Druckfrisch

SO 26.04.2026 | 23.35 Uhr | Das Erste

Da liegt ein Zettel, und auf Französisch steht darauf: „Ceci n’est pas une Poubelle“. Übersetzt: „Dies ist kein Mülleimer.“

Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich am Sonntagabend in seiner Sendung „Druckfrisch“ im Ersten nicht zu dem vermeintlichen Skandal geäußert, der ihn da in den vergangenen Wochen überrollt hat.
Das heißt, eigentlich hat er sich doch geäußert. Aber anders als von vielen erwartet.

Was war passiert? Teil der Sendung ist die Kommentierung der Spiegel-Bestsellerlist, immer abwechselnd die Belletristik und Sachbücher. Dazu steht Scheck neben einer Art Mülltonne. Was er für gut befindet, legt er auf die Ablage. Was er schlecht findet, schmeißt er auf ein Rollband, und das Buch landet in einer Kiste. Wird weggeschmissen.
In einer der Sendungen bezeichnete er Ildikó von Kürthys Bestseller „Alt genug“ als „Geschnatter aus der Damentoilette“ und feuerte das Ding weg. Als sich die Autorin dazu mindestens verwundert äußerte, war der Wirbel groß. Diverse Frauen forderten Schecks Absetzung. Insbesondere ging es darum, dass er Frauen-Literatur abwerte. Um Sexismus, hieß es.
Wobei man wohl auch sagen muss, dass das „Geschnatter aus der Damentoilette“ wohl direkt aus dem Buch selbst stammte.
Ildikó von Kürthy selbst erklärte später noch mal, dass sie explizit noch Schecks Absetzung wolle. Ganz anders Elke Heidenreich, sie tobte.

Was wäre wohl los, wenn Marcel Reich-Ranicki noch leben würde? Seine Buchkritik war oft noch sehr viel schärfer und härter als das, was Scheck macht.
Und grundsätzlich: War Scheck sexistisch? Oder fand er schlecht das Buch schlecht? Wohl eher letzteres.

Schecks Antwort am Sonntag: Seine Sendung drehte sich ausschließlich um Autorinnen und ihre aktuellen Werke. In Interviews und Kritiken, interessiert und wohlwollend. Keine Spur von Sexismus.
Und dann noch der Hinweis, dieser Zettel in der Tonne, die da wohl eher eine Art Kiste war. Fast schon ein Augenzwinkern. Ansonsten blieb Scheck völlig unbeeindruckt.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 26. April 2028)


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