Regierungswechsel in Brandenburg könnte eine neue Perspektive für die Heidekrautbahn in Zühlsdorf, Wensickendorf und Schmachtenhagen bedeuten
MAZ Nordbrandenburg, 8.4.2026
Oberhavel.
Seit mehr als einem Vierteljahr fährt nun schon keine Bahn mehr zwischen Wensickendorf und Schmachtenhagen. Ebenso lange fahren am Wochenende keine Züge mehr von Basdorf nach Zühlsdorf, Wensickendorf und Schmachtenhagen. Unter der Woche ist der Verkehr stark ausgedünnt.
Als der Protest um die Kürzung des Angebots auf der Strecke so richtig laut wurde, da war auch die CDU in Oberhavel ganz vorne mit bei. Bei einer Protestkundgebung an der Schmachtenhagener Caravanserei am 1. November 2025 war es die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Walter-Mundt, die sagte: „Mehr Schildbürgertum gibt es doch nicht.“ Es müsse darum gehen, die Strecke zu erweitern, statt zu kürzen.
Nun hat es in Brandenburg einen Regierungswechsel gegeben, und die CDU ist Teil der neuen Regierung. Hat es die CDU nun in der Hand, bei der Heidekrautbahn zwischen Basdorf und Schmachtenhagen neue Akzente zu setzen?
Der Koalitionsvertrag bleibt sehr allgemein, die RB27 wird dort nicht erwähnt. Die MAZ hat Nicole Walter-Mundt gefragt, wie es mit dem Thema weitergehen könnte.
„Mein Engagement für die Heidekrautbahn hat sich durch die Regierungsverantwortung nicht verändert“, sagt sie. „Die RB27 bleibt für mich ein wichtiges Infrastrukturthema für die Region und den Norden Brandenburgs. Im Koalitionsvertrag sind aber bewusst keine einzelnen Strecken und Verbindungen festgeschrieben.“
Allerdings: „Die Themen rund um die RB27 und die Kürzungen waren selbstverständlich Teil der Gespräche im Rahmen der Koalitionsverhandlungen, auch wenn sie nicht explizit im Koalitionsvertrag aufgeführt sind.“
Die Sachlage habe sich, so die Landtagsabgeordnete, insofern verändert, „dass wir jetzt die Möglichkeit haben, offene und strittige Fragen gemeinsam innerhalb der Regierung zu klären. Dazu gehören insbesondere der Umgang mit den Kürzungen der Vorgängerregierung, die Einbindung der laufenden Reaktivierungsuntersuchung Schmachtenhagen–Oranienburg (Fichtengrund) sowie die Perspektiven für den nördlichen Streckenast.“
Der Ortsbeirat in Wensickendorf hat derzeit keine weiteren Aktionen geplant. Das sagte Ortsvorsteher Daniel Langhoff (FDP) am Donnerstag. „Der Haushalt 2026 ist beschlossen worden, von daher wäre das vertane Kraft“, erklärte er. Aber es müsse jetzt darum gehen, sich mit der neuen Landesregierung dafür einzusetzen, dass es wieder eine Priorisierung der Strecke gebe.
Auch habe der Petitionsausschuss sich noch nicht mit der Bahnstrecke befasst. Im Herbst sind viele Unterschriften gesammelt und in Potsdam übergeben worden.
Besonders die Senioren würden den Zug nun vermissen. Sie hatten im Bahnhofsrestaurant in Zühlsdorf ihre Weihnachtsfeier und konnten mit dem Zug dorthin fahren. „Für die Älteren ist das ein wichtiges Verkehrsmittel.“ Zudem räumt Daniel Langhoff ein, dass ihm die völlige Einstellung des Bahnverkehrs zwischen Basdorf und Wensickendorf am Wochenende so nicht bewusst gewesen sei.
Oranienburgs Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder (SPD) hofft, „dass der Takt der Regionalbahnlinie 27 perspektivisch wieder verdichtet und somit auch am Wochenende erneut bis Schmachtenhagen fahren kann, ein entsprechendes Schreiben an den Infrastrukturminister ist in Vorbereitung.“
Die Bahnlinie werde gebraucht. „Die Kürzung der Taktfrequenz ist sowohl für die Menschen, die in Wensickendorf und Schmachtenhagen leben, als auch für die Caravanserei als touristisches Ziel sehr unbefriedigend. Deshalb werde ich den Infrastrukturminister, auch vor dem Hintergrund der mittlerweile eröffneten Caravanserei, bitten, die Entscheidung zu überprüfen, den Bedarf noch einmal zu evaluieren und das Standortpotenzial dabei zu berücksichtigen.“
Etwas anders sieht das offenbar Filippo Smaldino (SPD), der Bürgermeister des Mühlenbecker Landes. Der Haltepunkt Zühlsdorf liegt in seinem Ortsbereich. „Ich bin Realist“, sagte er im Gespräch mit der MAZ. Da die Linie nur sehr wenig genutzt worden sei, habe es etwa 50 Euro pro Fahrgast gekostet, die Fahrten auf der Strecke zu bezahlen.
„Irgendwie müssen wir alle gucken, wo wir die Prioritäten setzen“, so der Bürgermeister. „Wir haben nur das eine Geld zu verteilen.“ Das heiße nicht, dass er die Bahn nicht wolle, aber das Nutzungsverhalten und die Kosten würden sich widersprechen. „Da kann ich mich den Argumenten, den Zahlen und Kosten nicht verschließen.“
Skepsis herrscht auch bei Landrat Alexander Tönnies (SPD). „Die geringen Fahrgastzahlen auf dem nunmehr stillgelegten Abschnitt der Heidekrautbahn und gleichzeitig begrenzte finanzielle Mittel waren zuletzt der Grund dafür, dass das Land Brandenburg das Angebot einschränken musste“, erklärte er auf Nachfrage der MAZ.
„Natürlich begrüßt der Landkreis jeden Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs auf der Schiene, allerdings muss sich der ÖPNV am Nutzerverhalten orientieren. Eine Strecke kann in den Randzeiten und an den Wochenenden nur betrieben werden, wenn Fahrgäste sie in nennenswertem Umfang auch nutzen“, so der Landrat weiter.
Nicole Walter-Mundt will sich weiter für die RB27 einsetzen. „Für mich ist klar: Die bisherigen Investitionen – etwa in die Wasserstofftechnik, die Infrastruktur und neue touristische Angebote vor Ort – zeigen, dass hier Potenzial vorhanden ist.“
Sie wolle sich weiter dafür einsetzen, „gemeinsam mit dem Verkehrsministerium, der Niederbarnimer Eisenbahn und der Region tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dazu gehört auch, die bestehenden Entscheidungen zu den Kürzungen noch einmal kritisch zu überprüfen und Perspektiven für eine Stärkung der Verbindung auszuloten.“
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