Mahlzeit B96: Die Soljanka Ossi-Art darf nicht fehlen

Neue Serie: Viele Reisende stoppen am Gasthaus „Zu den drei Linden“ in Löwenberg – hier gibt es Hirschbraten, Schnitzel, Würzfleisch und vieles mehr – Wirt profitiert von der Bundesstraße

MAZ Oberhavel, 30.7.2026

Löwenberg.
Die B96 gehörte schon zu DDR-Zeiten zu den bekanntesten Fernverkehrsstraßen, damals noch als F96 bekannt. Wer auf der Strecke unterwegs war, konnte von Oranienburg aus nach Norden bis nach Sassnitz auf Rügen fahren.
Gerade um Oranienburg herum ist die Streckenführung inzwischen anders. Aber von Glienicke bis Birkenwerder und von Oranienburg bis Fürstenberg ist die B96 immer noch eine der wichtigsten Strecken auf dem Weg nach Norden.
Wer lange unterwegs ist, muss sich stärken – in der Serie „Mahlzeit B96 – gestärkt auf dem Weg zur Ostsee“ werden wir die Orte vorstellen, wo Sie schnell etwas am Imbiss essen oder auch richtig einkehren können.

Zum Beispiel in der Gaststätte „Zu den drei Linden“ an der B96 in Löwenberg, Berliner Straße 18.
Seit Anfang 1989 wird sie von Karl-Heinz Lehmann betrieben. Der 64-Jährige weiß aber, dass es an dieser Stelle schon sehr viele Gaststättenbetriebe gab. „Bis in die 1870er hinein“, sagt er. Erste Fotos zeigen das Haus im Jahre 1890. „Seitdem gab es mehrfach Besitzerwechsel.“

Die Gaststätte in Löwenberg liege nicht nur an der B96, sie sei auch ihr Haupternährer, wie der Gastwirt betont. „Vielleicht ist es saisonal unterschiedlich, aber 90 Prozent des Umsatzes haben mit der Straße zu tun, gerade jetzt in der Urlaubszeit.“ Jetzt, in der Feriensaison, sei das sehr zu merken, wenn dort die Autos aus den Urlaubsregionen oder die, die dort hinwollen, vorbeikommen. „Wir haben ausreichend Parkplätze vor der Tür.“
„Die Leute gucken, ob sie Zeit haben. Wenn auf der Autobahn Stau ist, dann weichen sie auf die B96 aus. Andere sagen, sie fahren immer auf der B96 und nie über die Autobahn. Sie wissen dann, wir haben geöffnet.“
Viele Neubrandenburger, die nach Berlin und zurück pendeln, würden einen Zwischentopp in der Löwenberger Gaststätte einlegen. Der Wirt profitiert vor allem dann, wenn auf anderen Strecken Stau ist und mehr Leute über die B96 fahren.
Aber auch eine andere Reisesparte sei immer wichtiger. „Es ist für Fahrradtouristen leichter geworden.“ Der Verkehr in Richtung Lindow und Rheinsberg nehme von Jahr zu Jahr zu. „Deshalb haben wir auch viele Radfahrergruppen bei uns, die melden sich auch oft an.“
Klar ist: Vom Dorf allein könnte die Gaststätte nicht leben, auch wenn es durchaus ein Stammpublikum gebe. Künftige Ortsumfahrungen seien zwar gut für Autofahrer, „aber die Innenstädte verändern sich“, sagt Karl-Heinz Lehmann.

„Zu den drei Linden“ bietet eine deutsche Küche mit mediterranen Einflüssen. „Überwiegend regional“, sagt der Löwenberger Gastwirt. Gerade die Berliner suchen nach Lokalen mit deutscher Küche. Ein Blick in die Karte: Da fällt gleich mal die Sonjanka „Ossi-Art“ auf. „Das gehört zu den bestimmten Speisen, die man noch aus DDR-Zeiten kennt“, erzählt der Gastwirt. Dafür gebe es immer noch eine große Nachfrage. Auch das Würzfleisch bei den Vorspeisen gehört dazu. „Das kann ich nicht runternehmen.“ Andererseits steht aber auch das Jägerschnitzel auf der Karte, in dem Fall nicht nach DDR-Art, sondern in der Schweineschnitzel-Variante mit Rahmchampignonsoße.
Bei den Hauptspeisen steht außerdem zum Beispiel ein Märkischer Hirschbraten mit Apfelrotkohl und Preiselbeeren mit Kartoffeln oder Klößen auf der Karte. Oder ein Wildschlemmertopf mit Gulasch. Das Schnitzel Löwenberger Art wird paniert und mit Tomaten und Mozzarella überbacken. Dazu gibt es Pommes und Salat. Wiener und Hamburger Schnitzel gibt es aber auch. Ebenfalls zu bekommen: ein Märkischer Rindersauerbraten, hausgemachte Sülze oder Kotelett mit Letscho.
Im Fischbereich bietet die Gaststätte Speisen mit Zander, Lachs, Heringen oder Schollen an.

Die Liste ist recht umfangreich. „Durchreisende halten oft an wegen der Küche, dann wollen sie eine schöne Roulade oder so was“, sagt Karl-Heinz Lehmann. Nicht immer könnten alle Wünsche erfüllt werden. Das Bauernfrühstück gebe es beispielsweise nicht immer.
Welche Speisen sind am beliebtesten? Dazu gehöre im Frühjahr der Spargel. „Oder der Rindersauerbraten oder die Geflügelleber.“ Er sei bemüht, die Speisen unter 20 Euro zu halten. Nicht immer sei das möglich.

Es ist viel Platz in der Gaststätte, bis zu 180 Leute können dort in drei Gasträumen bewirtet werden. Sie ist täglich von 11.30 bis 21 Uhr geöffnet, um 20 Uhr ist Küchenschluss.

Neben dem normalen Speisebetrieb bietet Karl-Heinz Lehmann aber auch Caterings an. Im Laufe des Tages gibt es zudem selbstgebackenen Kuchen und eine größere Eiskarte.

Ein paar Jahre wolle er auf jeden Fall noch weitermachen, wie es dann weitergeht, sei offen. Karl-Heinz Lehmann weiß, dass unter anderem seine Kinder das Geschäft nicht übernehmen werden.

Und wo sind an der Gaststätte „Zu den drei Linden“ eigentlich die drei Linden? Der Gastwirt lächelt bei dieser Frage. „Die ganze Straße war früher voll mit Linden.“ Auf alten Bildern sind dementsprechend auch die drei Linden vor dem Lokal noch zu sehen.


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