Vor einem Jahr brachten die Maßnahmen wegen der Maul- und Klauenseuche die Agrar GmbH in Kraatz in finanzielle Schwierigkeiten. Hilfen vom Landkreis kamen schnell, die vom Bund ließen auf sich warten
MAZ Oberhavel, 23.1.2026
Kraatz.
Die Maul- und Klauenseuche hat der Agrar GmbH in Kraatz bei Gransee fast das Geschäft gekostet. Und das, obwohl die Seuche auf dem Hof nie ausgebrochen war.
Ein Jahr nach der Krise, bei der wochenlang keine Produkte vom Hof in Kraatz verkauft werden durften, beklagt Geschäftsführer Andreas Schmidt hohe Bürokratiehürden, viele Umständlichkeiten und lange Wartezeiten.
Rückblick: Am 8. Januar 2025 fuhr ein Lkw eines Unternehmens für Tierkörperentsorgung auf den Hof in Kraatz. Später war klar, dass sich auf diesem Lkw wohl der erste infizierte Wasserbüffel aus Hönow befand.
In dem Ort östlich von Berlin war die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Nachdem klar war, dass der Lkw aus Hönow in Kraatz war, wurden die Tiere des Hofes beprobt.
Am 13. Januar 2025 kam „die Ansage, dass wir keine Milch vom Hof weggeben dürfen“, erinnerte sich Hans Frodl, Geschäftsführer der AHD Kraatz GmbH, in einem Gespräch mit der MAZ. Der Hof musste geschlossen werden – es war eine Seuchenvorkehrung.
Alle Testergebnisse in Kraatz fielen negativ aus – der Hof war die ganze Zeit seuchenfrei. Dennoch bestand das Embargo weiter – nichts durfte verkauft werden.
Und das ging ins Geld. Denn die Milch durfte den Hof zwar nicht verlassen, aber es musste dennoch weiter gemolken werden – die Produktion war ganz normal weitergelaufen.
In der Kreisverwaltung in Oranienburg war das Problem erkannt worden. Für die betroffenen Betriebe, in Oberhavel waren es vier, gehe es um ihre Existenz, hatte Mandy Oys, die Sprecherin der Kreisverwaltung, erklärt. Landrat Alexander Tönnies (SPD) hatte den Landwirten Hilfe zugesagt.
Ein Jahr danach zieht Geschäftsführer Andreas Schmidt Bilanz. „Es ist und bleibt schwierig“, sagte er am Donnerstag in einem Gespräch mit der MAZ. „Uns ereignet eine Katastrophe nach der anderen.“
Zum Ende des vergangenen Jahres trafen den Betrieb die Folgen der Geflügelpest in der Region. „Wir wollten eigentlich unsere Enten vermarkten.“
An die Zeit im Januar 2025 erinnert er sich ebenso ungern. „Aber ich danke dem Landkreis Oberhavel“, erklärte er. „Denn der ist schnell eingesprungen.“ Der Landkreis hatte die zugesagten Hilfen tatsächlich ausgezahlt.
„Mit der Situation konnten wir erst mal sehr gut leben“, so Andreas Schmidt weiter. Die finanzielle Schieflage des Kraatzer Hofes konnte so erst mal abgewendet werden. „Das war auch sehr unkompliziert. So was habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt.“ Dafür sei er Landrat Alexander Tönnies dankbar.
Aber es ist nicht das Ende der Geschichte gewesen. Denn die Entschädigungszahlungen vom Bund, um den Schaden aus den nicht verkauften Produkten auszugleichen, standen noch aus. Sie seien erst im Oktober gekommen.
Dazu mussten die vorübergehenden Hilfen des Landkreises zurückgezahlt werden. Aber das Geld vom Bund kam erst zwei Wochen danach. „Wir haben erst einen Riesenantrag ausfüllen müssen.“ Andreas Schmidt spricht von „20 bis 30 Seiten“, um die es da gegangen sei.
„Diese Antragstellung ist katastrophal, man muss sich regelrecht nackig machen“, so der Kraatzer Landwirt. Es gebe diverse verschiedene Ebenen „und man fragt sich, wie viele Leute sich eigentlich damit beschäftigen“. Andreas Schmidt sagt: „Wir reden seit Jahren über Bürokratieabbau, aber passiert ist nichts.“
An den aktuellen Bauernprotesten – am 23. Januar werden wieder einige Auffahrten zur A10 blockiert – beteiligen sich die Kraatzer derzeit aber nicht. „Mir fehlt da noch die Perspektive, welches Resultat das am Ende haben soll. Wofür sollen wir konkret kämpfen?“
Er kritisiert zudem, dass die verschiedenen Bauernverbände sich in der Thematik uneinig seien. Nicht richtig findet er, dass viele der Protestierenden pauschal in eine rechte Ecke gestellt würden
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