Von Hohen Neuendorf kommend fängt die Hauptstadt auf der B96 jetzt scheinbar erst später an – Planung für Radweg soll noch in diesem Jahr beginnen
MAZ Oberhavel, 29.9.2026
Berlin.
Ist Berlin kleiner geworden? Haben sich die Grenzen verschoben? Wer auf der B96 mit dem Auto Hohen Neuendorf verlässt, wird am Ortsausgang sehen, dass das gelbe Berlin-Ortsschild nicht mehr da ist.
Es hat einen neuen Standort gefunden, etwa zwei Kilometer entfernt. Das Ortseingangsschild von Berlin steht jetzt am Beginn der Frohnau-Siedlung am Schwarzkittelweg.
Am ehemaligen Mauerstreifen ist jetzt nur noch eine grüne Ortstafel mit dem Schriftzug „Frohnau“ zu sehen – und Tempo-50-Schilder. Schneller dürfen Verkehrsteilnehmer auf der B96 auch weiterhin nicht durch den Wald fahren.
Laut Frank Preiss, Pressereferent bei der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, gehe es dabei um die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung. Demnach seien die Ortstafeln „ohne Rücksicht auf Gemeindegrenze und Straßenbaulast in der Regel dort anzuordnen, wo ungeachtet einzelner unbebauter Grundstücke die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße für den ortseinwärts Fahrenden erkennbar beginnt.“ Bedeutet: Die gelben Ortsschilder stehen in der Regel nicht an der Gemarkungsgrenze eines Ortes, sondern dort, wo die eigentliche Bebauung beginnt. Im Frohnauer Fall ist das eben nicht hinter der Hohen Neuendorfer Tankstelle, am ehemaligen Mauerstreifen, der Fall, sondern an der Einmündung zum Schwarzkittelweg.
„Historisch bedingt wurde in Berlin die vorgenannte Rechtsgrundlage in der Vergangenheit anders ausgelegt“, erklärt Frank Preiss weiter. „Die Ortstafeln sind traditionell an der Landesgrenze aufgestellt worden.“ Das sei in diesem Fall angepasst worden.
Entlang der Strecke durch den Wald gibt es an der B96 bislang keinen richtigen Radweg – nur einen unbefestigten Weg im Wald parallel zur Straße. Bei Regenwetter ist er aufgeweicht und schlecht befahrbar. Von Hohen Neuendorf kommend ist allerdings sogar ein kleines „Radweg“-Schild befestigt worden. Vor einem Jahr hat die MAZ bereits über eine Initiative von Mitgliedern des ADFC, des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, berichtet. Mitglieder aus Glienicke, Frohnau und Hohen Neuendorf wollen erreichen, dass zwischen der Einmündung Schwarzkittelweg und dem Ortseingang Hohen Neuendorf ein richtiger Radweg gebaut wird. Lange ist die Gruppe daran gescheitert, dass unklar war, wer dafür überhaupt zuständig ist. Inzwischen ist aber bekannt, dass für die etwa 1,9 Kilometer Radweg die Autobahn-GmbH zuständig ist – diese ist in Berlin zuständig für Bundesstraßen außerhalb von Bebauungen. Sie wird auch Planung, Bau und später die Wartung des Radweges übernehmen.
Laut Frank Preiss aus der Berliner Senatsverwaltung will die Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH „voraussichtlich Anfang des vierten Quartals dieses Jahres die Planungsaktivitäten für den betreffenden Radweg an der B96 aufnehmen.“
Aus einer Mitteilung der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung geht hervor, dass für eine rechtssichere Planung allerdings Varianten geprüft werden müssten, in der Regel jedoch die Errichtung von einseitigen, gemeinsamen Rad- und Fußwegen angestrebt werde. Die grundsätzliche Notwendigkeit der Trennung von Auto- und Fahrradverkehr stehe aber schon fest, heißt es weiter.
Zwar sei die B96 im Waldabschnitt recht breit, für Radfahrende sei das aber trotzdem gefährlich. Durch die breite Fahrbahn würden Autofahrende die Fahrräder auch dann überholen, wenn ein anderes Auto entgegenkäme. Dies führe zu gefährlichen Situationen.
„Das ist zu gefährlich“, erklärte Frank Hübschmann vom ADFC in Birkenwerder bei einem Vor-Ort-Termin mit der MAZ, „und gerade die Berufspendler wollen ja die Strecke nutzen. Alle Kommunen haben Radwege angelegt, hier gibt es keinen, das fällt sofort ins Auge.“
Wie lange es vom Planungsbeginn im vierten Quartal dieses Jahr bis zu einer möglichen Fertigstellung des Weges dauert – das ist vollkommen unklar.
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