Staatsschutz

Ein Unfall. Und lauter Zufälle. Kein wirklicher Fall für den Staatsschutz.
Wirklich?
Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan) ist mit ihrem Fahrrad unterwegs. Als sie durch einen dunklen Tunnel fährt, wird sie von einem anderen radler geschnitten. Sie stürzt, und kurz danach wird ein Brandsatz von der Brücke geworfen. Die Frau wird verletzt.
Ein Anschlag? Ein rassistischer Anschlag? Vieles spricht dafür.
Dennoch: Täter unbekannt, Motiv auch. Offiziell jedenfalls. Die Ermittlungen sind sehr schleppend. Eigentlich darf sie nicht eingreifen, aber Seyo beginnt selbst zu recherchieren. Dabei stößt sie nicht nur auf mögliche Täter, sondern auch auf eine ganze Anschlagsserie – mit derselben Tätergruppe?

Wie frei ermitteln deutsche Behörden? Wie sehr sind Ermittlungsbehörden bereits schon von rechtsextremen Kreisen vereinnahmt? Wie sehr nehmen sie Einfluss? Diese Fragen stellt der Thriller „Staatsschutz“ von Faraz Shariat.
Er bleibt voll und ganz bei der Perspektive der jungen Staatsanwältin. Die Frage, ob es irgendwie rechtmäßig ist, dass sie Gesetze bricht, um ihren eigenen Fall lösen zu können, die muss sich der Zuschauer stellen.
Zu sehen ist aber auch, wie Behörden versagen, wie Akteure wegsehen, wegschieben, leugnen. Seyo sucht Opfer anderer Verbrechen auf, überredet sie, vor Gericht auszusagen.
Natürlich hat der Film eine Botschaft – die, sich gegen rechtsextreme Tendenzen zu stellen, dass es möglich ist, sich durchzusetzen, dass es aber auch schwer ist, bestimmte Gruppen auseinander zu nehmen.
Angesichts tatsächlicher Fälle, die verschleppt werden, nicht weiterermittelt werden, angesichts von verschleppten Verfahren und Diskussionen, wirft der Film, ohne es speziell zu thematisieren, die Frage auf, ob in Deutschland nicht schon viel mehr im Argen liegen könnte, als wir meinen.
„Staatsschutz“ ist spannend, fesselnd, aber auch sehr niederschmetternd und nachdenklich machend. Vielleicht ist deshalb die Schlusssequenz des Films sehr außergewöhnlich, sie ist aber auch stark, sie ist eine regelrechte Ansage.

-> Trailer auf Youtube

Staatsschutz
D 2025, Regie: Faraz Shariat
Plaion Pictures, 113 Minuten, ab 12
8/10


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