Zwischen Schönfließ und Bergfelde fährt alle 20 Minuten ein Ersatzverkehr, von dem keiner genau weiß, ob er überhaupt gebraucht wird
MAZ Oberhavel, 17.9.2026
Schönfließ/Bergfelde.
Eine absurde Geschichte: Zwischen dem S-Bahnhof Schönfließ und der Bergfelder Ahornallee fährt alle 20 Minuten ein Shuttlebus. Aber warum eigentlich? Und wer nutzt den?
Dienstagmittag am S-Bahnhof Schönfließ. Am Zugang zum Bahnsteig, da, wo die Treppen nach oben führen, steht ein Schild: „Bushaltestelle“. Von dort aus fährt der Shuttlebus. Eine S-Bahn aus Berlin kommt an, eine Frau mit Hund steigt aus.
Sie läuft die schmale Straße entlang, weg vom Bahnhof – ohne den Shuttle zu nutzen. Der Kleinbus steht ungenutzt vor dem Bahnhof, der Fahrer macht gerade Pause. Frage an den Busfahrer: Wird der Shuttle überhaupt genutzt? „Kaum“, sagt der Mann am Steuer.
Warum der Bus fährt, darüber gab eine Mitteilung der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung Auskunft. Sie zitierte einen Anwohnerbrief der Deutschen Bahn.
Demnach geht es um die Sperrung des Bahnüberganges in der Summter Straße. Diese führt am S-Bahnhof Schönfließ vorbei. Die Sperrung dauert bis zum 8. Februar 2027.
Weiter heißt es in dem Schreiben: „Für Fußgänger wird ein Shuttlebus eingerichtet. Er verkehrt zwischen den Haltestellen Bahnhof Schönfließ, Schönfließ Kirche, S-Bahnhof Bergfelde und Bergfelde Fasanenallee.“
Der Shuttlebus fährt täglich von 6 bis 22 Uhr im Zehn-Minuten-Takt. Laut Fahrplan am Schönfließer Bahnhof ist es allerdings ein 20-Minuten-Takt.
Bedeutet: Der Shuttlebus fährt, weil die Leute, die in der Bergfelder Siedlung an der Fasanenallee wohnen, wegen der Sperrung des Bahnüberganges nicht zum S-Bahnhof Schönfließ kommen. Denn vom Bergfelder Ortsausgang sind es nur wenige hundert Meter zum Bahnhof Schönfließ – allerdings ist der Summter Weg bis zum Bahnübergang nicht befestigt und sehr huckelig.
Eigentlich sollte die Sperrung bereits vor zwei Wochen beginnen, ist dann aber auf den 17. September verschoben worden. Nicht verschoben worden ist hingegen der Shuttlebus, der nun alle 20 Minuten pendelt.
Offenbar sind drei Kleinbusse im Einsatz. Am Dienstagmittag stand ein Bus auf Abruf an der Seite, ein zweiter kam gerade in Schönfließ an – es stieg niemand aus oder ein. Und ein dritter Kleinbus stand an der Fasanenallee in Bergfelde.
Wer hat diesen Busshuttle eigentlich beauftragt? Damit hat sich auch der Hohen Neuendorfer Stadtverordnete Horst Tschaut (parteilos, AfD‑Fraktion) beschäftigt – und kam mit seinen Anfragen nur schleppend voran, wie er am Dienstag in einem Gespräch mit der MAZ berichtete. „Leider können wir nicht behilflich sein“, las er da in einer der E-Mails.
„Der Busverkehr wurde seitens der DB InfraGO bestellt“, erklärte Andreas Friedrich, Sprecher der S-Bahn Berlin. Daniel Dinse, der Sprecher der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung, sagte dazu: „Dieser Vorschlag kam von der Bahn. Die Stadt begrüßt den Busshuttle für den Zeitraum der Schließung durchaus.“
Dennoch: Zwei Wochen lang fuhren die Busse grundlos und so gut wie fahrgastlos zwischen Schönfließ und Bergfelde hin und her.
Aber auch wenn der Bahnübergang gesperrt ist: Wer soll diesen Bus eigentlich nutzen? Und wieso fährt er sowohl den Bahnhof Schönfließ als auch den in Bergfelde an? Können die Anwohner der Siedlung rund um die Fasanenallee nicht einfach den Bahnhof Bergfelde nutzen?
Und wenn schon ein Bus fährt: Würde es nicht reichen, dass er zum Bahnhof Bergfelde fährt?
Nur so viel: Konkrete Antworten darauf gibt es bislang seitens der dazu Angefragten nicht. „Die Notwendigkeit wird aktuell überprüft“, erklärte Andreas Friedrich von der S-Bahn Berlin.
Die damit verbundene Frage, wie viele Leute überhaupt im Bergfelder Wohngebiet wohnen und von dort aus den Bahnhof Schönfließ nutzen, blieb ohne konkrete Antwort. „Das kann leider nicht ohne Weiteres beziffert werden“, schrieb dazu Stadtsprecher Daniel Dinse. Ansonsten verweist er auf den Vorhabenträger, der jedoch auch keine genaue Auskunft geben kann.
„Ein Shuttleverkehr, der nicht genutzt wird, ist sinnlos“, sagte Horst Tschaut. Die Anwohner der Paulstraße nahe des Bahnhofes in Bergfelde seien zudem genervt, weil durch den Shuttle nun noch mehr Busverkehr in der Straße herrsche.
Am Dienstagmittag setzte sich unterdessen der nächste Kleinbus am Bahnhof Schönfließ in Bewegung. Wieder leer.
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