50-mal „Kremmen Magazin“ und Gemeindebrief – Andrea Busse und Matthias Dill im Gespräch
Gemeindebrief Evangelische Kirchengemeinde Kremmen, 25.3.2026
Sie halten die 50. Ausgabe des Gemeinschaftsheftes von Stadt und Kirche in den Händen. Aus diesem Anlass traf sich der freie Journalist Robert Tiesler mit den Blattmachern Andrea Busse vom „Kremmen Magazin“ und Matthias Dill, der den Gemeindebrief zusammenstellt.
Wie läuft es denn so?
Andrea Busse: Es hat sich gut etabliert. Wenn ich so an die Anfänge denke, war das ja noch ein bisschen holprig. Ich habe immer alles schön in „Word“ gesetzt. Das war megaaufwendig. Jetzt kann ich das mit einem anderen Programm machen, was es mir deutlich einfacher macht. Wovor ich nie gefeit bin, sind Druckfehler. Es ist immer sehr schön, wenn man sich sehr sicher ist, und dann kommt das Heft aus der Druckerei, und ich schlage die erste Seite auf, und dann: Nein! (lacht)
Matthias Dill: Es gibt eigentlich sehr wenig negative Kommentare. Am Anfang gab es ein wenig Diskussionen wegen des Zusammenspiels…
Ja, ich kann mich erinnern, dass der inzwischen verstorbene Stadtverordnete Reiner Tietz damals ein bisschen dagegengesprochen hat. Ganz unrecht hatte er ja nicht, wenn er daran erinnerte, dass Kirche und Staat getrennt bleiben sollten. Was war damals das Argument dafür?
Dill: Wir haben es ja damals angefragt, ob wir eine solche Zusammenarbeit eingehen wollen, und die Stadt hat Ja gesagt.
Busse: Kooperative Vereinbarungen und Zusammenschlüsse sind auch durchaus erlaubt und erwünscht. Wir haben das durchweg positiv gesehen und es als Win-Win-Situation begriffen. Wir hätten dieses Magazin als Stadt niemals allein stemmen können. Sechs Hefte im Jahr, die auch an jeden Haushalt ausgereicht werden. Wir wären eigentlich dumm gewesen, wenn wir das nicht getan hätten.
Dill: Und es ist ja getrennt. Die Druckerei, die rufen manchmal an und sagen: Das ist das „Wendeheft“.
Redaktionell ist das auch getrennt?
Dill: Komplett.
Busse: Wir sprechen uns auch überhaupt nicht ab. Man merkt auch, wenn die Leute sich melden, wie sie das Heft lesen. Wenn sie sagen: „Ja, im Gemeindebrief…“, dann merkt man, wo sie anfangen, zu lesen.
Gibt es eine Seitenbegrenzung?
Dill: Das 49. Heft hatte 80 Seiten, und mehr macht die Druckerei nicht. Das war das Maximum.
Ein paar Zahlen: Wie viele Hefte werden gedruckt? Wie viele Austräger gibt es? Was kostet ein Heft in der Herstellung?
Dill: 5000 Hefte werden von 60 Austrägern in die Briefkästen gebracht. Übrigens ist ja Wall bei uns auch mit drin, es gehört zu unserer Kirchengemeinde. Deshalb geht das Heft auch dorthin. Die reinen Druckkosten für das letzte Heft lagen bei 2300 Euro. Die Stadt zahlt den eigenen Anzahl, je nach Seitenanzahl.
Wer darf denn alles im „Kremmen Magazin“ schreiben?
Busse: Wir kriegen viele Artikel zugeliefert, sehr regelmäßig von der Feuerwehr, dem Seniorenbeirat, von den Jugendclubs, das ist unterschiedlich. Manche Artikel müssen wir ein wenig umstellen. Auch ganz normale Bürger, die was Interessantes haben. Aber alles, was journalistisch wird, das weisen wir ab, weil es ist ja eher ein Image-Magazin der Stadt ist. Ich bin keine Journalistin. Es geht eher darum, vor allem ein paar Verwaltungsthemen aus der Stadt darzustellen. Alles, was in der Tageszeitung oder anderen Medien keinen Platz findet, diese Nische versuchen wir abzudecken.
Es gibt ja immer mal den Vorwurf, das Magazin sei auch Selbstdarstellung für den Bürgermeister.
Busse: Sicherlich stellt er das, was er geschaffen hat, auch ein bisschen heraus. Aber welche Plattform hätte er denn sonst? Natürlich kann er das auch auf Social Media machen, aber das ist ja nicht seine alleinige Leistung in der Verwaltung, wenn zum Beispiel was gebaut wurde. Aber er ist der Vorsteher der Verwaltung, er steht ganz vorne, warum soll er sich dann nicht hinstellen und zeigen, wir haben hier wieder eine Straße gebaut – oder was auch immer.
Und der Gemeindebrief profitiert auch, oder? Immerhin kommt er jetzt in jeden Haushalt.
Dill: Genau. Ob die das lesen, weiß ich aber nicht. Wir haben es inhaltlich einfacher, wir haben viele Veranstaltungen, die wir ankündigen, oder wir berichten über vergangene. Und was alles in der Gemeinde passiert.
Kommen mehr Leute zu den Veranstaltungen der Kirche?
Dill: Ich denke schon. Es kommen doch öfter auch mal uns unbekannte Leute.
Gibt es Reaktionen auf das Magazin?
Busse: Wenn irgendwo ein Fehler ist, Daten verwechselt wurden oder wie auch immer, wird sofort angerufen. Auf der anderen Seite wird wenig gemeckert, das scheint Lob genug zu sein. Scheinbar sind die Leute damit ganz glücklich. Man merkt das in Gesprächen: „Das stand doch im Kremmen Magazin“, heißt es da schon mal.
Gab es mal eine Erhebung, wie viele das „Wendeheft“ wirklich lesen?
Busse: Das ist sicherlich mal eine Sache, die wir in Angriff nehmen müssten.
Wir wissen ja: Der Haushalt in Kremmen ist sehr klamm. Das „Kremmen Magazin“ steht aber nicht zur Debatte?
Busse: Nein, scheinbar nicht. Da hatten die Abgeordneten überhaupt gar keine Diskussion.
Gibt es eigentlich schon Nachahmer, also Kommunen und Kirchengemeinden, die auch anderswo zusammenarbeiten wollen?
Dill: Viele schaffen es nicht, denn da fehlt der Draht zueinander. Hier ist das eigentlich auch eine persönliche Sache, da funktioniert das sehr gut.
Busse: Aus Rheinsberg gab es eine Anfrage, aber die haben wohl Schwierigkeiten, die ganzen Kirchengemenden unter einen Hut zu kriegen.
Wie kurz vor Erscheinen ist Redaktionsschluss?
Busse: Immer am 10. vor dem Druck. Ich hatte auch am 18. auch schon mal eine Anfrage wegen eines Artikels. Das geht dann ins nächste Heft.
Gibt es Wünsche Ihrerseits?
Busse: Wir wünschen uns schon Rückmeldungen, vielleicht auch wenn es Themen gibt, die wir vielleicht gar nicht so auf dem Schirm haben.
Dann Glückwunsch und weiter viel Erfolg!
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