Die Jalousien bleiben unten, die Spätis sind geschlossen. Ein Sonntag in Oranienburg. Seit einigen Wochen dürfen die Spätis in der Kreisstadt nicht mehr öffnen. Am letzten Wochenende, als der Reformationstag auf den Sonnabend fiel, waren die Spätis zwei Tage lang dicht.
Das Verbot kam per Post vom Gewerbeamt, und das Stichwort lautet Ladenschlussgesetz. In Oranienburg scheint es jahrelang nicht von Interesse gewesen zu sein. Aus der Stadtverwaltung heißt es dazu, dass bei Kontrollen im September die Sonntagsöffnungen aufgefallen seien.
Was lustig und tragisch zugleich ist: Wie kann denn das vorher nicht aufgefallen sein?
Aber die eigentliche Frage ist: Warum überlässt man es Händlern nicht selbst, ob sie öffnen möchten oder nicht? Ladenschlussgesetze sind von gestern.
Man darf also öffnen, wenn man Benzin verkauft und rein zufällig rund um die Kasse noch andere Waren anbietet. Man darf öffnen, wenn man ein Bäcker ist oder Zeitungen verkauft. Man darf auch öffnen, wenn man neben dem Späti-Kram auch einen Imbiss betreibt. Oder sein Geschäft im Bahnhof hat. Oder wenn man im Laden nur Automaten zu stehen hat. Oder wenn man Blumen verkauft.
Das ist teilweise schlicht willkürlich und heute nicht mehr erklärbar. Es wird Zeit, dass der Bund das Ladenschlussgesetz abschafft. Händler sollen selbst entscheiden können, ob es sich lohnt, sonntags zu öffnen. Insbesondere die ohne großen Mitarbeiteraufwand.
Denn klar ist: Es gibt definitiv den Bedarf, das haben die Oranienburger Spätshops in den vergangenen Jahren bewiesen. Und der fehlende Sonntag wird sich wirtschaftlich auf sie auswirken.
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