Shuttlebusse für den Bahnübergang

Lange Schließzeiten der Schranken am Bahnhof in Borgsdorf: Fußgänger können sich jetzt fahren lassen, allerdings dauert die Fahrt auch gute 15 Minuten

MAZ Oberhavel, 5.10.2026

Borgsdorf.
Als hätte Borgsdorf nicht schon genug damit zu kämpfen, dass die Schranken am Bahnübergang öfter geschlossen als geöffnet sind – jetzt ist auch noch ein Teil der Fußgängerbrücke gesperrt.
Sie verbindet den S-Bahnsteig mit der Bahnhofstraße und der Friedensallee. Doch der Zugang zur Friedensallee, in den Osten des Ortes, ist derzeit gesperrt.
Bedeutet: Pendler, die von der S-Bahn kommen und in die Friedensallee wollen, müssen warten, bis sich die Schranken wieder öffnen. Auch Fußgänger, die den Bahnübergang queren wollen, können nicht mehr auf die Brücke ausweichen. Sie müssen warten, bis alle Züge durch sind.

Und das kann dauern. Kerstin Türk und ihre Mitstreiter von der Bürgerinitiative Bahnübergang Borgsdorf beobachten die Situation jeden Tag. „Morgens kommt es vor, dass Schulkinder nicht rechtzeitig in die Schule kommen, weil sie so lange an der Schranke warten müssen.“
In der Regel schließt sich die Schranke nie, um nur einen Zug durchzulassen. Am Donnerstagmittag lagen die Schließzeiten im Bereich zwischen sechs und 15 Minuten. Mal fahren drei Züge durch, mal vier, manchmal sogar sechs.
„Da haste aber Glück“, ruft ein Autofahrer aus dem Fenster, als sich am Donnerstag nach mehr als zehn Minuten die Schranken öffnen. „Ich stehe hier manchmal eine halbe Stunde.“

Fußgänger, die nicht am Bahnübergang warten wollen, haben zudem die Möglichkeit, sich fahren zu lassen. Zwei Kleinbusse bringen die Passanten vom Fürstenauplatz zur Friedensallee. „Die standen da plötzlich“, sagt Kerstin Türk mit einem Lächeln. Zunächst sei für die Borgsdorfer vollkommen unklar gewesen, wofür die Busse gut sein sollen. „Davon war am Anfang gar nichts bekannt. Jetzt sehe ich sie immer herumstehen.“
Aber wer hat diesen Busshuttle initiiert? „Die Deutsche Bahn“, erklärt ein Bahnsprecher auf Nachfrage der MAZ. Eingerichtet worden sei es auf „Nachfragen der Bürgerinitiative sowie in Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt“.
Hintergrund: „Bei längeren Schließzeiten sollen die Anwohner die Möglichkeit einer alternativen Querung haben“, so der Bahnsprecher weiter. „Bestellt sind die Pendelbusse erst einmal für den ersten Bauabschnitt bis Ende 2026.“
Ursprünglich sollte der Bus durchgehend zur Verfügung stehen, unter der Woche von 4 bis 1.15 Uhr und am Wochenende immer – also zu den Zeiten, in denen auch S-Bahnen fahren.
Inzwischen sind die Bus-Zeiten angepasst worden. Er fährt jetzt nur noch montags bis freitags von 7 bis 9 Uhr und von 19 bis 22.30 Uhr. Sonnabends fährt er von 8 bis 10 Uhr und von 16 bis 18 Uhr. Sonn- und feiertags fährt kein Shuttlebus.

Nun können diese Busse aber natürlich nicht über den Bahnübergang fahren – sie müssen einen Umweg über Birkenwerder nehmen. Fahrtzeit: etwa 15 Minuten. Heißt: Oft ist der Bus länger unterwegs, als die Schranken geschlossen sind. „Und man weiß ja nicht, wie lange die Schranken unten sind“, sagt Kerstin Türk von der Bürgerinitiative. Wie sinnvoll ist also dieser Bus, wenn man ja gar nicht weiß, wie lange die Schranken geschlossen sind? „Einige finden das gut“, sagt Kerstin Türk, „andere sagen aber, dass der ja nichts bringt, weil er so lange fährt.“

In der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung gibt es auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit auch keine klaren Antworten. „Aufgrund mangelnder Datenlage können wir uns zur Sinnhaftigkeit nicht äußern“, erklärte Verwaltungssprecher Daniel Dinse auf MAZ-Nachfrage. Für zusätzliche Kritik sorgt der Standort der Haltestelle in der Friedensallee. Probleme gibt es nämlich immer dann, wenn nach langen Schrankenschließzeiten der Autoverkehr über den Bahnübergang rollt.

„Wenn der Shuttlebus dort an der Haltestelle steht, blockiert er den Verkehr“, merkt Kerstin Türk von der Bürgerinitiative an. Die Autos, die von der Bahnhofstraße kommen, können den Bus nicht überholen, weil sich auf der Gegenseite auch erst mal der Schrankenstau auflösen muss. Das sorgt dann wiederum für einen Rückstau.
Oft dauert es nicht lange, bis das Signal am Bahnübergang wieder auf Rot springt, und dann konnte sich der Stau von der vorherigen Schließung noch nicht auflösen.

Die aktuelle Teilsperrung der Fußgängerbrücke dauert bis nach Weihnachten. 2027 wird dann auf der anderen Brückenseite gebaut – zur stärker frequentierten Bahnhofstraße hin. Dann wird es für die Pendler, die zum Bahnsteig wollen oder von dort kommen, wirklich kritisch.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Shuttlebusse für den Bahnübergang“

  1. Daggi

    Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint! Warum kann die Bahn keine Anzeige anbringen, wie lange der Übergang voraussichtlich noch geschlossen sein wird? Schließlich reden wir hier nicht über ein Naturereignis, sondern über Schranken, die aus dem benachbarten Stellwerk gesteuert werden. Die Position der Züge ist doch bekannt und kann sogar in gewissen Grenzen vorhergesagt werden.

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