Bäckerhandwerk in der Krise

Steigende Löhne, höhere Preise, immer mehr Bürokratie: Karl-Dietmar Plentz hat in Schwante Politikerbesuch und erklärt, wo die Probleme seiner Branche liegen

MAZ Oberhavel, 7.3.2026

Schwante.
Das Bäckerhandwerk steht unter großem Druck. Das machte Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz am Montagvormittag bei einem Besuch von Bundestagsabgeordneten in Schwante deutlich.
„Wir wünschen uns, dass die Ausbildung so anerkannt wird wie das Studium“, sagte er. Ein Master-Abschluss sei hochanerkannt, „aber der Meister findet nicht die gleiche Berücksichtigung.“
Deutschland sei das Land der Brotliebhaber, „der Beruf hat eine klare Zukunft“, so der Schwantener weiter. „Aber unsere Rahmenbedingungen sind in den letzten Jahren immer schwerer geworden.“

Die CDU-Bundestagsabgeordneten Uwe Feiler, zuständig für Oberhavel und das Havelland, und Thomas Bareiß, zuständig für den Wahlkreis Zollernalb – Sigmaringen in Baden-Württemberg, waren am Montag in Schwante zu Gast. Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz nutzte die Gelegenheit, die Situation seines Handwerkes zu schildern.

Eine weitere Tücke seien die Löhne. „Ich bin dafür, dass gute Arbeit auch gut bezahlt werden muss“, betonte der Bäcker. Aber es sei klar, dass, wenn ein Helfer etwa 14 Euro pro Stunde bekomme, derjenige, der sie anleite, dann etwa 18 Euro bekommen müsse.
„Da fällt es wirtschaftlich schwer, Brötchen noch in Handarbeit herzustellen.“ Unternehmen, die die Brötchenherstellung automatisiert haben, „laufen uns davon“, so Plentz weiter. „Unsere Individualität steht unter Druck.“
Es sei jetzt schon so, dass sich viele Leute nicht mehr jeden Tag den Gang zum Bäcker leisten könnten. Der Einstiegspreis für die einfache Schrippe liege bei ihm derzeit bei 48 Cent. Es gebe aber auch spezielle Brötchen für 80 Cent oder einen Euro, und der Wettbewerb sei groß. „Ich hoffe, dass es gelingt, dass meine Branche überlebt.“
Um die 600 Bäckereien mussten vergangenes Jahr nach seinen Angaben in Deutschland schließen. „Man kann die Entwicklung nicht aufhalten, und wir sind da in zunehmender Bedrängnis.“ Allerdings: „Wir haben weniger ein Umsatzproblem, sondern ein Kostenproblem“, erklärt Karl-Dietmar Plentz.

Alles werde teurer – Energie, Benzin, die vielen Zutaten. Ein Beispiel: Vor 2025 kosteten drei Kilo Kirschen rund fünf Euro – inzwischen werden am Markt dafür bis zu 24 Euro aufgerufen. So kam es zur Entscheidung, den beliebten Kirschstreuselkuchen aus dem Sortiment zu nehmen. Das Stück Kuchen hätte sich sonst nicht mehr rentiert.
Oft würden rund um Ostern Preisanpassungen vorgenommen. Oft geschehe das in Verbindung mit der Lohnerhöhung für das Verkaufspersonal. Oder Produkte, die längere Zeit pausiert haben, kehren mit neuem Preis zurück. Es müssten zudem immer neue Ideen gefunden werden, wo gespart werden könne.
Sparen – das sei eine Methode, um über die Runden zu kommen. Auf der anderen Seite sollen durch einen neuen Standort wie am Hohen Neuendorfer Bahnhof weitere Umsätze generiert und so dem Kostendruck etwas entgegengesetzt werden. Dort und auch in den anderen Filialen würden zudem neue Produkte angeboten. Dazu gehören belegte Brötchen, Salate und Suppen. Besonders in Hohen Neuendorf sei der Stellenwert des Imbissangebotes hoch.

Auch der Bürokratieabbau sei ein großes Anliegen des Bäckermeisters. Bei dem Thema verwies der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler auf den Koalitionsvertrag der neuen Regierung in Brandenburg. Dort sei der Bürokratieabbau ein großes Thema. Er habe die berechtigte Hoffnung, dass die SPD-CDU-Koalition dahingehend arbeiten werde.
In Sachen Löhne und Mindestlöhne verwies er auf die Mindestlohnkommission. „Wir werden den Mindestlohn nicht mehr abschaffen können“, sagt Uwe Feiler aber auch. Allgemein wünscht sich Karl-Dietmar Plentz mehr Mut von der Politik. „Wir brauchen eine stärkere Mitte, um nicht die Ränder zu stärken“, erklärte er.


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