Bauarbeiten ab September am S-Bahnhof in Borgsdorf – Bürgerinitiative befürchtet Chaos, weil dann die Pendler über den oft lange geschlossenen Bahnübergang zum Bahnsteig müssen
MAZ Oberhavel, 13.8.2026
Borgsdorf.
Die Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Borgsdorf muss saniert werden. Das bestätigte die Deutsche Bahn auf Nachfrage der MAZ. Für Pendler, die in Borgsdorf die S-Bahn nutzen, bedeutet das: Es könnte längere Wartezeiten geben, denn steht die Überführung nicht zur Verfügung, müssen alle Fußgänger über den Bahnübergang.
Entsprechend groß sind die Ängste und Befürchtungen bei der Bürgerinitiative Bahnübergang Borgsdorf. „Wir machen uns Sorgen darüber, ob die Menschen pünktlich und sicher ankommen“, sagte Kerstin Türck von der Initiative. Denn der Bahnübergang ist bekannt dafür, dass er schon mal länger geschlossen bleibt.
Was aber ist überhaupt und warum geplant? „Am Bahnhof Borgsdorf wurden an der Brücke bauliche Mängel festgestellt“, erklärte ein Bahnsprecher auf Anfrage der MAZ.
Für die Instandsetzung der Brücke seien mehrere Baumaßnahmen vorgesehen. Dazu gehören die Erneuerung des Korrosionsschutzes sowie die Erneuerung der Betonfertigteile bei den Brückenplatten und den Treppenstufen.
Die Arbeiten erfolgen nach Angaben der Deutschen Bahn voraussichtlich von Ende des dritten Quartals 2026 – also wohl ab Anfang September – bis voraussichtlich Ende des zweiten Quartals 2027, also bis Juni des kommenden Jahres.
Geplant seien die Arbeiten in drei aufeinanderfolgenden Bauabschnitten. Der Bauabschnitt 1 erfolge in drei getrennten Bauphasen. Die Sperrung des östlichen Treppenzugangs (Richtung Friedensallee) sowie des östlichen Brückenteils erfolge im Zeitraum von voraussichtlich Ende des dritten Quartals bis circa Ende des vierten Quartals.
Ein Vierteljahr also ist der östliche Zugang voraussichtlich gesperrt. Die Nutzung der westlichen Treppe, der mittleren Treppe sowie des ebenerdigen Zugangs sei aber weiterhin gestattet. Pendler aus Richtung Friedensallee müssen über den Bahnübergang auf den Bahnsteig.
„Zusätzliche Einschränkungen des Zugverkehrs werden, soweit dies derzeit absehbar ist, nicht eintreten“, erklärt der Bahnsprecher. „Wir verwenden vorhandene Sperrungen der Fernverkehrsgleise für die Korrosionsschutzarbeiten oberhalb der Oberleitungen sowie Nachtsperrpausen zur Durchführung der Auf- und Abbauarbeiten der Gerüste.“
Im Bauabschnitt 2 – wohl ab April 2027 – ist die Nutzung der Brücke gar nicht möglich, da die mittlere Treppe instandgesetzt wird. Die gesamte Fußgängerbrücke ist dann gesperrt. Reisende und Pendler müssen den ebenerdigen Zugang über den Bahnübergang nutzen.
Im dritten Bauabschnitt werden der westliche Treppenzugang (Richtung Bahnhofstraße) und das westliche Brückenteil gesperrt. Stattdessen muss auch dort der ebenerdige Zugang über den Bahnübergang genutzt werden. „Die Gerüste werden so gestellt, dass mindestens der ebenerdige und barrierefreie Zugang über den Bahnübergang immer geöffnet bleibt und der Zugang zum Bahnsteig immer gewährleistet ist“, erklärt der Bahnsprecher.
In der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung sind die angekündigten Bauarbeiten seit Ende März bekannt. „Am 30. März wurden durch die DB InfraGO AG umfassende Instandsetzungsmaßnahmen der Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Borgsdorf per E-Mail vorangekündigt“, teilte Verwaltungssprecher Daniel Dinse mit.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative ärgern sich vor allem auch über die Informationspolitik der Deutschen Bahn – bislang habe es keine Infos für die betroffenen Menschen in Borgsdorf gegeben, sagte Kerstin Türck. Alles, was sie über die Sperrungen an der Fußgängerbrücke wissen, kam bislang aus der Stadtverwaltung.
Wenn die Fußgänger alle über den Bahnübergang müssen, könnte es eng werden. Nicht nur wegen der oft langen Schließzeiten. Auch, weil der Weg zum Bahnsteig sehr schmal ist. „Wenn Leute mit Rollatoren unterwegs sind, dann ist ein Gegenverkehr auf diesem Weg kaum möglich“, sagt Dietmar Tusk von der Bürgerinitiative.
„Und wir haben Sorge, dass bei einer langen Schrankenschließzeit gedrängelt wird.“ Das Problem: Rennen Menschen zwischen der geschlossenen Schranke vom oder zum Bahnsteig über den Bahnübergang, dann reagiert ein Sensor innerhalb des Schrankenbereiches. Dann könne es passieren, dass die Schranken geschlossen bleiben, weil eine Störung gemeldet wird.
Was sind in diesem Zusammenhang die Erwartungen der Stadtverwaltung an die Bahn? „Im Rahmen der Ausführungsplanung für die geplanten baulichen Maßnahmen sind die Einschränkungen während der Bauzeit, gegebenenfalls in Verbindung mit zusätzlichen Maßnahmen zur Reisenden-Lenkung, vertretbar zu gewährleisten“, erklärte Sprecher Daniel Dinse.
„Dabei sind die konkreten örtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das Reisenden- und übrige Verkehrsaufkommen und die Verkehrsabläufe am Bahnübergang, zu berücksichtigen“, so der Sprecher weiter.
In der Verwaltung scheint leichte Skepsis zu herrschen, was die Organisation des Bauablaufs bei der Bahn angeht: „Die Stadt hofft, dass, entgegen der bisherigen Erfahrungen mit der DBInfraGo, es sich hierbei um eine durchgeplante Maßnahme handelt und dieses nicht in einem organisatorischen und zeitlichen Chaos endet“, so Daniel Dinse.
Die Bahn selbst hat sich zum zu erwartenden Fußgängerverkehr im Bereich des Bahnübergangs und zu möglichen Befürchtungen eines Chaos in dem Bereich, nicht geäußert. Entsprechende Fragen der MAZ blieben vom Bahnsprecher unbeantwortet.
„Wir haben die Bahn um einen Notfallplan gebeten“, sagt Kerstin Türck. „Es gibt schon jetzt ständig Störungen am Bahnübergang. Was passiert dann, wenn die Fußgängerbrücke nicht mehr zur Verfügung steht?“
Weiter sagt sie: „Wir stellen nicht die Notwendigkeit der Baumaßnahme infrage, aber wir wollen bessere Infos von der Bahn haben, und alles muss besser abgestimmt sein.“ Es besteht seitens der BI der Wunsch nach einer Infoveranstaltung der Bahn.
Für Kritik sorgt auch die lange Bauzeit. „Dass etwas gemacht werden muss, sehen wir ein“, sagt Sabine Tusk. Die Borgsdorferin ist auch Mitglied in der Bürgerinitiative Bahnübergang. „Sanierung ist Sanierung, aber müssen das neun Monate sein?“
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