Torsten Sotta betreibt in Ludwigsaue die Braumanufaktur Kremmen – 5000 bis 7000 Liter in verschiedenen Sorten entstehen dort jedes Jahr
MAZ Oberhavel, 23.7.2026
Ludwigsaue.
Torsten Sotta trinkt gern Bier. Er trinkt es aber nicht nur gern, er braut es auch selbst. Der 62-Jährige betreibt in Ludwigsaue die kleinste Brauerei der Brandenburger Bierstraße: die Braumanufaktur Kremmen. Gegründet hat er die Brauerei im Dorf im Jahre 2024. „Ich habe mir einen Bierwagen gekauft und umgebaut“, erzählt Torsten Sotta, der auch Sotti genannt wird. Durch den Wagen hatte er den mobilen Verkauf für sich entdeckt.
Die Brauerei ist umgeben vom Hopfengarten in Ludwigsaue. Der heißt nicht nur einfach so, tatsächlich wächst der Hopfen dort auch. „Ich habe Pflanzen gekauft, eingepflanzt und dann gewartet, was passiert. Und es hat gleich funktioniert.“ 21 Hopfenpflanzen in verschiedenen Sorten sind dort zu finden. Fünf bis sechs Biersorten werden im Kremmener Ortsteil Ludwigaue gebraut. Ganz oben auf der Liste steht das „Kremmener Hell“. Das „Kremmener Glückspils“ ist ein naturtrübes Bier. Hinzu kommen ein New England IPA sowie verschiedene Saisonbiere.
„Das Helle kommt am meisten an“, sagt er. „Das ist unglaublich beliebt.“ Dahinter komme das IPA.
Im Supermarkt kann man das Kremmener Bier allerdings nicht kaufen. „Vor allem der Hopfengarten selbst steht im Mittelpunkt, wir feiern hier gelegentlich kleine Feste.“ Zur Landpartie im Juni war der Hof voller Menschen. Im ganzen Dorf standen geparkte Autos. „Dann kommen die Leute her und interessieren sich dafür.“
Eigentlich stammt Torsten Sotta aus Brandenburg an der Havel. „Da bin ich groß geworden.“ Zwischenzeitlich lebte er aber in Hessen, arbeitete dort als Lehrer. Aber ihn zog es zurück nach Brandenburg.
„Dass ich hier gelandet bin, ist aber reiner Zufall“, erinnert er sich. Er kaufte die alte Schule in Ludwigsaue. „Ich wohne hier und lebe hier. Das hier ist mein Lebensmittelpunkt.“ Torsten Sotta arbeitet außerdem als Lehrer am Oberstufenzentrum in Neuruppin.
Auf dem Gelände habe das Gras hochgestanden. „Der Baustand des Hauses war aus den 80er-Jahren. Ich habe meine Arme hochgekrempelt und losgelegt.“ Gute drei Jahre lang dauerte der Umbau. „Ich bin in der Zeit von Raum zu Raum gezogen.“ Als das Haus fertig war, suchte er nach einer neuen Aufgabe. Hinter dem Haus befindet sich ein kleines, etwas tiefer gelegenes Nebengebäude. „Ich habe ewig überlegt.“ Und dann stand fest: „Ich mache eine Brauerei daraus.“
Er hat sich mit dem Thema befasst, sich Brauereien angesehen, hat mitgebraut und sich dann eine Brauanlage gekauft. So begann seine Beschäftigung als Hobbybrauer. 2018 ging es los. „Man kann sich viel anlesen und sich vor allem auch mit anderen Menschen vernetzen. Man lernt viele Leute kennen, die ähnlich ticken.“
Mit einem Partner aus Zehdenick hatte er ein Gewerbe angemeldet: die Ziegel-Braumanufaktur Zehdenick. Das Ziegler-Bier war ein Hit. Torsten Sotta braute es, sein Geschäftspartner kümmerte sich vor allem um das Marketing und den Vertrieb.
Am Ende ist das Zehdenicker Bierprojekt dennoch gescheitert, und 2024 kam die Neugründung, dieses Mal im Kremmener Ortsteil Ludwigsaue. „Was ich vorher in Groß gemacht habe, mache ich nun in Klein.“ Mit dem neuen Bierwagen war er auf dem Altstadtfest in Brandenburg an der Havel und hat das erste Mal die neuen Biersorten verkauft und sich auch die Hopfenpflanzen zugelegt. 2025 kaufte er sich eine neue Brauanlage. 5000 bis 7000 Liter Bier pro Jahr kann er damit brauen, erzählt er. „Aber wir wollen 2027 aufstocken“, sagt Torsten Sotta mit einem Schmunzeln.
In dem kleinen Nebengebäude lässt sich beobachten, wie die Anlage arbeitet. Besuchern der Landpartie oder anderen Veranstaltungen auf dem Hof, erklärt der Braumeister gern, wie das Bier genau entsteht. „Es dauert eine Woche, bis die Hauptgärung durch ist, und nach sechs Wochen wird Bier draus.“
Das sei kein rein maschineller Prozess, „ich steuere das per Hand“. Auch bei der Abfüllung selbst gehe jede Flasche durch seine Hände.
Der Geschmack seiner Produkte ist ihm wichtig. „Wenn ich auf dem Wagen stehe, dann will ich, dass die Leute es mögen.“ Er bekomme die direkte Reaktion zu spüren, und die Menschen würden auch sehen, wo das Bier herkomme. Dass es das Bier auch nicht in Kremmener Supermärkten zu kaufen gibt, liege daran, dass einige Auflagen nicht geleistet werden könnten. Dem Erfolg des Bieres tut das aber keinen Abbruch. „Wir machen sonst keine Werbung“, sagt Torsten Sotta. Im November 2025 war sein Auftragsbuch für 2026 schon ziemlich voll.
Gemeinsam mit Zehdenicks Pfarrer Andreas Domke macht er die Reihe „Bibel, Blues und Bier“. Alle sechs Wochen gibt es Bibelauszüge, Zehdenicker Geschichten, Musik und Bier.
„Ich bin mit der Qualität, die ich jetzt liefere, ganz zufrieden“, sagt er. Die Resonanz der Kunden sei ebenfalls sehr gut. Demnächst gebe es wieder den hellen Bock, der bei den Menschen in der Bockbierzeit besonders beliebt sei. „Da wollen wir nächstes Jahr mehr machen.“
Gemeinsam mit seiner Partnerin Nina, die auch die Hopfenkönigin ist, ziehe er das durch. „Es ist viel Arbeit, aber es ist eine schöne Arbeit.“
Am 1. August ist er beim Bieryoga in Rauschendorf, er kommt Mitte August zum Brückenfest nach Zehdenick, bei den Erntefesten in Kremmen und Dollgow und auf dem Weihnachtsmarkt in Zehdenick ist er ebenfalls zugegen.
Der einzige feste Standort, wo es das Kremmener Bier gibt: Die Turmlounge in Zehdenick wird von Torsten Sotta beliefert.
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