erst mal kommen!

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ZAPPER VOR ORT: Musikantenstadl on Tour

Freitag, den 18. Februar 2005
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DO 17.02.2005, 20.00 Uhr, ICC, Berlin

„Wir kommen alle, alle, alle in die Hölle!“ Vielleicht hatte Karl Moik mit seinem Lied gar nicht mal so unrecht. Willkommen im „Musikantenstadl“! Pünktlich um 20.01Uhr ertönt am Donnerstagabend im Berliner ICC die Stadl-Melodie. Die Menge, außer uns keiner unter 30, rast. Im Schlepptau hat Moik übrigens auch sein original Stadl-Orchester. Wie „original“ es wirklich ist, weiß niemand.
Die Mürztaler aus der Steiermark eröffnen das Programm. „Wenn die Musik nicht wär, gäb’s keine Träume mehr“, schmettern sie in schnellem Rhythmus. Das Publikum reagiert verhalten. Vielleicht träumt es? Der Song ist jedenfalls zu schnell, um mitzuschunkeln. Ich lasse mich dazu hinreißen, mit den Füßen zu wippen. Die Männer vom Orchester, die nichts zu tun haben, schauen apathisch in die Gegend.
„Das folgende Potpourri musste in vergangenen Vorstellungen dreimal wiederholt werden, weil es so gut ankam“, erzählt Karl Moik dann. Vielleicht hat es aber auch daran gelegen, dass das Publikum den Text nicht verstanden hat und das Ganze deshalb nochmal hören wollte?
Nur etwa zehn Minuten nach Beginn des Programms heißt es plötzlich „Time To Say Goodbye“. Doch da habe ich mich zu früh gefreut. Der Schluss liegt in weiter Ferne.
Danach spielt die Stadl-Band Hits eines gewissen Herb Alpert, von dem ich zwar noch nichts gehört habe, seine Hits kenne ich überraschenderweise trotzdem. Ich möchte schon wieder tanzen. Aber ich will ja nicht auffallen. Das Publikum zeigt seine Begeisterung wohl eher innerlich. Leiter der Stadl-Band ist übrigens Wolfgang Lindner. Der ist zwar nur dafür da, blöd auf der Bühne rumzustehen, aber selbst damit kann man sicherlich viel Kohle verdienen.
Dann kommt Jodelkönigin Herlinde. Mit angetackertem Grinsen und einem glücklicherweise nur halbdurchsichtigen Blüschen betritt sie die Bühne. Ihr Hitkonzentrat ist so poppig, dass ich fast schon wieder aufspringen möchte, aber das käme bei den Umsitzenden sicher nicht gut an. Wolfgang Lindner, übrigens Herlindes Kerl, latscht in dieser Zeit quer über die Bühne und macht andeutungsweise hier und da eine Handbewegung, die allerdings nicht als ein Dirigieren gedeutet werden kann.
Nun passiert etwas Unfassbares: „Lebt denn der alte Holzmichl noch?“ Das Publikum erwacht. Aufgeweckt vom Randfichten-Hit, nachgesungen von den Mürztalern. „Jaaaa, er lebt noch!“ Fürs Händehochreißen reicht es im Publikum zwar noch, aber für das Aufstehen dann doch nicht mehr. Als die Stimmung ihren frühen Siedepunkt erreicht, kommt Moik auf die Bühne. Mit sonorer, langweiliger Stimme sagt er seinen nächsten Star an. „Eine echte Schlaftablette“, bemerkt sehr treffend die MAZ-Gewinnerin der Freikarten aus Velten.
Ein Mürztaler-Witz gefällig? „Was ist ein Bär, der fliegt? Ein Hubschraubär!“ Das kommt an. Höchste Zeit für die Werbung! Denn draußen im Foyer gibt es das Stadl-Brot zu kaufen! Karl Moik isst das auch jeden Tag. Na, dann muss das ja schmecken. Nachdem der Name der Bäckerfirma des Brotes noch dreimal genannt wurde, dürfen alle in die wohlverdiente Pause. Dummerweise hab ich nur 2,50 Euro dabei und Durst. Also kein Stadl-Brot. So ein Pech.
Zweiter Akt. Francine Jordi wollte mal Militärpilotin bei der schweizerischen Armee werden. Stattdessen hat sie den Grand Prix der Volksmusik gewonnen. Übrig geblieben ist davon nur die Stadl-Tournee mit Schlaftablette Moik. Das hat sich Francine wohl auch anders vorgestellt. Während sie vom Feuer der Sehnsucht singt, dämmert das Publikum vor sich hin. „Tanz, Alexis, tanz!“, trällert sie dann und fordert die Leute zum Mitsingen auf. „Alle zusammen! Lauter!!“ Lauter? Es singt doch gar keiner. Die Zuschauer bocken. Bis auf einen Opa, der Francine Blumen überreicht.
Süßigkeiten bekommt Patrick Lindner dann von einer Frau in die Hand gedrückt, während er ein „Halleluja auf das Leben“ schmettert. Leider kann Patti mit dem Zeug nichts anfangen und drückt sie Namensvetter Wolfgang Lindner in die Hand, der sowieso gerade nichts zu tun hatte. Doch so spontan ist der Wolfgang dann doch nicht. Gekonnt lässt er das Päckchen aus der Hand gleiten.
Und weil es in Berlin ja so schön ist, kommt dann nochmal die Francine Jordi, um ein spezielles Lied nur für die Berliner zu singen: „Felicita“, ursprünglich von Albano und Romina Power. Die in diesem Moment schmerzlichst vermisst werden. Sonntag ist der Stadl in Cottbus. Die Stadt wird Francine dann sicher auch so toll finden, dass sie das spezielle Lied auch dort zu Gehör bringen wird. Ausnahmsweise.
23 Uhr. Der Stadl ist aus. Das Publikum tritt den Rückzug an. Es war schön. Urig. Rieeesig. Der Alltag hat uns wieder. Danke!

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Berlinale: Die Eröffnung der 55. Filmfestspiele

Freitag, den 11. Februar 2005
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DO 10.02.2005, rbb

Schauspieler Kai Wiesinger guckte ganz mitleidig. Kein Wunder: Denn die Eröffnungszeremonie zur Berlinale machte mal wieder einen laienhaften Eindruck. Festspielleiter Dieter Kosslick wirkte nervös und hölzern. Moderatorin Anke Engelke schien ihren ersten Praktikumstag bei Oberhavel TV zu absolvieren. Scheinbar wahllos übersetzte sie hier und da ein paar Brocken deutscher Sätze ins Englische. Abgerundet wurde die peinliche Posemuckel-Zeremonie von einem grauenhaften Schnitt der Aufzeichnung. Der rbb hat offenbar alle seine Dilettanten zur Berlinale geschickt. Moderationen wurden mitten im Satz weggeschnitten, Applaus dafür reingeschnitten, wo ganz offensichtlich keiner war. Klaus Wowereit erschien aus heiterem Himmel auf der Bühne. Und wirklich ergriffen war wohl niemand im Berlinale-Palast. Die meisten der Stars boten uns einen doof aussehenden, Kaugummi kauenden Anblick. Mahlzeit.

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Bundesvision Song Contest 2005

Freitag, den 11. Februar 2005
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DO 10.02.2005, 20.15 Uhr, ProSieben

Sensation: Berlins musikalischer Publikumsliebling Sido nahm während seines Auftritts beim Bundesvision Song Contest seine Maske ab! Vielleicht nicht die beste Entscheidung. Denn nun konnte jeder feststellen, dass einige wenige Menschen mit Maske eben doch besser aussehen. Also, Sido: Maske nächstes Mal bitte wieder auf! Die Randfichten schienen mit ihrer Volksmusik zwar ein wenig deplatziert, eine gute Show lieferten sie trotzdem. Andere Bands dieses Abends haben es leider nicht geschafft, dem deutschen Pop ein gutes Ansehen zu verschaffen. Die Sängerin der Gruppe Klee hatte am Sonnabend stimmlich leider nur sehr wenig zu bieten und machte zudem später beim Interview mit Oliver Pocher einen nicht wirklich hellen Eindruck. Selbst die Gewinner, Juli, haben ihren Sieg wohl nur ihrem kommerziellen Erfolg zu verdanken. An der Stimme der Sängerin hat es an dem Abend nicht gelegen. Während des Votings hatten Deutschlands Radiosender die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Für Berlin war das coole Kiss FM am Start. Reicht denn Sido nicht als Vertreter für Berlin? Dann auch noch eine Radiomoderatorin, die mit ihrer Blödheit dafür wirbt, auch weiterhin nicht Kiss FM zu hören! Fakt ist trotzdem, dass Stefan Raab uns einen spannenden und zuweilen skurrilen Abend geboten hat.