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Leichenspeicher

Ich weiß, das Wort klingt gemein und ich will euch auch erklären, was damit gemeint ist. Gestern sind Willy Millowitsch und Raissa Gorbatschowa gestorben. Aus diesen Anlässen haben die Fernsehsender ihr Programm geändert. Und manchmal fragt man sich doch tatsächlich, warum sie in so einer kurzen Zeit einen fertigen Nachruf ausstrahlen können. Und damit wären wir dann auch wieder bei dem oben stehenden Wort. Es ist ein offenes Geheimnis, aber insbesondere ARD und ZDF haben von vielen (noch lebenden) Stars so einen Nachruf bereits in ihrem Archiv zu liegen. Nehmen wir mal an, morgen früh stürbe der Papst. Es wäre für die Sender kein Problem, nur wenige Minuten später, einen Nachruf zu senden. Er muss nur entsprechend aktualisiert werden. Als Heinz Rühmann vor ein paar Jahren für immer eingeschlafen ist, war auch sein Nachruf seit Wochen fertig. Wenn jemand alt und krank ist, klingeln bei den Sendern also die Alarmglocken. Irgendwie ein erschreckender Gedanke. Geradezu makaber. Aber das Business ist noch härter. Je höher nämlich das Amt oder die Popularität der Person, die gestorben ist, um so länger ist auch die Sendezeit für deren Nachruf.
Ein Beispiel dafür: Wäre Roman Herzog gestorben, als er noch Innenminister von Baden-Württemberg war, hätte ihm die ARD einen Beitrag von 150 Sekunden Länge gewidmet. Doch dann wurde er Bundespräsident. Nun bekäme er eine 30-minütige Sondersendung. Nun gut, Roman Herzog lebt glücklicherweise noch, aber der „Ernstfall” ist schon geprobt. Das Wort „Leichenspeicher” ist also gar nicht so weithergeholt…

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Ein Kommentar zu “Leichenspeicher”

  1. RTiesler.de » Blog Archive » ARD arbeitet schon an Heinos Nachruf!

    […] Für wie dämlich hält die “Bild” eigentlich seine Leser? Oder anders gefragt: Wie dämlich sind eigentlich so manche “Bild”-Schreiber? Mark Pittelkau war total entsetzt: Die ARD arbeitet bereits an einem Nachruf für den kranken Heino. Skandal!! Ein Nachruf für einen noch Lebenden! Böse ARD! Ekelhaft! Der Mark ist echt angewidert. “Ganz offenbar hat die Nachruf-Produktion bei der ARD Methode”, schreibt er entrüstet. Und wir antworten: Ja, hat sie. Schon immer. Und nicht nur bei der ARD. Denn was “Bild” als Skandal bezeichnet, ist in Wirklichkeit ein müdes Nichts. Alle Sender, die Nachrichten produzieren, haben ein großes Archiv mit vorgefertigten Nachrufen auf bekannte Persönlichkeiten. Das ist schon sehr lange so, wurde auch schon oft drüber berichtet. Selbst hier im Blog: -> 21.9.1999. Oder woher glaubt der Herr Pittelkau, dass die Nachrufe kommen, die blitzschnell über den Sender gehen – so wie heute bei Walter Kempowski? Dass Heino über diesen Vorgang entsetzt ist, darf bezweifelt werden. Im Gegenteil: Der ARD ist er so wichtig, dass sie ihm mit einem Nachruf bedenken. […]

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