Süßsaure Eier, Gulasch, Eintöpfe und mehr – Gaststätte „Zur goldenen Kugel“ in Fürstenberg
MAZ Oberhavel, 16.4.2026
Fürstenberg.
Es ist vermutlich in Oberhavel der am nördlichsten gelegene Mittagstisch – aber auch die Location selbst ist sehr besonders. Denn wer mittags dort zum Essen kommt, sitzt in einer Gaststätte mit einer weit mehr als 100-jährigen Geschichte.
Erst zum Jahresbeginn hat Andrea Johlige die Gaststätte „Zur goldenen Kugel“ in der Fürstenberger Bahnhofstraße 14 übernommen. „Den Mittagstisch gab es hier vorher auch schon“, erzählt sie. „Neu ist aber der Suppentag am Freitag.“
Der Mittagstisch ist montags bis freitags im Angebot, immer ab etwa 11.30 Uhr geht es los. „Wir bieten jeden Tag ein anderes Gericht, natürlich frisch gekocht“, erzählt die Wirtin. „Wir orientieren uns an den Klassikern der alten DDR-Hausmannskost.“ Auf der Liste stehen etwa 25 bis 30 verschiedene Gerichte, die im Laufe der Wochen immer mal wieder auf dem Plan stehen. Bärbel Kratzert ist die Köchin im Haus. Es gibt das, was Bärbel gern kocht. Die lacht und nickt. „Das war meine Bedingung“, erzählt sie über ihren Job in der Küche.
Am Tag des MAZ-Besuchs in Fürstenberg gab es süßsaure Eier mit Kartoffeln. Auf jedem Teller lagen drei hartgekochte – aber nicht zu harte – Eier, dazu eine sehr schmackhafte Soße mit Kartoffeln. Da war der Teller schnell leer und der Kunde zufrieden. Im Laufe der Tage standen auch Kassler mit Sauerkraut, gefüllte Paprikaschoten mit Reis oder Kartoffeln oder ein Kohlrüben-Fleisch-Eintopf auf dem Plan. Am Montag, 13. April, gab es Bratwurst oder Lungenwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln.
„Wenn wir Lungenwurst anbieten, dann gibt es noch eine Alternative, weil nicht jeder Lungenwurst mag“, erzählt Andrea Johlige. Am Dienstag, 14. April, stand ein Kotelett mit Mischgemüse und Kartoffeln auf dem Plan. Gulasch mit Nudeln gab es am Mittwoch, 15. April.
Auch die „Tote Oma“ darf in Fürstenberg nicht fehlen. Am Donnerstag, 16. April, gibt es Topfwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln. Die Woche endet am Freitag, 17. April, mit einem Grüne-Bohnen-Eintopf mit Fleisch. „Im Winter machen wir auch mal Eisbein oder Rouladen“, sagt die Wirtin. „Da arbeiten wir aber auf Vorbestellung.“
Die Preise sind niedrig. Suppen kosten 4,90 Euro, die anderen Speisen liegen bei 5,90 Euro oder 6,90 Euro. „Den Mittagstisch soll sich jeder leisten können, das ist die Philosophie der Kneipe“, sagt Andrea Johlige. „Das ist sehr bewusst so gemacht.“
Sie findet: „Kneipen sind auch eine soziale Begegnungsstätte.“ Gerade Menschen mit wenig Geld seien oft von der Teilhabe ausgeschlossen. Das wolle sie verhindern. „Deshalb setzen wir hier ganz bewusst auf niedrige Preise.“ Sie würden trotzdem finanziell klarkommen, versichert sie.
Gerade kommt Petra Menzel aus Fürstenberg in die Kneipe. „Ich komme vielleicht zweimal pro Woche“, sagt sie über den Mittagstisch. „Sonst gibt es ja hier auch nicht so viel. Man kann hier gut essen.“
Anfang des Monats macht Andrea Johlige den Essensplan. Am Mittwoch veröffentlicht sie den Plan für die darauffolgende Woche. Vor Ort hat sie Flyer mit dem Plan, aber es gibt ihn auch auf Facebook. „Wir haben auch einen WhatsApp-Channel“, so Andrea Johlige weiter.
Vor allem ältere Leute würden den Mittagstisch in Fürstenberg nutzen. Einige würden regelmäßig kommen. Andere holen das Essen einfach nur ab. „Ein paar Firmen bestellen für ihre Mitarbeiter.“
Geöffnet ist die Kneipe „Zur goldenen Kugel“ montags bis freitags von 10 bis 14 und ab 17 Uhr, sonnabends ab 10 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr. Zum Abend hin gilt die Open-End-Regel. „Zweimal bin ich erst morgens 5 Uhr im Bett gewesen“, erzählt Andrea Johlige, die bis 2024 Landtagsabgeordnete bei den Linken war. Besonders am Wochenende haben offenbar die Jugendlichen die Kneipe für sich entdeckt. „Das ist noch neu, das hat sich so ergeben. Da waren wir selber ein bisschen überrascht.“
Wie lange es die Gaststätte in der Fürstenberger Bahnhofstraße schon gibt, ist nicht bekannt. Nachweislich 1910 sind dort aber schon Gäste bedient worden. Der Volksmund in der Stadt spreche aber davon, dass es sie schon im 19. Jahrhundert gegeben habe.
Heute arbeiten in der Gaststätte vier Leute. „Bei den Preisen ist der Personaleinsatz nicht so groß“, erklärt Andrea Johlige. Im Sommer kommen aber noch Aushilfskräfte dazu, denn ab 1. Mai ist auch der Sommergarten geöffnet.
Die Biergarten-Eröffnung beginnt am 1. Mai um 10 Uhr. Dann sollen auch Arbeiterlieder gesungen werden. Ab 15 Uhr steht Irish Folk auf dem Plan.
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