Tragik am Musical-Telefon

Als wir neulich in Berlin im Musical waren, saß neben uns eine ältere Dame. Mitten im Stück kramte sie plötzlich ihr Telefon raus und begann Nachrichten zu lesen und zu schreiben. Das dauerte einige Zeit, und obwohl ich nicht mal direkt neben ihr saß, war ich vom Licht des Displays geblendet.

Am Ende der Pause, als wir alle unsere Plätze wieder eingenommen haben, sprach einer von uns die Frau an, und in plauderhaften Gespräch ging es auch um die Handy-Nachrichten. Ich habe nicht mitbekommen, wie sie das begründet hat, weil dann das Stück wieder begann.
Im zweiten Teil jedenfalls begann das Spiel von vorn.

Als das Stück zu Ende war und wir davon ziemlich beseelt waren (weil es so schön war), standen wir noch im Foyer an einem der Tische und unterhielten uns.
Plötzlich fiel uns auf, dass die Frau, die neben uns saß, hinter uns am einem Sofa hockte und bitterlich und laut weinte. Es schien, als mache sie sich Vorwürfe. Es wirkte, als ob ein Angehöriger im Krankenhaus sei, ich hatte da einen Satzfetzen mitbekommen. So, wie sie weinte, machte es aber den Eindruck, als sei schlimmeres passiert, als sei jemand für sie Wichtiges gestorben. Ihre Begleiterin versuchte, sie zu trösten, aber das gelang ihr nicht.
Und schon schämt man sich fast ein bisschen, dass man sich vorher so aufgeregt hatte.


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