Werd‘ doch bestattet, wie du willst

Wenn ich heute über den kleinen, katholischen Friedhof in Oranienburg laufe, dann sehe ich vor allem die üblichen Sarggräber und Urnengräber. Und ich sehe auch, dass der Friedhof immer leerer wird.
Auf dem städtischen Friedhof in Oranienburg sieht das schon anders aus. Da gibt es auch anonyme Grabfelder und auch Grabstellen, in denen sehr viele Menschen beerdigt sind und es eine Tafel gibt, auf der alle Namen stehen.
Vor einigen Jahren gab es in Oberkrämer Diskussionen über Bestattungsformen. es dauerte ewig, bis in Bötzow ein Friedwald eröffnet werden konnte, weil davor lange eine Mehrheit der Gemeindevertreter der Meinung waren, dass man ja so was nicht brauche.

Ich erzähle das, weil ich auf einem Friedhof in Berlin-Alt-Hohenschönhausen war. An der Konrad-Wolf-Straße befindet sich der St. Pius-St. Hedwig-Friedhof. Genau genommen sind es zwei Friedhöfe, der Pius-Friedhof und der St. Hedwig-Friedhof IV. Es handelt sich um einen katholischen Friedhof, und ein Spaziergang über das Gelände ist sehr erhellend.

Denn sehr schnell fällt auf: Auf diesem Friedhof gibt es unzählige Arten der Bestattung, und es scheint gar kein Ende zu nehmen.
Es gibt auch hier Sarg- und Urnengräber, wie wir sie auf herkömmliche Art kennen. Ganz hinten gibt es einen Hain, in dem junge Bäumchen gepflanzt werden. Dort kann eine Urne bestattet werden oder auch zwei, sogar vier.
Man hat eine ganz kleine Fläche um den Baum herum, die man gestalten kann oder nicht. Man kann sie einfassen oder nicht. Man kann einen kleinen Grabstein ranstellen oder nicht. Wie man will.
Hier und da gibt es kleine Schildchen an einzelnen Bäumen. An anderer Stelle befind sich eine Art Rundbeet, auf dem im Kreis am Rand lauter kleine Grabstellen sind.
Es gibt Grabfelder, in denen sehr viele Menschen beerdigt sind, alle mit kleinen Schildchen versehen. Weiter hinten steht eine Wabenwand, in der so was wie Schubladen sind. Es gibt Stellen mit Gemeinschaftsstelen – und noch einiges mehr, was ich vielleicht nicht entdeckt habe.

Ich finde das so erstaunlich wie erfreulich. Denn es ist ein Friedhof, der scheinbar alle möglichen Bestattungswünsche erfüllen kann. Werd‘ doch bestattet, wie du willst. Es gelten scheinbar keine starren Regeln, überall, wohin der Blick fällt, sind andere Arten möglich.
Viele Friedhöfe sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Nicht nur, um Möglichkeiten der Bestattung zu haben – auch für Spaziergänger ist das sehr spannend.


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