Hamnet

Es ist Liebe, und beide wissen es sofort: William Shakespeare (Paul Mescal) ist sehr schnell klar, dass er mit Agnes (Jessie Buckley) zusammen sein will – auch wenn die Eltern das ablehnen. Denn Agnes gilt als Hexe – sie kann Dinge vorhersehen, und das ist den Leuten unheimlich.
Sie bekommen drei Kinder: Susanna (Bodhi Rae Breathnach) und dann die Zwillinge Judith (Olivia Lynes) und Hamnet (Jacobi Jupe). Sie führen ein gutes Leben – eigentlich. Denn William zieht es nach London. Er will dort ans Theater, hinter den Kulissen arbeiten und am Ende Stücke schreiben.
Die Familie bleibt zurück, und er kommt immer mal wieder zu Besuch.
Aber das Leben daheim, in Stratford, ist beschwerlich. Als die Pest die Familie erreicht, wird Judith schwerkrank. Hamnet will seine Zwillingsschwester retten und opfert sich – was die Familie in tiefe Trauer stürzt und William große Schuldgefühle bringt, denn er war nicht rechtzeitig zu Hause.

„Hamnet“ spielt in späten 16. Jahrhundert, und er erzählt davon, was William Shakespeare dazu bewogen haben könnte, das Stück „Hamlet“ zu schreiben.
Die Betonung liegt auf: könnte. Denn über Shakespeares Privatleben ist relativ wenig bekannt, und all das, was wir im film sehen, ist Spekulation.
Aber das ist letztendlich nicht wichtig, denn der Film funktioniert wahnsinnig gut, und er eröffnet einen vollkommen neuen Blick auf „Hamlet“.
Denn ganz am Ende ist es tatsächlich so, dass im Londoner Theater Shakespeares „Hamlet“ aufgeführt wird, und wir sind dabei.
Es sind die Momente, die so wahnsinnig ergreifend sind, wie es für viele Menschen „Hamlet2 wahrscheinlich nie war. Weil dieses Stück durch diesen Film plötzlich einen (möglichen) Kontext bekommen hat.
Jessie Buckley als sorgende und dann trauernde Mutter. Allein, was sich in ihrem Gesicht abspielt, als sie in der ersten Reihe stehend, das Stück verfolgt, ist meisterlich. Auch Paul Mescal als liebender Ehemann und Vater und durch seine beruflich-private Lage zaudernder Mann spielt sehr überzeugend. Aber auch sein Sohn Hamnet – der im Grunde titelgebend ja die eigentliche Hauptperson ist, wird durch Jacobi Jupe eindrücklich gespielt – insbesondere wenn er immer wieder von seinem Vater Abschied nehmen muss und wenn er sich am Bett seiner kranken Schwester darauf besinnt, für sie einzustehen.
Auf eine zunächst unaufdringliche Weise, später aber mit großer Wucht, strahlt „Hamnet“ eine Faszination aus, die später zum „Wow“ wird.

-> Trailer auf Youtube

Hamnet
USA 2025, Regie: Chloé Zhao
Universal, 125 Minuten, ab 12
9/10


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