Manche Geschichten muss man vom Ende her erzählen. Denn wenn man vom Ende nach und nach an den Anfang kommt, dann sehen wir Verbindungen, die plötzlich sichtbar werden.
Es geht um das Leben von Chuck. Wobei wir erst mal gar nicht wissen, wer dieser Chuck ist.
Jeder sieht Chuck. Immer wieder laufen Spots im Fernsehen, in denen Charles „Chuck“ Krantz für 39 wunderbare Jahre gedankt wird. Danke, Chuck! Es gibt Werbeschilder und LED-Screens. Niemand kommt an Chuck vorbei, obwohl niemand weiß, wer das ist und was das soll.
Die Leute sind auch anderweitig beschäftigt: 80 Prozent von Kalifornien sind ins Meer gestürzt, die Wirtschaft bricht zusammen. Deutschland ist eine Kraterlandschaft. In Asien wütet die Beulenpest. Und dann explodieren auch noch die Sterne am Himmel. Es geht vorbei. Das Ende.
Das war der 3. Akt: „Danke, Chuck!“. Es folgt der 2. Akt: „Lang lebe die Straßenmusik“.
Hier läuft Chuck (Tom Hiddelston) an einer Musikerin vorbei – und beginnt zu tanzen. Warum ihm das in den Sinn kam, weiß er nicht.
Im 1. Akt, „Ich enthalte Vielheiten“, das am Ende kommt, erleben wir Chuck (Jacob Trembley) als Jugendlichen. Seine Eltern sterben früh, er wächst bei den Großeltern auf. Sein Opa warnt ihn aber immer wieder, auf den Dachboden zu gehen. Zu gefährlich. Es ist das große Mysterium.
Mike Flanagans Film „The Life of Chuck“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King. Mit Horror hat diese Story aber nichts am Hut. Eine Prise Mystery darf aber nicht fehlen.
Er ist Katastrophenfilm, ein bisschen Musical, dazu eine Coming-of-Age-Story. Alles ein bisschen melancholisch, manchmal geheimnisvoll – aber vor allem immer faszinierend und packend.
Während Chuck anfangs (eigentlich ja am Ende) ein Mysterium ist, lernen wir Chuck im Laufe des Film näher kennen. Warum mag er es, zu tanzen? Warum hat er geahnt, wie es zu Ende geht?
Es gibt einen extrem berührenden Moment, in dem Chuck in seine Zukunft schauen kann, es ist das Tor zum Ende – beziehungsweise zum Anfang des Films.
Das alles ist ganz stark gespielt, sowohl der auf der Straße tanzende Tom Hiddelston als auch der jugendliche Jacob Trembley spielen wahnsinnig gut. Das gilt aber auch für die vielen Nebenrollen.
Wenn der Film eine Botschaft haben sollte, dann vielleicht die, sein Leben zu leben, als gäbe es kein Morgen. Denn irgendwann gibt es wirklich keines mehr.
The Life of Chuck
USA 2024, Regie: Mike Flanagan
Tobis, 111 Minuten, ab 12
9/10
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