Live vom CSD Köthen 2024

SA 15.06.2024 | 12.00 Uhr | Youtube

Die CSD-Paraden in Berlin oder Köln sind große Partys. Da fragen sich viele, ob das überhaupt noch eine Demonstration ist oder nicht einfach nur eine Art Love Parade.
Die Frage nach dem Sinn der Paraden zum Christopher Street Day beantwortet sich genau genommen auch auf den vielen kleinen Umzügen in den deutschen Kleinstädten.

Am Sonnabend ist auf Youtube der allererste CSD in Köthen in Sachsen-Anhalt übertragen worden. Eine Gruppe junger Leute um Julian Miethig haben sich wochen- und monatelang große Mühe gegeben, um das Ding auf die Beine zu stellen.

Und, ja, solche Umzüge, solche Demonstrationen sind ganz offenbar in Deutschland immer noch notwendig. Und eigentlich möchte man sagen: wieder notwendig. Sicherlich hat die queere Community viel mehr Rechte als noch vor 50 Jahren, die Gesellschaft ist offener geworden, alles ist viel freier.
Aber es scheint, als würde sich die Zeit gerade zurückdrehen. Die Anfeindungen nehmen wieder zu. Queere Paare werden bedroht und verprügelt. Der Hass und die Vorurteile gegenüber Transmenschen wachsen.

Deshalb ist auch eine große Parade mit Hunderttausenden Menschen in Berlin und Köln immer noch wichtig. Es geht es um die Beibehaltung und weiterer Verbesserung der Rechtslage. Und nicht zuletzt um Sichtbarkeit. Denn der Vorteil der großen CSDs ist auch eine gewisse Anonymität. Die Teilnehmenden sind Teil einer großen Menschenmasse.

Ganz anders bei den kleinen CSDs, wie dem in Köthen. In Sachsen-Anhalt sind die Nazis wieder sichtbar. Mutmaßlich waren es Anhänger des rechtsextremen III. Weges, die in den Wochen davor in Köthen Mobil gemacht haben. Auf der Strecke gab es immer wieder queerfeindliche Plakate und Aufkleber, mit denen die Neonazis sagen wollten, wer Ihrer Meinung nach das Sagen hat. Auf dem Köthener Marktplatz wurde vor der Parade Buttersäure verspritzt.

Bunte Party also? Die Teilnehmenden haben es sich am Sonnabend nicht anmerken lassen, dass es Bedrohungen gab. Schon die Vorbereitungen mussten immer unter Polizeischutz stattfinden, die der Umzug wurde von der Polizei begleitet. Dass das alles nötig ist, zeigt, dass eben nicht alles in Ordnung ist, dass es auch heute wieder Leute gibt, die das alles unterdrücken wollen.

Deshalb ist es auch was anderes, am CSD in Berlin teilzunehmen oder eben in Köthen. Dort kamen etwa 400 Leute, was für eine knapp 30.000-Einwohner-Stadt ganz okay ist. Aber gerade dort erfordert es Mut, mitzumachen, dort mitzulaufen, sich eben auch den Nazis zu entgegenzustellen. So ein CSD wie der in Köthen ist sehr viel mehr als eine bunte Party.


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