Ampel ist auf Rot, es kommt aber niemand

Zwei Anlagen am Hennigsdorfer Havelplatz sind gleichgeschaltet – mehr Sicherheit für Fußgänger, aber teilweise unnötige Stopps für Autofahrer

MAZ Oberhavel, 18.3.2026

Hennigsdorf.
Merkwürdige Verkehrssituation in der Hennigsdorfer Fontanestraße: In Höhe des Havelplatzes gibt es gleich zwei Fußgängerampeln. Eine am südlichen und eine am nördlichen Ende. Das Besondere: Sie sind zusammengeschaltet. Springt die eine Ampel auf Rot, passiert das bei der anderen Ampel ebenfalls. Was im Umkehrschluss bedeutet: Beide Ampeln schalten auf Rot, selbst wenn nur an einer der Ampeln jemand über die Straße will. So kommt es, dass Autos unter Umständen gleich zweimal an den Ampeln halten müssen.
Wer zum Beispiel aus Richtung Marwitzer Straße kommt, muss das erste Mal an der nördlichen Ampel halten. Es wird grün, das Auto rollt wieder an – und es kann passieren, dass man an der südlichen Ampel am Havelplatz erneut halten muss. Und beide Male kann es dann sein, dass Leute an der jeweils anderen Ampel die Straße überqueren.

Beim Besuch vor Ort wundert sich eine darauf angesprochene Passantin: „Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass da hinten die Ampel auch rot wird“, sagte sie. „Das ist doch unnötig.“

Aber warum ist das so? Warum sind die beiden Ampeln auf beiden Seiten des Havelplatzes zusammengeschaltet? „Im Dezember 2020 erging ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Hennigsdorf zur Gestaltung der Verkehrsflächen auf der Fontanestraße zwischen Nauener und Parkstraße“, erklärt Andrea Linne, die Sprecherin der Stadtverwaltung.
„Kernpunkt des Beschlusses war die Festlegung einer Variante für eine sichere Querung über die gesamte Breite des Havelplatzes.“ Dabei mussten auch die Bushaltestelle Fontaneschule und der Knotenpunkt Parkstraße/Fontanestraße einbezogen werden. Ein weiterer Aspekt sei gewesen, dass die Kinder der Fontane-Grundschule die Straße queren müssen. „Die beiden Fußgängerampeln am Havelplatz sind daher das Ergebnis eines langen Planungs- und Diskussionsprozesses“, so Andrea Linne.

Als Ausgangssituation habe das Problem bestanden, dass im Bereich des Havelplatzes Gehende „wild“ über die gesamte Breite des Havelplatzes von der Heinestraße bis zur Nauener Straße die Fontanestraße querten. Das habe zu Unfällen und vielen gefährlichen Situationen geführt. „Es bestand der Wunsch, einen sicheren Querungsbereich zur Fußgängerzone zu schaffen, der auch den Bedarf der Schulkinder zum Erreichen der anliegenden Fontane-Grundschule mitberücksichtigt“, erklärt die Sprecherin weiter. „Mit der gewählten Variante mit zwei gleichgeschalteten Ampeln soll vor allem die größtmögliche Sicherheit für die schwächsten Verkehrsteilnehmer, die Kinder und Fußgänger, erreicht werden.“ Mit den beiden Fußgängerampeln sei eine Variante umgesetzt worden, die für den Fußverkehr einen großen Gewinn darstelle. „Die Ampeln werden auf Anforderung sehr schnell grün und von den Gehenden sehr gut angenommen.“

Die schnelle Schaltung führt jedoch zu dem Effekt, dass Autos mitunter gleich zweimal stoppen müssen. Andererseits: „Aufgrund der beiden Fußgängerfurten ist die Zahl der Personen, die wild die Straße queren, klar gesunken“, so Andrea Linne. Probleme sieht die Stadtverwaltung nicht. „In einer vierwöchigen Erhebungsphase konnte festgestellt werden, dass es aufgrund der Ampelschaltung zu keinen wesentlichen Problemen im Verkehrsablauf in diesem Bereich, wie Stauerscheinungen, Unfallhäufungen, Querung außerhalb der Ampelbereiche und Ähnlichem, kommt.“

Die etwas längeren Wartezeiten für den Autoverkehr durch das Betätigen der Lichtsignalanlagen lägen nach der Einschätzung der Stadtverwaltung „im zumutbaren Bereich und können in dieser Konstellation nicht geändert werden“.
Denn die beiden Fußgängerampeln liegen sehr nah beieinander. „Mit einem Abstand von etwa 60 Metern wären zwei getrennt geschaltete Ampeln nicht genehmigungsfähig gewesen“, argumentiert die Sprecherin.
„Abstände zwischen Ampelanlagen müssen mindestens 200 Meter betragen. Da jedoch über den gesamten Bereich Querungsbedarf besteht, wurde diese Lösung mit zwei Ampeln, die aber wie eine geschaltet werden, gefunden. Dadurch sind beide Ampeln auch gleichzeitig grün oder rot.“

Auch wenn also für Autofahrer scheinbar unnötige Wartezeiten in der Fontanestraße entstehen, so hat sich die Verkehrssicherheit für Fußgänger an dieser Stelle verbessert.


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