1986 in der DDR: René aus Potsdam besucht die Arbeiter- und Bauernfakultät in Halle/Saale. Zwei Schulhabjahre hat er im Internat noch vor sich. Danach soll er in die Sowjetunion zum Ökonomiestudium. Das ist der Plan, aber irgendwie hat René nicht so richtig Lust darauf. Andererseits müsste er dadurch nicht so lange zur Armee gehen.
Bis er eine Entscheidung treffen muss, lässt er sich durch das Hallenser Studentenleben treiben. Mit seinen Freunden zieht er durch die Kneipen, was allerdings von der Schulleitung nicht gern gesehen ist.
Und er lernt Rebecca kennen, sie werden ein Paar. Allerdings sehen sie sich nur sehr selten, und das macht René nervös.
Es ist bereits der dritte Roman, in dem der Autor André Kubiczek erzählt, wie es dem Jugendlichen René in der DDR ergeht. Wir waren dabei, wie er in Potsdam die 10. Klasse abschloss („Skizze eines Sommers“), wie er dann nach Halle zog („Straße der Jugend“) – und jetzt erleben wir ihn, wie er das letzte Jahr im Internat in Halle erlebt, aber auch immer wieder nach Potsdam nach Hause kommt.
André Kubiczek hat ein sehr großes Erzähltalent. Liest man seinen Roman, kann man sich darin total verlieren. Vor allem durch seinen einerseits ruhigen, gesetzten Erzählstil, der aber andererseits auf eine sehr schöne Weise melancholisch ist. Man kann sich sehr gut in die Szenen einfühlen – wenn sich René mit seinen Kumpels unterhält, sind das schöne, dichte Momente. Wenn er vor der Schulklasse niedergemacht wird, weil er nicht DDR-mäßig spurt. Wer die DDR erlebt hat, wird hier immer wieder Flashbacks haben. Wer sie nicht erlebt hat, wird hier in den Alltag eingeführt.
Ein schöner, wertvoller Roman.
PS: Der Titel erscheint ein bisschen willkürlich, und ehrlich gesagt ist er das auch, weil es eigentlich gar nicht so sehr ums Küssen geht. Dennoch gibt es natürlich auch diese eine Szene.
André Kubiczek: Der perfekte Kuss
ro ro ro, 399 Seiten
9/10
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