Monatsarchiv für Juli 2001

RTelenovela

In 8 Stunden nach Usedom

Sonntag, den 29. Juli 2001
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Okay, es war eine ziemlich dumme Idee, dass Nico und ich erst um 8 Uhr nach Usedom aufbrechen wollten. Aber kann man denn so was ahnen? Nachdem wir bereits eine dreiviertel Stunde brauchten, um durch Prenzlau zu fahren, dachten wir, alles sei überstanden. Aber es kam noch dicker.
B109, kurz vor Anklam. Der Verkehr verdichtete sich mehr und mehr. Schließlich kam es zum Stillstand. Nichts ging mehr. Keinen Millimeter. Minutenlang. Da im Laufe der Zeit alle Fahrer den Motor abgestellt haben, war es richtig ruhig auf der Landstraße. Die Grillen zirpten, der Wind wehte. Es wäre herrlich gewesen, wenn wir nicht gerade im Stau gestanden hätten.
Hin und wieder ging es dann doch ein paar Meter weiter. Gefolgt vom Stillstand. Irgendwann war dann auch die „Alf“-Kassette zu Ende, der Verkehrsfunk meldete, dass rund um Anklam nichts mehr ginge. Gut zu wissen.
Nach ewigem Stopp und kurzem Go erreichten wir Anklam. Da war dann sogar genügend Zeit, in einem kleinen Café ein Eis kaufen zu gehen oder sich auf der Straße zu sonnen. Jemand, der zu Hause am offenen Fenster gesessen hätte, hätte sich bestimmt gewundert, warum draußen auf der Bundesstraße so eine himmlische Ruhe herrschte. Es war auch himmlisch still.
Erstaunlich war auch, dass sich alle Stauteilnehmer offenbar seelenruhig ihrem Schicksal fügten. Niemand machte einen Ausreißversuch, in dem er Anklams Nebenstraßen erforschte.
Übrigens: Anklam ist stellenweise richtig nett. Zeit genug, das rauszufinden, hatten wir ja nun wirklich.
Letztendlich haben wir von Oranienburg bis nach Usedom acht (8) Stunden gebraucht.

RTZapper

Wohlbefinden mit MWL

Donnerstag, den 26. Juli 2001
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MI 25.07.2001, 1.00 Uhr (Do.), QVC

Na, habt ihr auch Probleme mit eurer Figur? Steht der Urlaub womöglich direkt vor eurer Zimmertür? Angst, wegen eurer Wampe von allen am Strand ausgelacht zu werden? Der Einkaufskanal QVC hilft. Diät mit nix zu Essen ist nämlich völlig out. Auf schmackhafte Speisen muss man nicht mehr verzichten. Schließlich gibt es jetzt „Weight Looser”, die Tabletten zur Gewichtsreduktion. Vorgestellt in der Nacht zum Donnerstag in der QVC-Sendung „Wohlbefinden mit MWL”. Unter dem Motto „Zwei Frauen quatschen nachts um eins über Pillen” (live!) wurde darüber geplaudert, dass man ja nicht nur abnehmen, sondern den Körper auch entwässern und entschlacken muss. Dafür sind die Walderdbeer- und Spargeltabletten ideal. Ja, ihr lest richtig: Spargeltabletten. Und gerade die Walderdbeertabletten sollen helfen, den Heißhunger zu stoppen: „Fünf Bongse, dann ist er weg.”, so die Frau von MWL, die natürlich hin, weg und dünn war. Nebenher schmissen sich die beiden übrigens ständig welche von den „Bongsen” ein und lachten sich kaputt, dass es sich hierbei schon um ein Frühstück handele. „Die schmecken richtig super lecker!” Und sind auch richtig super billig! Denkt man zumindest, wenn man angesichts der fortgeschrittenen Zeit die Sendung ohne Brille verfolgt. Dann würde man auch recht schnell feststellen, dass die Moderatorin irgendwelche Spargelpillen gar nicht nötig hat und ihr Interesse am Thema nur geheuchelt ist.
Plötzlich ging im Studio das Licht aus – ausverkauft. Nicht zu fassen, was die Leute alles bestellen. Spargeltabletten…
Danach ging es übrigens mit dem Frucht- und Getreidepulver „New Feeling” weiter, die Damen sprachen über Stoffwechsel und Gifte im Darm. Nein danke.

aRTikel

Kneipen-Test: In Windeseile langsam

Donnerstag, den 26. Juli 2001
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Kneipen-Test (14): Grillhaus „Papa Asada“

MAZ Oranienburg, 26.7.2001

Eines muss man den Leuten des Grillhauses „Papa Asada“ in der Germendorfer Allee 73 in Oranienburg ja lassen: Die Preise, die der hungrige Besucher in der Speisekarte findet, sind erstaunlich niedrig. Somit ist das Ganze auch für Jugendliche recht erschwinglich. Das wird auch deshalb noch einmal vor Augen geführt, weil die alten, höheren Preise durchgestrichen daneben auf der Karte stehen.
Im vorderen Teil der Gaststätte ist es schön hell, man hat einen guten Blick nach draußen. Wer ganz an der frischen Luft auf der Terrasse sitzt, kann die Abendsonne genießen. Hunger sollte man auf jeden Fall für das durchaus gemütliche Grillhaus mitbringen, denn die Speisen auf dem Teller sind reichlich. Fast jede erdenkliche Fleisch-Art ist auf der Karte vertreten. Wer noch nie das Fleisch eines Straußes probiert hat, im „Papa Asada“ ist es möglich.
Wer einen Salat dazu möchte, muss sich den extra bestellen. Der ist dann auch ganz schmackhaft, wobei aber in der Küche ein wenig besser darauf geachtet werden sollte, dass die Blätter noch ein bisschen mehr von Sandkörnern befreit werden. So war’s halt bei unseren Tests.
Über die Bedienung kann hier leider kein eindeutiges Urteil getroffen werden. Ging bei unserem ersten Test-Besuch alles sehr schnell über die Bühne, sah das beim zweiten Mal leider anders aus. Da wartete man auf seine Getränke schon mal… etwas länger. Auch die Rechnung kam nach dreimaliger (!) Bitte auch irgendwann. Aber das war hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher!
Somit ist das Grillhaus in Eden echt empfehlenswert für den kleinen Geldbeutel und den großen Hunger.

Öffnungszeiten: täglich 11.30Uhr bis 0Uhr.

RTZapper

Love Parade 2001

Sonntag, den 22. Juli 2001
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SA 21.07.2001, B1

Eine bessere Werbung für sich selbst kann Berlin gar nicht bekommen als die Love Parade. Denn ein großer Teil der Live-Übertragung von B1 bestand darin, wunderbare Luftbildaufnahmen des Tiergartens, des Reichstages, des verhüllten Brandenburger Tores (und was da eben sonst noch so rumsteht) zu zeigen.
Der andere Teil wurde damit bestritten, super cool, hip und crazy zu sein. Was den B1-Leuten aber besser gelang, als den Kollegen von RTLII, die ebenfalls live vor Ort waren. Die B1-Kommentatoren Volker Wieprecht und Stefan Rupp wagten es sich sogar, Kritik anzubringen, die beim „Das ist die beste Love Parade überhaupt“-Sender RTLII offenbar nicht erlaubt war.
Einen einzigen Wermutstropfen gab es aber auch bei den Öffentlich-Rechtlichen: Angesichts des Wahlkampfes in der Hauptstadt waren so ziemlich alle Parteien mit ihren Spitzenpolitikern vertreten. Die die Love Parade natürlich super fanden. Das hätte man sich verkneifen können.

RT im Kino

Der Schuh des Manitu

Donnerstag, den 19. Juli 2001

Es herrscht Krieg im Lande, wo die Schoschonen schön wohnen. Und das kam so: Häuptling Abahachi (Michael „Bully” Herbig) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) wollten eigentlich mit Hilfe eines Kredites des Schoschonenführers ein Stammlokal eröffnen. Den Kredit bekamen sie auch, mit dem Stammlokal allerdings gab es Probleme. Dann wurde zu allem Unglück auch noch Falscher Hase, der Sohn des besagten Schoschonenführers, vom Schurken Santa Maria (Sky Dumont) umgebracht. Abahachi und Ranger werden der Tat beschuldigt. Auch das Stammesgold sollen sie gestohlen haben.
Doch vom Marterpfahl, an den sie gebunden werden, konnten sie türmen. Es reicht – die Schoschonen graben den Klappstuhl aus (das Kriegsbeil ist irgendwie abhanden gekommen). Für Abahachi und Ranger gilt es nun, ihre Unschuld zu beweisen.

So viel zur Handlung von „Der Schuh des Manitu”, dem ersten echten Kinohit aus Deutschland seit langem. Sprechen wir lieber von den Ereignissen, die sich während des Films im Kino abspielen. Schon bevor es losgeht, wird in riesigen Popcorn-Bechern geraschelt, die Bierflaschen werden geöffnet.
Die Stimmung ist regelrecht ausgelassen, schon beim Vorspann beginnt das Gelächter. Viele der Szenen sind akustisch nicht zu verstehen, weil noch über die letzte gelacht wird. Pointen werden sich noch einmal gegenseitig erzählt, um noch einmal darüber zu lachen. Wer also im Kino seine „Ruhe” haben will, ist bei diesem Film völlig fehl am Platze.
Das Gelächter des Kinopublikums geschieht natürlich nicht ohne Grund. Mit dem „Schuh des Manitu” ist Michael Herbig („Bullyparade”, ProSieben) eine Komödie (Eigenwerbung: Autorenabenteuerliebesactioncomedywesterndrama) voller guter Einfälle gelungen. Auf wunderbare Weise nimmt er Westernfilme à la Winnetou aufs Korn. Fast schon im Stile der „Nackten Kanone” folgt ein Gag auf den anderen. Dabei sollten auch unbedingt die musikalischen und tänzerischen Einlagen erwähnt werden. Eine echte Überraschung ist allerdings der Schauspieler Sky Dumont, der mit diesem Film wohl einen erfreulichen Imagewechsel vollziehen wird.
Übrigens: Am Ende gibt es noch ein Bonbon: so genannte Outtakes, Pannen beim Dreh. Und auch danach sollte man noch nicht vom Kinosessel aufspringen.

RT im Kino

Evolution

Donnerstag, den 19. Juli 2001

Wayne (Seann Wiliam Scott) ist in seinem Element. Bald hat er seine Prüfung als Feuerwehrmann. Und um die zu bestehen, übt er noch einmal die Rettung einer Gummipuppe aus einem brennenden Haus. Doch diese Übung wird von einem Vorfall überschattet, den Wayne wohl so schnell nicht vergessen wird. Ein Meteorit stürzt vom Himmel – direkt auf Waynes Auto, welches somit Schrott ist.
Doch mit dem Absturz des Meteoriten ist die Sache noch längst nicht erledigt. Im Gegenteil: Jetzt fangen die Probleme erst an. Das vom Himmel gefallene Ding entpuppt sich nämlich als Träger einer außerirdischen Lebensform. Der Wissenschaftler Dr.Ira Kane (David Duchovny, „Akte X“) und sein Kollege Harry Block (Orlando Jones), die das Gestein untersuchen, sind sich schnell darüber einig, dass irgendwas getan werden muss, denn die Außerirdischen vermehren sich schnell. Sehr schnell sogar. Rund um die Absturzstelle wimmelt es bereits nach kurzer Zeit von merkwürdigen Lebewesen, die davor noch kein Mensch gesehen hat. Und ganz ungefährlich sind die Viecher auch nicht. Diese bittere Erfahrung müssen im Folgenden einige Menschen machen. Aus süßen Wesen mit Knopfaugen können ganz schnell gefräßige Monster werden.
Wie schafft man es nur, diese Wesen den Garaus zu machen? Das Militär hat eine Lösung parat: Napalmbomben. Doch Kane, Block und die Epidemieforscherin Allison (Julianne Moore) sind sich sicher, dass das der falsche Weg ist. Aber wie wäre es mit Anti-Schuppen-Shampoo?

Es ist ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle, das der Kinobesucher bei „Evolution“ erlebt. Die Science-fiction-Komödie ist stellenweise recht amüsant. Es gibt Szenen, die sind zum Brüllen komisch. Andere allerdings sind geradezu widerlich und abstoßend. Vielleicht konnte sich Regisseur Ivan Reitman („Ghostbusters“) nicht wirklich entscheiden, ob er nun eine Komödie oder einen „ernsthaften“ Science-fiction-Film drehen wollte.
Aus diesem Grund gehört „Evolution“ auch nicht zu den wahren Kino-Highlights des Jahres, ist aber trotzdem ein annehmbarer Popcorn-Kinofilm.

RTZapper

VIP-News

Montag, den 16. Juli 2001
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SO 15.07.2001, tm 3

Es war einmal ein Sender, der nur für die Frauen daseinwollte. Nur leider interessierte das die Zielgruppin herzlich wenig und so versuchte man die Männer mit der Champions League zu ködern. Die wurde dem kleinen Sender aber wieder weggenommen. Und so dämpelten die Einschaltquoten von tm 3 weiter vor sich hin.
Doch jetzt ist Ex-MTV-Chefin Christiane von und zu und überhaupt Salm Saln zu Salm die neue Chefin. Und hat eine grandiose Idee mitgebracht: tm 3 ist jetzt ein Mitmachsender. Fast rund um die Uhr laufen nun Live-Shows mit tollen Spielen, moderiert von noch tolleren Moderatoren, allesamt gecastet von „Ich-red-zu-viel-Stuss-Selbsthilfegruppen “.
Jetzt, bei tm 3, dürfen sie Stuss quatschen bis der Arzt kommt. Und der kommt nie. So gab es am Sonntagabend die Supershow „VIP News”. Eine „gut draufe” Moderatorin stellte die wahnsinnig schwere
Frage, welcher Literaturpapst aus dem „Literarischen Quartett” aussteigen will Okay, das weiß nicht jeder.
Irgendwie kann einem die Moderatorin Leid tun. Sie muss faseln und faseln und faseln, bis endlich mal jemand anruft. Oder sich die Regie entschließt, endlich mal jemanden durchzustellen. Denn tm 3 lebt zu 30 Prozent von den Anrufen der Zuschauer. Einmal durchkingeln kostet 96 Pfennige. Egal ob man durchkommt oder nicht. Ansonsten bedankt sich eine freundliche Stimme und fordert uns zum Nochmal-Anrufen auf. Was wieder kostet. Und sich läppert.
Tja, irgendwann wird dann tatsächlich irgend so eine Uschi ins Studio durchgestellt und – sie weiß die Antwort nicht. Ja, gibt’s denn so was?? Ruft an und weiß nix? Dem Sender kann das nur recht sein, denn: „Nächstes Mal hast du mehr Glück!” Und tm 3 mehr Geld.