Hohen Neuendorferin sammelt für das große „S“

Gerade für Ortsfremde ist der neue Kulturbahnhof kaum als S-Bahnhof erkennbar – Beschilderung fehlt – Aktion im Internet gestartet

MAZ Oberhavel, 30.7.2026

Hohen Neuendorf.
Der Bahnhof Hohen Neuendorf stand in den vergangenen Wochen in der Stadt durchaus im Mittelpunkt. Anfang Juli ist der sogenannte Kulturbahnhof eröffnet worden.
Nachdem die Stadt das Bahnhofsgebäude erworben hatte, erfolgte ein Umbau. Nun befindet sich in dem Gebäude durchaus prominent die Bäckerei Plentz, außerdem die Bibliothek, und weitere Räume können von Vereinen genutzt werden.

Vor allem aber fahren dort S-Bahnen. Ohne die S-Bahnen wäre dieser Bahnhof kein Bahnhof. Wer allerdings vor dem Gebäude steht, hat nicht zwingend den Eindruck, dass es sich bei diesem Gebäude um einen Bahnhof handelt.
Diese Erfahrung hat auch die Hohen Neuendorfer Apothekerin Jutta Makowski gemacht. „Es ist schon vorgekommen, dass ein Herr bei uns im Laden stand und gefragt hat, wie man denn zur S-Bahn kommt“, erinnert sie sich.

Wer auf der Brücke, auf der anderen Straßenseite, steht, sieht unten die S-Bahn am Bahnsteig stehen, aber man muss schon genau hinschauen, um zu sehen, wie man denn zu den Gleisen kommt. Gerade Ortsfremden gehe das oft so, sagt Jutta Makowski. Daniel Dinse, der Sprecher der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung, sagte dazu am Dienstag auf MAZ-Nachfrage: „An einer Tür des historischen Eingangs zum Bahnhofsgebäude befindet sich übrigens bereits das S-Symbol der Berliner S-Bahn.“
In der Tat ist das so, aber von weitem betrachtet, wirkt dieser Hinweis unscheinbar. Es fehlt ein Hinweisschild – oft wird darauf hingewiesen, wo es „zu den Gleisen“ geht. Und es fehlt das oft verwendete grüne und runde „S“-Schild der S-Bahn, wie es beispielsweise im Nachbarort Birkenwerder groß am Bahnhof zu sehen ist.

Jutta Makowski möchte das ändern. Sie sammelt derzeit Geld für die Anschaffung eines solchen „S“-Schildes. „Es sieht nicht mehr aus wie ein Bahnhof“, findet sie. „Dass unten die Gleise durchführen, muss man als Ortsfremder schon wissen.“ Früher habe es im Bereich der Brücke so ein „S“ gegeben. Sie findet es schade, dass sich die Stadt für solche Hinweise nicht verantwortlich fühlt. „Die Stadt hat so viel Geld für den Kulturbahnhof ausgegeben, da kommt es auf einen Tausender für so ein Schild auch nicht mehr an.“ Auch wundert sie sich, dass die Bahn sich um solche Beschilderungen nicht kümmere.
Die Hohen Neuendorferin habe wegen so eines „S”-Schildes im Internet recherchiert. Das Blechschild könnte einen Durchmesser von 1,20 Meter haben. „Für 600 Euro müsste man schon was kriegen.“
Zudem habe sie sich in der Stadtverwaltung erkundigt, ob die Befestigung eines solchen Schildes überhaupt erlaubt sei. Wäre das von vornherein ausgeschlossen worden, hätte sie die Aktion nicht gestartet, sagte sie. Die Sammlung läuft nun im Internet.

„Das Engagement ist aus Sicht der Verwaltung natürlich zu begrüßen“, sagte dessen Sprecher Daniel Dinse. Er geht davon aus, dass sich die Initiatorin der Spendensammlung wieder bei der Stadtverwaltung melde, wenn es darum gehe, was mit dem „S“-Schild konkret geschehe, falls genug Geld zusammenkomme.
„Das Anbringen einer Beschilderung im öffentlichen Raum oder an Eigentum der Stadt ist selbstverständlich nicht ohne Weiteres rechtlich möglich“, erklärte er außerdem. Ähnlich wie Jutta Makowski äußert sich auch Daniel Dinse: „Die Verwaltung versteht nicht, warum die Deutsche Bahn, beziehungsweise die S-Bahn nicht selbst ein solches Schild in Absprache mit der Verwaltung anbringt.“ Die Resonanz bei der Spendensammlung wird zeigen, ob der S-Bahnhof auch bald wieder sichtbarer ein S-Bahnhof sein wird.

„Ich finde es aber richtig gut, dass der Bahnhof zum Kulturbahnhof geworden ist“, stellt Jutta Makowski überdies klar. „Ich bin ihm gegenüber positiv eingestellt“, so die 56-Jährige, die seit 22 Jahren in der Stadt lebt, weiter. Sie singt im Chor, der auch einen der dortigen Räume nutzen wird.

Mehr zur Spendenaktion unter: www.gofundme.com/f/wir-sammeln-fur-ein-groes-sbahnschild.


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