Die B96 war und ist für mich immer schon auch Heimat. Bis vor etwa 20 Jahren führte sie direkt durch Oranienburg. Wenn wir zu DDR-Zeiten hoch auf die Insel Rügen fuhren, dann folgten wir mehr als 200 Kilometer der B96 – beziehungsweise in der DDR der F96. Sie führte durch Fürstenberg, Neustrelitz, Neubrandenburg, Greifswald, Stralsund über den Rügendamm. Bei Bergen bogen wir auf die B196/F196 ab, um weiter bis Baabe zu fahren.
Aber der Weg wandelte sich n den 2000ern. Oranienburg bekam eine Ortsumfahrung, auch Neustrelitz und Greifswald. Dann wurde auch die A20 gebaut, erst bis Prenzlau, später konnten wir bis zum Abzweig Stralsund fahren. Düsen wir heute nach Rügen geht es in der Regel über Wandlitz, die A11, die A20 und die neue B96 auf die Insel.
Ab und zu habe ich aber Lust auf Entschleunigung, auf der Landstraße fährt man eine gute Stunde länger als auf der Autobahn. Man spart aber Benzin, weil der Weg kürzer ist und nicht 150 km/h fährt.
Als ich neulich von Rügen kam, natürlich über die Rügenfähre von Glewitz nach Stahlbrode, machte ich einen Zwischenstopp in Greifswald, um dort noch einen Freund zu treffen.
Obwohl wir früher oft durch Greifswald fuhren, kannte ich von der Hansestadt nur die Hafengegend. Zum ersten Mal spazierte ich durch die Altstadt, die ganz hübsch ist, aber auch geprägt von seltsam unterschiedlichen Bauten, auf rund um den Marktplatz nicht immer zusammenpassen zu scheinen.
Danach musste ich mich entscheiden: A20 oder die alte B96-Strecke. Einige Zeit lang fährt man sowieso auf der altem Strecke, die längst zur Landesstraße degradiert wurde, zur L35. Bei Gützkow hätte ich auf die Autobahn abbiegen können, aber ich blieb auf der L35.
Es war an diesem Montag nicht viel Verkehr, es waren am frühen Nachmittag wenige Autos unterwegs, alles war entspannt. Auf der Fahrt auf der immer noch relativ breiten Strecke erinnerte ich mich an die langen Fahrten zur und von der Ostsee. Es war immer aufregend, weil ich mich gefreut habe, zur Ostsee zu kommen. Ich war schon immer daran interessiert, durch welche Orte wir kommen. Ich wusste, dass die größeren Städte, die wir durchfahren immer Wegmarken auf dem Weg waren. Als ich 1997 das erste Mal selbst mit dem Auto nach Rügen fuhr, brachte ich keinen Atlas, ich kannte die Strecke in- und auswendig.
Während der Fahrt sieht man es nicht, aber zwischen Greifswald und Klempenow führen L35 und A20 fast parallel ihre Fahrbahnen.
Wie damals die B96, führt die L35 direkt nach Neubrandenburg rein. Die Stadt fand ich als kindischer Mitfahrer immer spannend, weil Neubrandenburg einen vierspurigen Innenstadtring hat, den man nur im Uhrzeigersinn befahren kann.
Am südlichen Ende der Stadt trifft man dann auf die B96, die von dort nun in Richtung A20 führt und im Osten der Stadt unterbrochen wird.
Nördlich von Neustrelitz musste ich die B96 verlassen, um auf der ursprünglichen Strecke zu bleiben. Heute führt die B96 um die Stadt rum, früher führte sie mittendurch.
Am Marktplatz habe ich allerdings eine falsche Ausfahrt genommen und mich ein wenig in der Stadt verfahren. Ich fand dann aber die Strelitzer Chaussee. Sie scheint ein bisschen schmaler zu sein als früher.
Ich fuhr an den alten Mehrfamilienhäusern vorbei, auf der zu DDR-Zeiten dutzende riesige Hausantennen standen, damit auch in Neustrelitz noch das Berliner Fernsehsignal mit den Westsendern empfangen werden konnten. Heute ist das Dach leer und alle vermutlich verkabelt.
Am südlichen Ende von Neustrelitz traf ich wieder auf die B96, und dann ging es weiter rein nach Brandenburg und Oberhavel.
Da ich mehrere Stopps eingelegt habe, war ich lange unterwegs. Aber ich hatte keinen Zeitdruck, war entspannt und habe Benzin gespart.
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