Moma-WM-Arena: Ikkimel

MO 06.07.2026 | 8.20 Uhr | ZDF

„Fußballmänner, alles Penner. Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker. Lattenkracher, Mertesacker. Tiki-Taka in ’nem Tanga.“

Diese lyrische Perle deutscher Liedkunst, eine Mischung aus Rap und Techno, sorgte am Montagmorgen im ZDF für Aufsehen.
Das heißt, nein, so ganz stimmt das nicht. Am Montagmorgen sorgte das noch nicht für Aufsehen – erst danach.

Die 29-Jährige Ikkimel war am Montag zu Gast in der „Moma WM-Arena“ im ZDF. Sie performante dort ihren zwei Jahre alten Song „Fußballmänner“. Genaugenommen performte sie ihn sogar zweimal innerhalb von einer halben Stunde. Einmal vor den 8.30-Uhr-Nachrichten, und noch einmal um kurz vor 9 zum Sendungsende. Warum sie das ZDF nicht zwei verschiedene Songs hat singen lassen, bleibt ein Rätsel.

In „Fußballmänner“ teilt sie ordentlich gegen Männer aus, sie singt über eine Frau, die selbstbewusst durchs Leben geht, gegen Männer austeilt, sie aber auch ein bisschen geil findet.
Ein feministischer Song, durchaus lustig, und damit kommt sie gerade bei jungen Leuten sehr gut an.

Für Belustigung sorgt allerdings vor allem, dass Ikkimel in der Show wie ein Fremdkörper wirkt. Knapp bekleidet, voller Selbstbewusstsein, steht sie da auf der Bühne. Um sie herum sitzt das Live-Publikum. Einige schauen gespant hin, andere haben leere Blicke, einige runzeln die Stirn. Die Kamera fängt echt witzige Publkumsreaktionen ein. Beim zweiten Auftritt mit dem selben Lied wundern sie sich aber vielleicht auch eher drüber, dass sie dassebe nochmal singt.

Interessant sind die Reaktionen danach. Sie reichen von der Belustigung über das Publikum über den Umstand, dass das ZDF Ikkimel ins Morgenmagazin einlädt bis hin zur Künstlerin selbst, die Lob und Hass erntet.
Teilweise gerät man hier aber auch gleich in einen Kulturkampf.

Rein musikalisch betrachtet, finde ich das Lied ziemlich furchtbar. Worauf mir nun bestimmte Leute das Wort „Boomer“ zurufen werden oder „Frauenhasser“.
Dabei sage ich ja nur, dass ich das Lied in seiner Machart mies finde. Und vielleicht ging es dem Publikum ähnlich.
Man kann inhaltlich etwas gut finden, aber eben die Verpackung nicht. Musik ist immer Geschmackssache. Zumal sie ein Playback hatte und zwischendurch lachen musste, weil se das Ganze selbst wohl ein bisschen seltsam fand – oder: cringe. Aber auch wenn man Songs schlecht findet, kann man es grrundsätzlich gut finden, dass es Künstlerinnen wie Ikkimel gibt.

Und im Grunde zeigt die Überraschung über den Ikkimel-Auftritt im ZDF ja noch was ganz anderes: Ein Großteil der Menschen, gerade der älteren, kennt sie nicht. Das liegt vor allem daran, dass im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen Musik abseits des Schlagers oder des Radiopops nicht mehr vorkommt. Es gibt keine Fernsehbühne mehr für den deutschen Musiknachwuchs in seiner ganzen Bandbreite.
Insofern war der Rahmen des Auftritts merkwürdig, aber dass er überhaupt stattfand, dann doch eine gute Sache.

-> Die Sendung beim ZDF


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