Dabei wollten wir doch nur was essen!

Neulich wollten wir nach einem Ausflug abends noch was essen gehen. Das war schwieriger als gedacht.

Am Ende einer Wohngebietsstraße in Berlin-Prenzlauer Berg waren wir letztes Jahr nach unserem Ausflug auch schon Essen – allerdings war das da noch ein Kroate, gerade neu bewirtschaftet. Mehrere junge Männer rockten das Ding, und wir waren ganz zufrieden.
Aber es scheint nicht funktioniert zu haben, denn der Kroate ist Geschichte. Jetzt ist dort eine Art Italiener mit mediteranem Zusatz, oder so ähnlich.

Draußen gab es ein paar Tische, wir setzten uns an einen. Der Kellner wuselte immer wieder rein und raus, und bald brachte er uns die Speisekarten.
Ich war ein bisschen enttäuscht. Erstens weil die Speisekarte nicht sehr umfangreich, zweitens nicht sehr einfallsreich und drittens relativ teuer war.
Allerdings mussten wir uns darüber gar keine weiteren Gedanken machen – denn der Kellner kam nicht mehr.

Zwischendrin kam eine größere Gruppe von Leuten, aber wir hatten eigentlich das Gefühl, dass, weil wir ja schon da waren, dass wir dann noch fix vorher drankommen. Falsch gedacht. Wir kamen weder fix ran, noch kamen wir überhaupt ran. Auch winken half nichts, wenn doch mal jemand rauskam. Wir waren abgemeldet. Und gingen nach etwas mehr als einer halben Stunde.

Das war auch deshalb ärgerlich, weil wir uns ja drauf gefreut haben und wir auch wirklich Hunger hatten. Wir schauten auf dem Smartphone, wo wir uns denn stattdessen einfinden könnten.
Es gab einen Italiener unweit von uns, an der Grenze zu Friedrichshain. Wobei da bei zweien von uns eine Erinnerung mitschwang, dass sie sich schon mal was haben liefern lassen, und es war nicht gut. Weil Zutaten vergessen worden waren.
Aber wir hatten irgendwie mangels echter Alternativen keine andere Wahl – also liefern wir dort hin.

Im Außenbereich war es voll, und auch drinnen war der Laden gut gefüllt. Es war laut, und wir standen ein bisschen rum. Dann wurde uns aber ein Tisch zugewiesen. Wir saßen also schon mal.
Ich ließ den Blick schweifen. Die Tische vor dem Barbereich waren alle leer. Aber auch zugemüllt. Auf den Tischen lag irgendwelcher Kram, als ob da Kinder gespielt haben und alles zurückließen. Und Gläser und was auch immer.
Kellner liefen wie aufgescheuchte Hühner umher, trugen volle Teller aus der Küche, aber auch in die Küche. Scheinbar wusste keiner so richtig, wo alles hin sollte. Immer wieder kamen Gäste in Richtung Bar und Kasse und fingen mit Kellnern Diskussionen an. Wir hörten Satzfetzen, irgendein Essen kam zu spät oder kam nicht, oder irgendwas mit der Rechnung, wenn denn eine Rechnung kam.

Am Tisch neben uns saß ein Pärchen, das offenbar auch schon sehr lange auf das Essen wartete.
Unser Tisch selbst war etwas fleckig. Als uns die Speisekarten gereicht wurden, waren die etwas… nun ja. Ich hatte das Gefühl, dass ein paar Handschuhe nicht schlecht wären. Abgegriffen, leicht klebrig. Wirklich unschön.
Noch hätten wir gehen können.
Auch weil dann erst mal wieder keiner kam, um eine Bestellung aufzunehmen. Und nebenan am Tisch passierte auch nichts.
Dafür ging das Gewusel im Barbereich weiter.

Zwischendurch lief ein junger Mann in Latzhose umher. Vielleicht war er eine Hilfskraft. Aber nur dazu da, Geschirr abzuräumen und sie auf einen der Tische vor der Bar zu stapeln. Und Gläser. Der ganze Tisch war voll vom Küchenmüll, der nicht in die Küche gebracht wurde.
Irgendwann, nachdem wir auf uns aufmerksam gemacht haben, kam doch mal jemand, um die Bestellungen aufzunehmen.

Es wurde an der Kasse immer mal wieder laut, weil sich Kunden über irgendwas beschwerten.
Es war ein bisschen schockierend, zu beobachten, wie beschissen der Laden organisiert war. Das Personal lief scheinbar orientierungslos wie ein aufgescheuchter Haufen hin und her oder stand irgendwo rum.
Die Leute neben uns bekamen dann ihr Essen, aber kein Besteck. Und keine Servietten.

Um es abzukürzen: Irgendwann wurde der Laden leerer. Denn nebenan, im Velodrom, begann ein Konzert, wohin viele wollten. Damit waren die Leute im Laden scheinbar überfordert. Was aber an den Betreibern selbst liegt – sie sollten wissen, wann im Velodrom was stattfindet und sich entsprechend drauf einrichten. Wenn aber keiner einen Plan hat, kann das nix werden. Und an Personalmangel kann es nicht liegen, es waren sehr viele Kellner da…

Wir bekamen dann auch unser Essen. Es war allenfalls okay, komplett ohne Pfiff und ohne Liebe, für ein italienisches Lokal erstaunlich inspirationslos. Geschmacklich war das höchstens Durchschnitt.
Bei der Bezahlung versuchte der Kellner eine Entschuldigung, und wir erklärten ihm relativ nüchtern, was uns an diesem Abend dort aufgefallen ist. Er erklärte es mit der Überlastung, aber nein, daran lag es nicht. Aber wir vermuteten, dass er nicht verstanden hat, was wir ihm da gesagt haben.

Somit war das kulinarisch ein sehr ernüchternder Abend. Auf dem Rückweg mussten wir am anderen Lokal vorbei, und der Chef stand vor der Tür und fragte uns, ob wir reinkommen wollen. Das fanden wir dann doch ein bisschen lustig, und ich gebe zu, dass wir ihn ein bisschen ausgelacht haben.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert