Eurovision Song Contest 2026 – Das deutsche Finale

SA 28.02.2026 | 20.35 Uhr | Das Erste

Nach viel zu langen drei Stunden mit zig Interviews und diversen Einspielern und noch mehr Interviews, war endlich klar: Sarah Engels wird Deutschland mt „Fire“ beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien vertreten.

„Das deutsche Finale“, am Sonnabend im Ersten, war der Auftakt der SWR-Zuständigkeit für den ESC. Der Sender hat das Event vom NDR übernommen, der fast 30 Jahre lang dafür zuständig war.
Alles sollte anders werden – hofften zumindest die Fans.

Zumindest in Teilen hat sich diese Hoffnung sogar erfüllt. Anders ist, dass erstmals Hazel Brugger gemeinsam mit Barbara Schöneberger moderierte. Sie sorgte für den Humor in der Show – mit einem witzigen Einspieler über deutsche Klischees, Straßeninterviews in Wien und heimlich Mozartkugeln spachtelnd unter der Tribüne.

Dennoch: Die Show zog sich. Und das Absurde: Es gab dafür keinen Grund, außer dem, dass man die Show der Zuschauerquote wegen in die Länge ziehen wollte.
Man lud extra eine 20-köpfige ESC-Jury nach Berlin ins Studio ein. Es waren mitunter hochkarätige ESC-Stars dabei, die man dem deutschen Publikum aber vorsichtshalber größtenteils nicht näher vorstellte. Wofür die im Studiop sitzen mussten, war unklar.
Auch hat man dann einfach die drei Acts verkündet, die laut dieser Jury die drei besten waren. Ohne Punktevergabe, vollkommen schörkellos.

Denn das Ganze funktionierte so: Neun Songs standen zur Auswahl. Das dumme deutsche Publikum ist aber, wenn man den SWR-Verantwortlichen Glauben schenken darf, zu doof dafür, aus den Neun den ESC-Hit rauszusuchen (ähm, nun ja, ganz falsch liegen sie damit nicht). Also wählte die Jury drei Songs aus, und nur aus diesen drei Songs durften die Zuschauer voten.

Immerhin waren die besten zwei Songs tatsächlich in der Endauswahl: Neben Sarah Engels schaffte es auch wavvyboi mit „Black Glitter“ in die Top 3. Es wäre der auffälligere Titel geworden, mit Sarah Engels schicken wir zwar einen Act, der sich durchaus sehen lassen kann, Sarah kann gut singen und sich gut bewegen, aber in der Art ist „Fire“ beim ESC nun wirklich nichts, was innovativ sein könnte.

Aber der SWR hat dramaturgisch nicht nur bei der Punktevergabe (die es nicht gab) echte Spannungsmomente verschenkt.
Im Vorfeld wurde extra aufgerufen, die besten deutschen ESC-Beiträge aus 70 Jahren zu wählen. Daraus hätte man zumindest eine Top 10 basteln können, wo im Countdown die Songs in den original ESC-Ausschnitten gezeigt werden. Darauf hatte man scheinbar aber keine Lust. Stattdessen nannte Barbara Schöneberg nur die Plätze 5 bis 3 (also, es blieb bei der bloßen Nennung, kein Ausschnitt, nichts). Platz 3 war „Baller“, und obwohl Abor & Tynna vor Ort waren, ließ man sie nicht singen. „Baller“ erlang nur sehr kurz in einem Anfangsmedley. Platz 2 und 1 sang dann Michael Schulte, seinen eigenen Hit „You let me walk alone“ und Lenas „Satellite“.
Aus dieser Aktion hätte man viel mehr machen können.

Stattdessen: Interviews. Und Eispieler. Immerhin: ein ESC-Medleys, gesungen von ESC-Stars wie Luca Hänni. Dennoch hätte man sich eine gute halbe Stunde locker sparen können, denn zum Ende hin zog sich alles wie ein Kaugummi dahin.
Ein Einspieler zeigte die Songs, die andere Länder bereits für den ESC 2026 gewählt haben – allerdings konnten wir sie nicht hören, weil Kommentator Thorsten Schorn über alle diese Lieder drüberquatschte.

Ob wir mit Sarah Engels einen Blumentopf gewinnen, wird sich im Mai zeigen. Dass sie nicht die Über-Favoritin ist, zeigte sich schon an der Zurückhaltung beim Televoting. Sarah Engels gewann mit 38,3 Prozent, wavvyboi schaffte 34,2 Prozent und Molly Sue mit „Optimist (Ha Ha Ha)“ 27,6 Prozent. Es gab also keinen Ausreißer-Hit.
Das spricht entweder dafür, dass alle Songs ähnlich gut waren oder dafür, dass kein Song besonders hervorstach. Ich befürchte Letzteres.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 28. Februar 2027)


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert