MI 28.10.2026 | 1.20 Uhr (Do.) | ZDF
Ein junger Mann spricht auf einer AfD-Demo gegen die AfD – und ist seitdem im Hass-Visier. Er will nun zum Studium auf jeden Fall aus Sachsen-Anhalt wegziehen – ob er wiederkommt, ist unklar.
Ein Mittzwanziger macht sich nur noch wenig Illusionen, dass er eine besondere Zukunft in seinem Ort hat. Die angekündigte Chip-Fabrik kommt nicht, es blieb bei der Straßenzufahrt ins Nichts. Gehen will er trotzdem nicht.
Ein mittfünfziger Landwirt glaubt nicht, dass eine AfD-Regierung im Chaos endet, und er wünscht sich eine Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD.
Andererseits: die Heimat. Das Theater in Bitterfeld, wo damals die Jugendweihe stattfand. Positive Erinnerungen, gerade wenn man eine schöne Kindheit hatte. Ein Realitystar, der in einem kleinen Dorf den Dorfkrug übernommen hat, den Lebensmittelpunkt des Ortes.
Alexander Prinz, auch bekannt als „Der dunkle Parabelritter“, reist in einer 2-teiligen Doku durch Sachsen-Anhalt. Nach der Wahl trifft er Menschen, die mit ihm über ihre Heimat sprechen. Im Guten und weniger Guten. Prinz kommt selbst aus dem Bundesland, und er hadert mit der jetzigen Situation.
Deshalb ist es auch ganz spannend, Für und Wider Sachsen-Anhalts gezeigt zu bekommen. Menschen, die sich wohlfühlen, und auch Menschen, bei denen es brodelt.
„Heimweh – Sachsen-Anhalt mit Alexander Prinz“ ist offenbar vornehmlich für die ZDF-Mediathek produziert worden. Im linearen Programm lief sie in der Nacht zum Donnerstag um 1.20 Uhr.
Ich weiß ja nicht, wen das ZDF erreichen will: Parabelritter-Fans, die sowieso eher im Internet unterwegs sind? Warum möchte man aber nicht auch andere Zielgruppen erreichen, warum läuft diese Doku mitten in der Nacht, wo immerhin um die 200.000 Menschen zugesehen haben?
Vielleicht ist diese Doku kein Primetime-Ding – aber andererseits lief gegen das Fußballspiel im Ersten ein zwei Jahre alter Krimi zur besten Sendezeit. Da hätte dann auch die Doku laufen können – oder wenigstens bei zdf info um 20.15 Uhr.
Immer weniger Leute schauen lineares Fernsehen. Aber dennoch könnte man sich beim ZDF auch auf diese Menschen besinnen – und auch überlegen, welche Programme ihnen denn wichtig sind, welche gesehen werden sollen, welche relevant sind. Wer so eine Doku um 1.20 Uhr versendet, kann sie für nicht besonders relevant halten. Zu sagen, man hoffe ja auf Zuschauer in der Mediathek, ist da wirklich nur eine billige Ausrede. Denn in Wirklichkeit geht es um Quoten und Marktanteile. Die werden eben auch mit einer Krim-Wiederholung höher liegen als mit einer Sachsen-Anhalt-Doku.
-> Die Doku beim ZDF (bis 24. Oktober 2031)
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