Brücke ist an der Havel angekommen

Bauarbeiten in Hennigsdorf entwickelten sich am Wochenende zu einem echten Zuschauer-Spektakel – Verkehrsfreigabe erfolgt im März 2027

MAZ Oberhavel, 2.11.2026

Hennigsdorf.
Hennigsdorf erlebte am Wochenende ein echtes Brückenspektakel, das viele Schaulustige angezogen hat. Die neue Havelbrücke stand dabei im Mittelpunkt. Am Freitagabend war das eine Sache von nur wenigen Minuten. Die neue Brücke hatte nach 22 Uhr den Festplatz neben der Ruppiner Straße verlassen. Gute zwei Jahre hatte das fertige Bauteil dort gelegen. Nachdem die Landesstraße L17 für die Aktion gesperrt worden war, konnte es recht bald auch schon losgehen.
Auf einem großen Transporter gelegen, rollte der 600 Tonnen schwere Stahl-Überbau ganz langsam über die Straße. Etwa 150 Schaulustige hatten sich am Rand der Baustelle eingefunden.
Als nach wenigen Minuten die Brücke auf der anderen Straßenseite angekommen war, ist auch schon der Bauzaun wieder geöffnet worden, damit die Menschen sich das Spektakel vom Straßenrand oder von der alten Brücke aus ansehen konnten. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so fix geht“, sagte der Hennigsdorfer Rainer Ulrich, der mit seiner Familie zur Brücke gekommen war. „Das war faszinierend, sie ist ja immerhin 600 Tonnen schwer.“
„Störungsfrei“ verlief die erste Aktion am Freitagabend aus Sicht von Tonio Mohn, dem Baubevollmächtigten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Oder-Havel (WSA). Weiter sollte es dann erst am nächsten Morgen gehen.
Schon um kurz nach 23 Uhr ist die Ruppiner Straße wieder für den Verkehr freigegeben worden, „auch wenn wir die Schilder noch stehenlassen“, so Tonio Mohn.

Am Sonnabend begann dann gegen 7 Uhr die sukzessive Übergabe der Brücke auf den Ponton, der während des Verschubes immer mehr Gewicht von der Brücke aufnahm und stufenweise gelenzt, also geleert wurde.
Auch diese Arbeiten gingen schnell voran. Bis zum Sonnabendmittag war die neue Havelbrücke in Hennigsdorf schon zur Hälfte über dem Wasser. Stück für Stück wurde das 600 Tonnen schwere Bauwerk über das Wasser geschoben – wieder unter den Augen von zahlreichen Schaulustigen.
„Es geht alles nach Plan“, sagte Wolfgang Neumann vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel (WSA) am Mittag im Gespräch mit der MAZ.
Zwischenzeitlich war die Brücke kurz zur Ruhe gekommen und es gab das Gerücht von technischen Problemen. „Nein, das war eine ganz normale Pause“, sagte dazu Wolfgang Neumann. Die Arbeiter seien stundenlang an der Brücke aktiv, da sei ihnen auch die Pause zu gönnen.

Viele Menschen beobachteten die Bauarbeiten von der alten Havelbrücke aus. „Wir stehen seit einer Viertelstunde hier“, erzählte Sabine Krawehl aus Velten am Sonnabend. „Die Technik und die ganze Technologie finde ich hervorragend“, ergänzte sie mit dem Blick zu den Bauarbeiten.
„Das hier ist total interessant für mich“, so Sabine Krawehl weiter. Denn sie ist eigentlich Hennigsdorferin. „Ich bin groß geworden mit der Brücke.“ Die alte Brücke, auf der die Schaulustigen stehen, ist von 1961/62. Viele von denen, die am Wochenende die Bauarbeiten beobachten, sagen, dass die alte Brücke ihr Leben begleitet habe. „Morgen kommen wir bestimmt noch mal“, sagte Sabine Krawehl am Ende.

Auch Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther (SPD) schaute am Sonnabendmittag vorbei, um den Baufortschritt zu beobachten. „Ich bin nicht verwundert über das große Interesse der Leute“, sagte er.
Auch er zeigte sich sehr beeindruckt von der Technik vor Ort „und was die Arbeiter hier geschaffen haben. Das ist eine Sache, die man nur einmal im Leben erlebt, das ist ein großer Tag für die Stadt.“
Die neue Brücke wird neben der alten gebaut, dort bleibt sie aber nur vorübergehend. Rollt voraussichtlich Ende Februar oder spätestens im März der Verkehr über das neue Bauwerk, dann beginnen die Arbeiten an der alten Brücke. Schließlich wird der neue Überbau an die Stelle des alten gehoben.

Ursprünglich war das anders geplant, so erinnert sich auch Thomas Günther. Anfang 2019 habe es noch geheißen, dass die Ruppiner Straße neun Monate gesperrt werden müsse. „Wenn ich sehe, wie lange sich der Bau verzögert hat – das hätte noch viel länger dauern können.“
In diesem Zusammenhang äußerte sich Udo Buchholz auf Facebook. Er verbinde mit dem aktuellen Brückenbau das Engagement der hiesigen parteiübergreifenden Bürgerinitiative „Brücke“, deren Mitinitiator und Sprecher er war. Damals gab es die Forderung nach einem Ersatzbau neben der alten Brücke, um eine lange Sperrung zu umgehen. „Über 7500 Unterzeichner der Resolution dürfen ein wenig mit stolz sein auf das Ergebnis.“
Wenn die neue Brücke befahrbar ist, dann werde sich für den Hennigsdorfer Verkehr viel verbessern, sagte Bürgermeister Thomas Günther. „Wir hatten für Lkw eine längere Zeit eine Tonnagebegrenzung.“ Über die neue Brücke könne der Verkehr dann wieder laufen, „ohne Begrenzung“.

Als die Brücke über die Ruppiner Straße gerollt wurde, konnte der Bürgermeister übrigens nicht dabei sein. „Ich war privat bei einem Geburtstag.“ Aber ein wenig bereue er es, nicht dabei gewesen zu sein, sagte er mit einem Bedauern in der Stimme.
Am Ende hat die neue Havelbrücke das andere Ufer erreicht, und das viel schneller als ursprünglich geplant. Schon am Sonnabendabend endete der Verschub des Stahl-Oberbaus.
Die Brücke liege jetzt auf den Hilfsstützen, die Pontons seien herausgenommen worden, sagte Tonio Mohn, Baubevollmächtigter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), am Sonntagnachmittag. Nun werde noch eine Peilung der Wasserstraßen vorgenommen, um zu verhindern, dass es im Wasser nach den Bauarbeiten Untiefen geben könnte, hieß es am Sonntag. Die Bilanz des Wochenendes falle sehr gut aus. „Das war schneller als von uns kalkuliert“, sagte Tonio Mohn. Es sei zu keinen Störungen gekommen, auch unter den Schaulustigen habe es keine Zwischenfälle gegeben.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert