Oskars Kleid

Ben (Florian David Fitz) kann es nicht fassen. Sein 9-jähriger Sohn Oskar (Laurì) teilt ihm mit, dass sie jetzt mit dem Namen Lilli (Laurì) angesprochen werden will.
Ben ist Polizist, und seine Ehe zu Mira (Marie Burchard) ist zerbrochen. Im die gemeinsamen Kinder Oskar und Erna (Ava Petsch) hat er sich nur wenig gekümmert. Nun aber ist Mira von ihrem neuen Freund hochschwanger, und Ben beschließt, die Kinder zu sich zu holen. Dass Oskar Kleider trägt missfällt ihm, al er das zum ersten Mal sieht – er wusste es bislang nicht. Und nun hat er zwei Töchter.
Das aber zu akzeptieren, fällt ihm unglaublich schwer. Ist das nur eine Phase? Ist da was schief gelaufen? Kann er irgendwie Einfluss nehmen?

„Oskars Kleid“ erzählt einerseits die Geschichte eines 9-jährigen Transmädchens – aber eigentlich geht es eher um den Umgang des Vaters mit dieser für ihn völlig neuen Situation. Er ist komplett überfordert, er leugnet, er hadert, er will beeinflussen.
Dabei stellt sich raus, dass dieser Ben ein durchaus schwieriger Charakter ist. Er hat sich nicht immer unter Kontrolle, er ist nicht wirklich ein Vorbild in Sachen Umgang mit seiner Trans-Tochter.
Aber im Grunde geht es genau darum: Der Film erzählt die Geschichte aus der Vater-Perspektive. Die Gefühlswelt von Lilli wird natürlich ebenfalls thematisiert, da aber mehr am Rande und nicht so tiefgründig. Durchaus zu sehen ist aber, wie sich Lilli von ihrem Vater beeinflussen lässt und Entscheidungen trifft, die zunächst überraschen.
„Oskars Kleid“ bringt erstmals eine solche Story auf die Leinwand. Florian David Fitz hat das Buch dafür geschrieben. Das ist durchaus gelungen. Denn der Film thematisiert sowohl die vielfältigen Probleme und Hindernisse, aber auch die vielen Vorurteile, die aufeinanderprallen und die Ben oftmals ausspricht. Mira ist diejenige, die das besser verinnerlicht hat, sie trägt Lillis Entscheidungen, bildet somit auch den Gegenpol zu Ben.
Experten kritisieren auch den Filmtitel „Oskars Kleid“, weil er den „Deadnamen“ von Lilli verwendet. Dabei ist der Titel logisch, weil der Film ja da ansetzt, wo Ben noch nicht weiß, dass Oskar jetzt Lilli heißt – es geht um seinen Lernprozess, und da würde der Titel „Lillis Kleid“ keinen Sinn machen. Dass Oskar nicht mehr existiert, da muss Ben erst lernen, und das ist eines der großen Hauptthemen dieses sehr sehenswerten Films.

-> Trailer auf Youtube

Oskars Kleid
D 2021, Regie: Hüseyin Tabak
Warner, 102 Minuten, ab 6
8/10


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