Angela Seifert (78) aus Oranienburg bekommt einen nächtlichen Anruf von der angeblichen Polizei – die Seniorin wird stutzig, aber die Fremden wenden eine perfide Masche an
MAZ Oberhavel, 12.6.2026
Oranienburg.
Es ist 23.15 Uhr am Abend, als der Telefonterror beginnt. Angela Seifert bekommt in ihrem Haus in Oranienburg-Süd einen Anruf auf das Festnetz-Telefon. Ihr Mann liegt da schon im Bett. Am späten Abend versuchen Betrüger, sie abzuzocken.
Immer wieder warnt die Polizei vor betrügerischen Anrufen. Dabei wenden sie die verschiedensten Methoden an. Mit einer dieser Maschen haben sie es bei der 78-jährigen Oranienburgerin, die lange als Erzieherin im Kindergarten gearbeitet hat, versucht.
„Ein Mann stellte sich als Hauptkommissar vor“, erinnert sie sich an das spätabendliche Telefonat. Angeblich rufe der Mann von der Polizeiwache Brandenburg an. „Er gab sogar eine Dienstnummer an, er hat das alles ganz offiziell dargestellt.“
Der angebliche Polizist wollte von ihr wissen, ob sie etwas vom Einbruch in der Nachbarstraße mitbekommen habe. Die Beamten seien da gerade im Einsatz.
„Dann fragte er mich, ob ich noch ein Handy habe“, erinnert sich Angela Seifert weiter. „Ich könnte mit dem Handy in der Dienststelle anrufen, da würde sich dann eine Wachtmeisterin melden.“ Sie bekam eine Handynummer.
Die Rentnerin ist dann aber gar nicht mehr dazu gekommen, die angebliche Wachtmeisterin anzurufen, denn da klingelte das Handy bereits. „Der Mann am Festnetz-Telefon sagte dann, dass da jetzt seine Kollegin anrufen würde, und ich habe mich gefragt, woher die eigentlich meine Handynummer hatten.“
Sie ist dann auch ans Handy gegangen. „Da war jemand dran, der mir bestätigen sollte, dass es ihn gibt.“ Angeblich auch von der Polizei, wenn auch keine Wachmeisterin. Beide Männer sprachen ein akzentfreies Deutsch, erinnert sich Angela Seifert.
Der Mann am Festnetz-Telefon bat sie unterdessen immer wieder, in der Leitung zu bleiben, bloß nicht auflegen! „Wir müssen gemeinsam in Kontakt bleiben.“
Das eigentliche Anliegen der angeblichen Polizei: Es gebe eine Liste, wo der Name und die Adresse des nächsten Einbruchs draufstünden. „Er meinte, gegen Mitternacht würde bei mir der nächste Einbruch stattfinden.“ Deshalb müssten die Wertgegenstände gesichert werden.
Da sei sie endgültig stutzig geworden, sagt sie. Sie antwortete dem Mann am Telefon: „Na, wenn Sie wissen, dass um Mitternacht ein Einbruch stattfindet, können Sie doch kommen und es verhindern.“
Parallel versuchte sie, die echte Polizei anzurufen. Aber auf ihrem Handy war das nicht möglich, denn die Betrüger blockierten das Handy immer wieder, indem sie dort immer wieder anriefen. Wollte Angela Seifert, die Nummer der Polizei eingeben, wurde durch den Anruf alles blockiert.
Die Lösung: das Handy ihres Mannes. „Mein Mann benutzt sein Handy nur selten“, sagt die Oranienburgerin. Mit diesem Handy rief sie die echte Polizei an. Als sie sie in der Leitung hatte, legte sie das Telefon neben das andere, damit der echte Beamte in der Leitung mithören konnte. „Die haben das Gespräch aufgenommen.“
Als sie das Gespräch mit dem Betrüger auf dem Festnetz-Apparat schließlich beendet hatte, machte sie mit dem echten Polizisten ein Codewort aus. Das nannte er dann auch, als er zurückrief.
Unterdessen hatte die Polizei herausgefunden, dass es keinen Einbruch in der Gegend gegeben hatte. „Der Beamte hat sehr beruhigend auf mich eingesprochen.“ Später kam noch ein Streifenwagen vorbei, mit Blaulicht.
Es seien Ermittlungen aufgenommen worden, aber vor einigen Tagen kam Post von der Staatsanwaltschaft mit der Einstellung des Verfahrens, da die Täter offenbar nicht mehr aufzufinden seien.
Von der Polizei gibt es für Angela Seifert großes Lob. „Hier hat sich jemand richtig verhalten“, sagte Dörte Röhrs, die Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord. „Wir raten dazu, immer stutzig zu sein, wenn jemand ans Eigentum will.“
Sie weist darauf hin, dass die Polizei nie von sich aus komme, um Wertgegenstände zu sichern. Auch rufe die Polizei nicht irgendwelche Leute an, um sie einfach so zu warnen. „Wir würden stattdessen verstärkt Streife fahren.“
Stattdessen solle man bei solchen Anrufen am besten nebenher über eine zweite Handyverbindung die echte Polizei verständigen. Oder einfach auflegen und dann die Polizei anrufen.
„Am besten immer die Notrufnummer 110“, sagt Dörte Röhrs. Man solle da auch keine Scheu haben. „Wir merken immer wieder, dass die Leute sich nicht trauen, sich mit solchen Fällen an die 110 zu wenden, aber genau dafür ist die 110 auch da.“
Im Nachhinein sei es wichtig, über diese Erlebnisse und Fälle zu reden, anderen davon zu erzählen. Nicht ohne Grund veröffentliche auch die Polizei immer wieder entsprechende Meldungen, um die Menschen vor solchen Fake-Anrufen zu warnen und um zu erklären, wie sich jeder in solchen Momenten verhalten solle.
Auch Angela Seifert rät dazu, immer die echte Polizei anzurufen, auch wenn am Telefon behauptet werde, man spreche ja schon mit der Polizei. „Man sollte auch niemals sagen, wie viele Telefone man im Haus hat und ob man Wertgegenstände hat.“
Oft suchen sich potenzielle Betrüger die Telefonnummern ihrer möglichen Opfer aus dem Telefonbuch. Immer wieder ist aber auch von Datenlecks und Datendiebstahl im Internet die Rede.
Laut des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ sind 2025 rund 16 Milliarden Zugangsdaten von großen Anbietern wie Apple, Google, Facebook und weiteren von einer Sicherheitslücke betroffen gewesen. In anderen Fällen sorgen sogenannte Phishing-Mails – also Mails, die seriös aussehen, aber von Betrügern erstellt worden sind – dafür, dass Nutzer ihre Daten weitergegeben haben.
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